TRANSATLANTIC - The Absolute Universe

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VÖ: 05.02.2021
Bandinfo: TRANSATLANTIC
Genre: Progressive Rock
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

Als würden zumindest drei der vier Protagonisten nicht eh schon ein jährliches Kontigent an Musik auswerfen, das andere Bands in einer ganzen Lebenszeit nicht schaffen. Da kann einem ja schon mal so langweilig werden, dass eine Version des angestrebten Outputs nicht mehr genug erscheint. Zeit hat man ja, Themen wahrscheinlich auch, einen Ruf zu verteidigen, und die Kreativität scheint auch nicht versiegen zu wollen in den mittlerweile allesamt etwas ergrauten, transatlantischen Eminenzen. Dass die Herren Portnoy (beehrt uns im März mit einer neuen LIQUID TENSION EXPERIMENT-Abfahrt!), Stolt (hat uns im Oktober erst mit dem FLOWER KINGS-Doppelwhopper „Islands“ beglückt) und Morse (haut gefühlt alle 6 Monate ein Dreifach-Album mit einer seiner zwei oder drölf Bands raus) überhaupt noch neue, unverbrauchte Melodien und Beats in sich haben, scheint irgendwie doch ein Wunder. Aber so ist es nun mal. Und die Krux mit dem „Doppel-Konzept-Album“ scheint sich auch wie durch ein Wunder in ganz neue Gegebenheiten aufzulösen: So haben TRANSATLANTIC nicht einfach eine episch lange und eine chartstauglich kurze Version von „The Absolute Universe“ rausgekloppt, nein. Man hat für die abgespeckte Zweitversion gar ganze Songs umarrangiert und auch die Gesangsparts umstrukturiert, die ganze Chose quasi zweimal eingespielt. Und zur Krönung gibt’s neben diesen beiden Vresionen, die man einzeln erwerben kann, auch ein überspannendes Boxset mit beiden Teilen sowohl auf Vinyl und CD, als auch mit 5.1-Mix auf BluRay und Making-Of-Doku.

Musikalisch kann man sich nur vorsichtig an die Sache heranwagen. Nicht weil sie sperrig wäre oder unzugänglich – es wäre nicht TRANSATLANTIC, wenn in all dem Prog-Gewusel nicht hitverdächtige Hooklines und Harmonyparts für alle Ewigkeit enthalten wären. Aber es ist halt schon viel Stoff, den man hier bewältigen muss. Die beiden Teile „Forevermore“ (die lange Version) und „The Breath Of Life“ (die „abgespeckte“ Variante) miteinander zu vergleichen macht dann auch nur bedingt Sinn – obwohl es natürlich Nerds geben soll, die die Songs miteinander abgleichen und am Ende in eine Waagschale werfen werden. Das macht – note to self! – aber wenig bis gar keinen Sinn. Laut Mike Portnoy kann man Parallelen zu „The Whirlwind“ ziehen (der textlich sogar in dem einen oder anderen Song vorkommt), denn eigentlich handle es sich hier um einen einzigen langen Song, der halt wieder mal in ohrgerechte Häppchen zerspragelt wurde. Von der Dramatik kommt die Sache zwar weder an „Kaleidoscope“ oder „The Whirlwind“ ran, was aber gar nichts macht – es ist einfach schön, TRANSATRLANTIC zu lauschen, unprätentiös, unvoreingenommen, unverblümt. Wenn die vier mal ausnahmsweise keinen eineinhalbstündigen Spannungsbogen halten, geht die Welt auch nicht unter. Oder so.

Der alles umspannende 5.1-Mix der „Ultimate Edition“ ist übrigens ein weiteres Zuckerl dieser an Zuckerln nicht gerade armen Veröffentlichung. Dem geneigten Fan (=Nerd?) bleibt nun der bereits erwähnte Spaß, herauszufinden, welche Parts sich auf den jeweiligen Versionen unterscheiden und inwiefern, und ja – selbst für die „Ultimate Version“ wurde noch ein wenig was dazu- und weg-gebastelt. Mittlerweile kennt sich angeblich eh nur noch Mike Portnoy in diesem Wirrwarr irgendwie aus, denn selbiger konzipiert normalerweise die Song-Parts. Ein Detail sei jedoch verraten: bei „Take Now My Soul“ und „Swing High, Swing Low“ handelt es sich um denselben Song, bloss mit anderen Sängern und anderem Text. So, und jetzt nehmt euch die Zeit, dieses Monstrum einer ausführlichen Sezierung zu unterziehen. Das scheint zwar beim ersten Hören schier unmöglich, macht aber genau das aus, wofür TRANSATLANTIC stehen: Grandiose musikalische Landschaften zu zaubern und immer wieder zu überraschen. Und am Ende ist auch „The Ultimate Universe“ – bei aller Vielschichtigkeit - nur zeitlos schöne Hirn-Musik für Bauch und Herz.

[Anmerkung: Es wurde hier das Gesamtpaket mit seinen Komponenten benotet und absichtlich NICHT jede der beiden Veröffentlichungen einzeln!]



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (14.02.2021)

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