LASTELLE - Delicate

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VÖ: 26.02.2021
Bandinfo: LASTELLE
Genre: Post Hardcore
Label: Year Of The Rat Records
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Lineup  |  Trackliste

Diese berüchtigten ersten Frühlings-Sonnenstrahlen im Februar...sie lassen dich Dinge tun, die dir normalerweise nicht im Traum in den Sinn kommen. Der eine schrubbt seinen Balkon, der andere loggt sich bei Parship ein und nochmal andere vergessen für einen Tag ihre musikalischen Präferenzen, um urplötzlich emotional-atmosphärischem Post-Hardcore zu lauschen. Glück für die Queen, denn wenn dem nicht so wäre, wäre "Delicate", die zweite EP der 2018 gegründeten UK-Formation LASTELLE, höchstwahrscheinlich auf dem Promo-Grabbeltisch des Stormbringer-Lofts verendet.

Und das wäre tatsächlich einer glatten Verschwendung gleichgekommen, denn diese sechsteilige Gefühlswallung sollte man gehört haben. Wenn es um Hardcore geht, zähle ich sonst in erster Linie die alte Schule raubeiniger New Yorker oder ihrer geistigen Brüder aus L.A. zu meinen Baustellen. Metalcore oder gar Subgenres mit "Post" im Namen waren für mich bisweilen eher ein rotes Tuch. Und gerade vor diesem Hintergrund finde ich es bemerkenswert, dass es die Jungs aus Oxford geschafft haben, mich mit diesen wenigen Tracks auf ihre Seite zu ziehen. Das Duett aus Screams und Klargesang und die aus Schmerz geborenen Lyrics sind für sich gesehen normale Genrekost, doch die eigentliche Stärke der Band und ihrer Kunst steckt im Vortrag. Beide Sänger - Fronter Adam Rigozzi (Screams) und Drummer Mike Hayden (Cleanvocals) - verfügen über versierte Stimmbänder von angenehmen Frequenzgang, die sich zu einem emotional aufgeladenen Wechselbad ergänzen.

Besonders bei den Screams bekommt man den Eindruck, dass die herausgeschrienen Zeilen zu 100% aus der Gefühlswelt des Sängers herausbrechen...dass man die von ihm ausgehenden Wellen spüren und mitschwingen kann. Ein Großteil der einnehmenden Atmosphäre geht auf die melancholisch-verträumte Gitarrenarbeit zurück, die ich so nur von wenigen Bands kenne. Die Songs selbst zeugen von gutem Songwriting. Die ersten Tracks sind eingängig, solide komponiert und miteinander auf Augenhöhe, doch der musikalische wie emotionale Höhepunkt kommt auf Platz vier: "Departure", ein Lied über den Verlust eines geliebten Menschen, lässt die Anspannung bis zum Siedepunkt ansteigen und geht unter die Haut wie ein rot glühendes Rasiermesser. Die Melodien, der hypnotische Refrain, die erdrückende Trauer...wer sich von diesem Schwergewicht nicht mitreißen lässt, der ist entweder eine Korkeiche oder Chuck Norris. Das kann selbst der balladeske Rausschmeißer "A Letter Unread" nicht mehr toppen.

Für ihre zweite EP liefern LASTELLE damit ein sehr aufgeladenes und überzeugendes Stück Musik ab. Für ausgewachsene Szenegänger dürfte der gefühlsechte Post-Ox-Core sowieso zum Pflichtprogramm im Newcomer-Bereich zählen, doch auch emotional unterkühlte Dickbrettbohrer sollten zur Abwechslung einen Hörer riskieren. Und wenn ich als überwiegender Tellerrandverweigerer das sage, hat es was zu bedeuten. Weiter so!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (23.02.2021)

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