DIE APOKALYPTISCHEN REITER - All You Need Is Love (XX Anniversary Edition)

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VÖ: 19.03.2021
Bandinfo: DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Genre: Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

Gevatter Tod kommt einem immer näher, wenn Alben, die man im nicht mehr ganz so frühen Erwachsenenalter verehrt hat plötzlich mit einer recht hohen Zahl vor "Anniversary Edition" wiederveröffentlicht werden. 20 Jahre ist es bei DIE APOKALYPTISCHEN REITER her, dass sie ihren Megatonnenhammer "All You Need Is Love" herausgebracht haben und mich knapp vor dem Ende meines 31. Lebensjahres begeisterten. Wobei begeistern in den flirrend heißen Tagen des Julis und Augusts 2001 eher elastisch ausgedrückt ist, für lebenslange F 33.1/F 60.31 - Jockeys war das eine eindrückliche Zeit. Jedenfalls für mich.

Sei es wie es wolle, nähern wir uns Thüringern mit ihrem damals (und noch immer) dritten Album. 

Der Re-Release kommt jetzt ohne großes Bonus-Material daher, für die in verschiedenen Farben erscheinenden Erdölversionen gibt es scheinbar ein "Vinyl-Remastering". Ob sich hier groß etwas am ohnehin schon beinahe perfekten Sound des Albums getan hat, kann ich nicht sagen, ich muss mit dem Label-Download Vorlieb nehmen und der hoppelt fröhlich zwischen 256 und 320 kbps her. Wir reden hier also nicht von Studioqualität. Liebe Labels, schön, dass ihr die immer bedeutungsloser werdende Printpresse mit Originaltonträgern beliefert und uns Schmuddelkinder mit minderwertigeren Downloads versorgt, aber ganz ehrlich, was bringt euch das? Ob Götz "ich weiß alles" K. oder Frank "ich weiß mehr als alles" A. euch umschmeichelt wird sich absatztechnisch mittlerweile nicht mehr messbar nachempfinden lassen. 

Sei es wie es wolle 2.0. Das Album hat damals richtig eingeschlagen, hat mit dem Opener "Licked By The Tongues Of Pride" (herrlich deutsch gesungen), dem "Kopf hoch!"-Song "Unter Der Asche", der mit grandioser Text-Musik-Zusammenarbeit dem völlig richtungslosen Hörer damals zumindest kurzfristig die Richtung gezeigt hat und der Bandhymne "Reitermania" einige veritable Hits.

Die Jungs konnten damals mit ihren laut-leise, langsam-schnell, besinnlich-wahnsinnigen Sprüngen in beinahe jedem Song gut die zwei Seiten des Wahnsinns im Menschen abbilden. Abgrundtiefe Traurigkeit, Introspektion, Kontemplation in Metalsongs gibt es, aber so wie es die Ostdeutschen hier zeigen, gibt es das selten.

Ich muss gestehen, dass ich der Knaben nach diesem Album verlustig gegangen bin. Ich zog durch die Welt und hatte tatsächlich anderes im Sinn. 

Gerade deshalb finde ich den Re-Release von "All You Need Is Love" (die simple, aber ewig geltende Botschaft!) im Moment recht treffend. Es schlagen gerade einige Re-Releases am Markt ein, die mich in meine Jugend oder wie hier in meine frühen 30er zurückkatapultieren. Eigenartig, dass das gerade jetzt kommt. Aber ich beschäftige mich gerne damit und auch die Gespräche mit den Jungs aus meiner Metalgemeinschaft kommen grad jetzt immer wieder mit Anekdoten hervor die uns einerseits zum Lachen bringen, andererseits aber auch die Frage aufwerfen: was waren wir für Vollkoffer damals (Achtung, an unsere deutschen Leser*innen und Redakteur*innen, die gegenständliche Bezeichnung "Vollkoffer" auf einen vergangenen Lebensbereich bezogen kann durchaus ironisch gemeint sein.).

"Gone" ist ein Metalhammer vor dem Herrn. Der Sound ist ein wenig sehr laut, was aber auch am Promomaterial liegen kann. Ich besitze die CD leider schon lange nicht mehr und kann mit keiner vergleichbaren Soundreferenz (Vinyl, Kassette, Schallfolie, Wachsrolle, Keilschrifttafel) aufwarten. Aber der Song hat beinahe schwarzmetallische Spannungsbögen und knallt deftig.

Und originell. Kann sich noch jemand an das Adjektiv erinnern? Ein eigener Sound, ein eigenes Händchen beim Songwriting, eigene Ideen. Nein, ich jammere hier nicht über die seit einigen Jahren immer ärger werdende Cookie-Cutter-Mentalität im Metal, aber ja, manchmal war damals einiges besser. Ich segle hier keineswegs im Deaf Forever "bis 82 - danach alles scheiße"-Fahrwasser, aber bevor alles MIDI und Reaper war, haben sich manche Bands schon noch ab und an Gedanken gemacht und auch mal ein Didgeridoo ins Studio geschleppt., oder sich überlegt wie man zumindest ein rudimentäres Reimschema ins Songkonstrukt zwängt.

Sei es wie es wolle 3.0 - The Return. "All You Need Is Love" war damals gut und eindrücklich und ist es auch heute noch.

Basta.

 

"Ein Hafen kam nie in Sicht
Nach Hoffnung Gewissheit welch Bitternis
So treibe ich durch das Leben
Es hat mir nichts gegeben."

 



Ohne Bewertung
Autor: Christian Wiederwald (12.03.2021)

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