UNDER A SPELL - The Chosen One

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VÖ: 19.02.2021
Bandinfo: UNDER A SPELL
Genre: Heavy Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Eine wirklich unterhaltsame Nebenerscheinung beim Rezensieren von neuen Musik-Veröffentlichungen ist der Genuß von Pressetexten. Kreative Menschen haben die Aufgabe, sich einen möglichst aussagekräftigen Text einfallen zu lassen, welcher den Musikjournalisten nicht nur umfassend über die vorliegende Veröffentlichung informieren soll, sondern diesem auch noch den einen oder anderen Köder hinzuwerfen, mit welchem er den Leser zum Genuß dieser Veröffentlichung bewegen könnte. Der erfahrene Schreiberling erkennt diese Köder natürlich bereits von Weitem, und so sollten bei folgendem (sehr wahrscheinlich mit einem Augenzwinkern verfassten) Text bereits sämtliche Alarmglocken schrillen: "Dies ist spezielle Musik für Metal-Hörer mit besonderem Geschmack. Diese Hörer werden feststellen, dass diese neue Band genau zu ihren "Geschmacksnerven" passt!"
UNDER A SPELL machen also spezielle Musik - sowas mögen wir doch eigentlich alle, nüm?

"The Chosen One" beginnt schon sehr speziell: Ein Intro, das klingt, als würde ein Gitarrenschüler sich am Riff von DEEP PURPLEs "Perfect Strangers" versuchen, irgendwann aber die Lust daran verlieren und stattdessen einfach sieben verschiedene Gitarrenspuren irgendwie übereinander aufzunehmen. Und damit beginnt eine 45-Minütige Irrfahrt, die so ziemlich alle Argumente beinhaltet, warum ein durchschnittlicher Ö3-Hörer Heavy Metal nur als undefinierbaren Lärm empfindet. Exakt fünf Sekunden dauert die Hoffnung, es bei UNDER A SPELL mit einem ambitionierten US-Newcomer zu tun zu haben: Ein fett sägendes Riff, man möchte bereits zum Bangen ansetzen und dann passiert es: Der Gesang von Pam Rosser setzt ein!

Wobei, "Gesang": Die Frau schreit sich die Seele aus dem Leib als gäbe es kein Morgen. Und ich spreche hier nicht von der guten Art zu schreien! Damit wir uns verstehen: Das hier ist richtig übel! Durchgehend in derselben Tonart und sagenhaft talentbefreit. Erinnerungen an die Schulzeit werden wach, als der Lehrer unabsichtlich mit den Fingernägeln über die Tafel kratzte. Spezielle Musik. Die Band, wie gesagt in den ersten fünf Sekunden noch einigermaßen vielversprechend unterwegs, lässt sich bereits im Laufe des ersten Songs immer mehr von den Defiziten ihrer Sängerin anstecken und versinkt in völlig belanglosen Strukturen, um gegen Ende des Songs ein und dasselbe Instrumental-Thema gefühlt zwanzig Mal am Stück wieder und wieder durchzukauen. Aus Verzweiflung? Vermutlich.

Die leise Hoffnung, dass es nach dem ersten Song ja eigentlich nur mehr besser werden kann, verlaufen sich sofort im Gewirr aus Gitarren, Bass, Drums und der Sirene, die sich Gesang nennt. Verzweifelt versuche ich irgendetwas Positives zu finden, wohl wissend, daß hinter jeder Veröffentlichung viel Leidenschaft und Schweiß steckt. Jedoch machen es einem UNDER A SPELL wirklich nicht leicht. Der Rhythmusgitarrist tut zwar einen recht soliden Job, leidet aber unter ziemlich beschränkten Skills. Der Leadgitarrist scheint einfach spontan irgendwas über die Songs zu solieren, ohne diese je zuvor gehört zu haben. Der Bassist ist im Soundgatsch sowieso kaum wahrzunehmen. Immerhin scheint der Drummer einigermaßen talentiert zu sein. Und naja - über die Sängerin haben wir eh schon zu viele Worte verloren. Ein ganz kleiner Lichtblick tut sich bei "Into The Dark" auf, als die Vocals zu Beginn ansatzweise etwas ruhiger und dunkler sind. Aber der Segen hält nicht lang. Ich bekomme Kopfweh. Zum Glück ist es bald überstanden. Spezielle Musik.

Keine Ahnung ob es tatsächlich Menschen gibt, deren Geschmacksnerven sich von UNDER A SPELL angesprochen fühlen. Falls ja meldet euch bitte in den Kommentaren - Eure Drogen müssen wirklich gut sein! Meine Geschmacksnerven haben ihre Ohren jedenfalls schon längst zugeklappt. "The Chosen One" ist vermutlich die schlimmste Platte, die ich in den letzten 20 Jahren gehört habe. Und damit habe ich zum Abschluß sogar noch das einzig legitime Argument FÜR dieses Album gefunden: Es ist so schlecht, das musst du gehört haben!

 



Bewertung: 0.5 / 5.0
Autor: adl (15.02.2021)

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