WITHERFALL - Curse Of Autumn

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VÖ: 05.03.2021
Bandinfo: WITHERFALL
Genre: Progressive Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

WITHERFALL mit ihrem dritten Album, geändert hat sich nicht viel. Was gut war ist und bleibt gut im Hause der Kalifornier. Marco Minnemann sprang für Gergo Borlai ein, der Drummer weilte im spanischen Ausland und konnte eingedenk der gegenwärtigen Seuche nicht für die Aufnahmen in die Staaten fliegen. Dass das Album "Curse Of Autumn" vom verhaltensoriginellen Jon Schaffer produziert worden ist, ist mindestens eine Erwähnung wert, wes Geistes Kind der einstige Metallgott ist, wissen wir inzwischen alle, in einem Interview zeigten sich WITHERFALL schon einigermaßen entrüstet. Blöde Geschichte, wenn der Produzent des aktuellen Albums plötzlich die Regierung stürmt.

Be that as it may, WITHERFALLs Neues hat einen mächtigen Sound bekommen, aber das ist nichts wirklich Erstaunliches bei einer Band, bei der so ziemlich alles stimmt. Sie klingen immer wieder ein wenig nach NEVERMORE, eine Band die ich schmerzlich vermisse. Technisch steht man den Prog-Metal-Göttern aus Seattle um nichts nach, wer sich als Aushilfe einen menschlichen Oktopus wie Marco Minnemann gönnen kann hat schon einmal gewonnen. Der deutsche Ausnahmedrummer ist für sein Können auf dem Album erstaunlich songdienlich unterwegs, für Fans gibt es aber auf jeden Fall genügend Futter, um im Proberaum zu verzweifeln. 

Es hat sich nicht viel verändert im Hause WITHERFALL seit dem letzten Album, gut, man hat das Konzept der beiden Vorgänger erledigt, der tragische Tod des Drummers Adam Sagan ist zumindest veröffentlichungstechnisch verarbeitet ("falling feels just like flying - all my pain melts away"). Diesmal bewegt man sich zwischen Wut und Aggression, beziehungsweise der Verarbeitung dieser toxischen Gefühlszustände. Musikalisch natürlich auf allerhöchstem Level reitend, pflügen die Amis zwischen schnellem, technischen Thrash und beinahe CRIMSON GLORY-artigem US-Metal. Der Gesang ist noch immer mindestens gedoppelt, was dem Können von Joseph Michael nichts nimmt, ab und an aber noch immer etwas hektisch klingt. Die Höhen in seinem Gesang sind nach wie vor Geschmacksache, rein technisch ist das natürlich klinisch rein, bisweilen ist es für mich ein klein wenig zu viel. 

Mit "As I Lie Awake" folgt gleich an dritter Stelle der Hit des Albums. Hier gibt man sich etwas gezügelter, auch wenn Mr. Dryers Solo für Entsetzen in den Proberäumen vieler Gitarristen sorgen wird. Das diese überbordende Musikalität von jedem Mitglied der Band paritätisch getragen wird, ist Fans von WITHERFALL schon vorab klar, es ist aber immer wieder großartig, wenn man zum Beispiel den Bass nahezu gleichrangig hören kann und selbiger nicht nur zum Frequenzabdecken gebraucht wird.

Großartiger Chorus beim kontemplativen "Another Face". 

Mit "Tempest" bewegen wir uns erstmals im Mutterschiffterrain, die Prog-Schraube wird deftig angedreht, schöne Akustikgitarren begleiten uns hin zu flirrenden Gitarren. Melodisch in der Strophe, die Gitarren hart in selbiger, zeigen ordentlich melodisch Vocals den Weg hin zum verhältnismäßig ruhigen Refrain. Der darauffolgende Instrumentalpart grätscht irgendwo zwischen DREAM THEATER und leichten Djenteinflüssen herum. Wieder Material um seinen Musiklehrer in den Ruhestand zu zwingen. 

Der Titelsong folgt, ein akustisches Zwischenspiel, das griffig betitelte "The Unyielding Grip Of Each Passing Day" tritt unfreundlich mit groben Gitarren die Tür ein und entpuppt sich in nicht ganz drei Minuten als Nummer, die das gesamte Können der Band frisch präsentiert.

In NEVERMORE-Gefilden badet "The Other Side Of Fear" und erinnert daran, welche große Band das war. Rest In Power, Warrel. "The River" ist ein halbakustisches, halb episches Werk, welches mit großem Refrain den Weg frei macht für die folgende viertel Stunde des Wahnsinns: "...And They All Blew Away". Wie nicht anders bei solchen Überseefregatten wird hier alles aufs Deck geholt, was die Band vorzuweisen hat. Das Songwriting ist glücklicherweise so zwingend, dass es nie langweilig wird. Das schaffen etabliertere Bands schon lange nicht mehr. Chapeau!

Mit "Long Time" geht es ruhig aus einem erneut starken Werk der Westküstenjungs von WITHERFALL. Zwischen eingängig-epischem Mitsingsongwriting und nervös-zitternder Hochtechnik vermag es die Band, wieder einmal auf allen Kesseln Druck zu geben. Nicht unbedingt eine entspannende Scheibe für den Feierabend, aber Prog/Tech-Freunde werden hier jedenfalls jubeln.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (08.03.2021)

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