JASON BIELER AND THE BARON VON BIELSKI ORCHESTRA - Songs For The Apocalypse

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VÖ: 22.01.2021
Bandinfo: JASON BIELER AND THE BARON VON BIELSKI ORCHESTRA
Genre: Hard Rock
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

JASON BIELER dürfte einigen aus seiner Zeit bei SAIGON KICK bekannt sein, einer Band, der leider kein langfristiger Ruhm beschert blieb, die aber alles andere als 08/15-Musik ablieferte.

Die meines Wissens dritte JASON BIELER-Soloscheibe kommt unter dem Banner JASON BIELER & THE BARON VON BIELSKI ORCHESTRA auf den Markt und strotzt nur so vor Prominenz. So finden sich Mitstreiter in Form von Pat Badger (EXTREME-mit JASON BIELER gemeinsam bei den ebenfalls nur kurzlebigen SUPER TRANSATLANTIC am Start), MEGADETH's David Ellefson, Jeff Scott Soto, Bumblefoot und Devin Townsend.

Letzterer ist offenbar auch ins Songwriting eingebunden gewesen, klingt doch der nach einem längeren Intro startende Eröffnungssong "Apology" wie ein reinrassiger DEVIN TOWNSEND-Track, melodisch aber ziemlich abgedreht. Hier haben wir es keineswegs mit leicht verdaulicher Frontiers-Kost zu tun. "Bring Out The Dead" schlägt in die gleiche Kerbe, ist aber um einiges eingängiger und entwickelt sich nach mehreren Hördurchgängen zu einem richtigen Ohrenschmeichler.

"Annalise" wird dann wieder um einiges schräger. Ein hektischer Drumbeat über sphärenhaften, langsam vorgetragenen Vocals. Da muss man schon etwas open minded sein.

Mit  "Stones Will Fly" wird wieder etwas straighter losgerockt, auch wenn man hier ebenfalls wieder bei der Suche nach Strophe, Bridge und Refrain erst lange suchen muss. "Unorthodox" trifft es wohl am besten.

"Down in A Hole" mit seinen Marsch-Trommeln mündet in einem geschmeidig-melodischen Refrain, ehe mit "Anthem for Losers" getreu dem Titel der eingängiste Song folgt: mehrstimmiger Gesang par excellance und leichten Queen-Anleihen inklusive.  Der mit Abstand beste Song des gesamten Albums.

Gesanglich und stilistisch erinnert mich das Ganze zum Teil etwas an die formidable aber sträflich untergegangene SHUGAZER-Scheibe von 2003, auf der PAUL LAINE einige moderne rockende Songs dieser Art am Start hatte, die jedoch insgesamt weit  homogener war als die vorliegende CD.

Die zweite Hälfte des Albums wird mit dem kurzen Instrumental "Horror Wobbles The Hippo" eingeläutet, einer leicht jazzigen Angelegenheit. Der nicht so tolerante Hörer wird bei "Beyond Hope" mit seinen Rap-Gesang-Einlagen an die äußerste Grenze der Belastbarkeit gebracht. Das ist dann doch etwas arg viel Experimentierfreude. Da kommt die Verschnaufpause mit dem ruhigen, symphonisch angehauchten "Crab Claw Dan" durchaus zum richtigen Zeitpunkt.

"Born Of The Sun" mit seinem etwas orientalischem Hauch geht leicht in Richtung Progrock und überzeugt wieder durch einen guten melodischen Refrain. Das einminütige "Baby Driver" ist zum Skippen, bevor einen das mächtige "Alone in The World" in die Ecke wuchtet, ohne den Hörer jedoch wegzupusten.

Bei "Very Fine People" kommt zum Ende noch einmal eine akustisch gehaltene Ballade zum Tragen, bei dem der mehrschichtige Gesang im Gegensatz zu den meisten anderen Songs nur im Refrain auftaucht.

Das eineinhalbminütige Outro "Fkswyso" kann man auch getrost unter "sinnfrei" abhaken. Und schon hat man die knapp einstündige Tour-De-Force beendet.

Auch nach mehreren Versuchen lässt einen JASON BIELER (Nein ich wiederhole nun den Projektnamen NICHT!) doch etwas ratlos zurück. Vieles wirkt doch etwas zu gewollt und bewusst auf schräg getrimmt. Da wäre an manchen Ecken und Enden weniger mehr gewesen. Welche Zielgruppe der Gute damit ansprechen will ist angesichts des teilweise doch etwas konfusen Teils ein bisschen rätselhaft. Ein Zitat des Musikers zu "Songs For The Apocalypse" mag da eventuell hilfreich sein:

"It should sound something like if NEUROSIS got stuck in a blizzard at a Wawa with SUPERTRAMP, then JELLYFISH showed up and they all decided to do Barry Manilow covers in the style of MESHUGGAH, but in waltz time with slight country underpinnings…yet accessible for the masses" - das lass ich jetzt einfach mal unkommentiert so stehen......

Schlecht ist das Ganze nicht aber ich würde mir das nun nicht tagein tagaus reinziehen. Mehr etwas für die etwas schrägeren Momente des Lebens. Und die gibt es derzeit ja durchaus zur Genüge.

 

                 

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (22.02.2021)

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