SILENT WINTER - Empire Of Sins

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VÖ: 26.03.2021
Bandinfo: SILENT WINTER
Genre: Power Metal
Label: Pride & Joy Music
Lineup  |  Trackliste

Die Griechen SILENT WINTER gibt es eigentlich bereits seit Mitte der 90er, jedoch kamen damals nur zwei Demos-Tapes zustande. 2018 dann die Wiederbelebung mit Ausnahme von Gitarrist Akis Balanos mit einer komplett neuen Besetzung. Insofern besteht diese Band de facto erst seit rund drei Jahren. Nach einer EP kam 2019 das Debütalbum „The Circles Of Hell" von der Truppe aus der Hafenstadt Volos in Thessalien. Zumindest Sänger Mike Livas hat schon internationale Bühnenerfahrung gesammelt, indem er mit Timo Tolkki seit ein paar Jahren live auftritt. Nun also der Zweitling „Empire Of Sins“.

Im Mittelpunkt steht der Gesang von Livas: Hoch, mit viel Vibrato und meistens kraftvoll bis zur Übersteuerung. Daran werden sich mit Sicherheit ratzfatz die Geister scheiden. Für den Verfasser dieser Zeilen war es auf Dauer enervierend, um nicht zu sagen: nervtötend. Aber wie gesagt, das wird Geschmackssache sein. Wer zum Beispiel kein Problem mit der Stimme von Alexander Koch (u. a. POWERGOD, IVANHOE, SPIRAL TOWER) hat oder sie sogar geil findet, der wird auch mit Livas klarkommen. An die Machwerke von Koch bei POWERGOD oder IVANHOE erinnert die Mucke der Griechen auch stilistisch. Also Power Metal wie er im Buche steht: gerne Doublebass, hohe Screams, im Zentrum stehende Gesangsmelodien, dazwischen blitzen ein paar krachende Gitarrenriffs hervor und vor einer weiteren Wiederholung des Refrains gibt’s schnell irgendein Gitarrensolo. Dazu klischeetriefende Texte aus dem Metal-Bullshit-Bingo.

Nun gut, alles kein wirklicher Beinbruch, wenn die Songs überzeugen würden. Tun sie aber mehrheitlich nicht. Das vorab veröffentlichte „Gates Of Fire“ erinnert in seiner Simplizität und dem transportierten Storycharakter von herzergreifendem Heroismus (es geht inhaltlich um die 300 Spartaner bei den Thermopylen) an die guten Songs von HAMMERFALL und macht Hoffnung. Die werden aber nicht wirklich bestätigt. „Wings Of Destiny“ hat zwar eine gute Melodyline, die gekonnt mit der Gitarre eingeführt und dann im Refrain vom Gesang aufgegriffen wird, so richtig packen kann einen die Nummer letztlich aber nicht. Das ist instrumental alles gut gemacht, keine Frage, aber so etwas gab es schon zigmal und die Musik von SILENT WINTER wirkt zu oft wie ein erneuter Aufguss ohne irgendetwas Neues. Und ganz ehrlich: Können alle Bands dieser Welt bitte mal Floskeln wie „Wings Of destiny“ streichen? Ist ja nicht mehr auszuhalten!

Nacheinander kommen weitere Aufgüsse bekannter Power-Metal-Bands. Bei „Mirror“ blinzeln frühe BLIND GUARDIAN um die Ecke, bei „Hunter's Oath“ versucht es die Truppe mit einem breiter angelegten Songaufbau mittels kleiner balladesker Einschübe, um dann mit „Where The River Flows“ eine Powerballade der Marke „I Believe“ von HAMMERFALL nachzulegen, die aber nicht im Ansatz die Qualität des Vorbilds erreicht. Der Rest ist nicht mal mehr erwähnenswert, so durchschnittlich ist das. Einzig das Cover von Belinda Carlisles Softrock-Song „Leave A Light On“ kann man sich gut geben. Aber wenn eine Coverversion mit das beste Lied ist, dann sagt das viel aus über die Qualität eines Albums.  



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Tobias (15.03.2021)

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