SIRENIA - Riddles, Ruins & Revelations

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VÖ: 12.02.2021
Bandinfo: SIRENIA
Genre: Gothic Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

SIRENIA haben in den letzten Jahren einen kleinen Wandel vollzogen und es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass die Jungs und das Mädel um Sängerin Emmanuelle Zoldan ihr Soundkonstrukt in eine neue Richtung lenken. Gemixt und gemastered wurde das neue Werk "Riddles, Ruins & Revelations" im hauseigenen Studio von Morten Veland. Tatsächlich war in der Zwischenzeit weder die Position an den Drums noch an der Gitarre vakant, sodass wir uns womöglich auf ein stabiles Lineup freuen können? Die Zeit wird es zeigen. 

Musikalisch werden die Veränderungen schon mit dem Opener "Addiction No. 1" deutlich, das mit einem relativ wirren Soundkonstrukt beginnt. Der Sound als solches wirkt nochmal eine Ecke moderner als auf den vorangegangenen Alben, während die Gothic Parts und die Chöre deutlich zurückgefahren wurden. Ich nehme hier durchaus poppige Vibes wahr, wo SIRENIA glücklicherweise ein guter Spagat gelingt, sodass sie nicht zu sehr in die 08/15 Gefilde von AMARANTHE abdriften. Schon das letzte Werk "Arcane Astral Aeons" hat diese Richtung angestrebt, blieb insgesamt aber doch etwas zurückhaltender. Schön ist hier, dass nach wie vor eine gute Symbiose aus Melodie und Härte vorherrscht. Gerade der Mittelteil zeigt das sehr gut auf mit seinen wummernden Gitarren, die dann fließend in ein sehr harmonisches Solo übergehen. Der zweite Track "Towards An Early Grave" verdeutlicht ganz gut, warum SIRENIA uns später mit einem Cover zu "Voyage, Voyage" von DESIRELESS überraschen, denn gerade die Keys weisen durchaus Parallelen auf. Ansonsten ist es ein insgesamt eher gemächlicher Track, der wenige Überraschungsmomente aufweist, dafür aber wiederum ein paar nette Tempowechsel in einem spannenden Rhythmuskonstrukt. "Into Infinity" verschreibt sich fast vollends den modernen Sounds des Metals und springt mit Anlauf in Richtung der poppigen Anleihen. Wie bereits eingangs erwähnt, ist das Ganze aber charmant verpackt worden und die Leads im ohrwurmlastigen Chorus sind ein absoluter Genuss für die Ohren. Mein Favorit ist aber definitiv das Duett zwischen Emmanuelle und Joakim Næss in "The Downward Spiral". Der gute Mann war schon auf ein paar SIRENIA Platten zu hören und auch hier ist er eine wunderbare Addition, die in Kombination mit Emmanuelle die Hütte abreißt im emotional angehauchten Chorus. Sehr intensives Stück, das völlig zurecht viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. "We Come To Ruins" gehört wiederum zu den härteren Stücken des Albums, drückt auch ganz gut auf die Tube und integriert Mastermind Morten Veland mit seinen unverkennbaren Growls, ehe er in "Beneath The Midnight Sun" gleich die ganzen Strophen für sich vereinnahmt, während Emmanuelle die starke Hook umschmücken darf. "December Snow" hat einen schönen melancholischen Sound inne, verliert sich zwischendurch aber zu sehr im Gedudel der eigenen Melodie. Hier wäre weniger mehr gewesen. Der Cover Song zu "Voyage, Voyage" wurde gen Ende toll inszeniert und bietet sowohl das Charisma des Originals als eben auch die vibes, die SIRENIA anno 2021 verkörpern.

"Riddles, Ruins & Revelations" ist ein sehr rundes Werk geworden, das viele virtuose Synthies integriert, die die fulminanten Chöre der Vergangenheit zu verdrängen scheinen. Bedaure ich das? Hier und da bestimmt, aber andererseits wird das Ganze eben auch gekonnt in Szene gesetzt, ohne den Grundsound der Band völlig zu vernachlässigen. Eine Mischung aus beidem hätte mir sicherlich noch mehr zugesagt, aber man kann nicht alles haben! Die hauseigene Produktion aus dem Hause Veland könnte an manchen Stellen etwas mehr Druck und Feinjustierung vertragen, da die zahlreichen Elemente sich zeitweise gegenseitig egalisieren, aber das tut dem insgesamt wirklich starken Album auch keinen Abbruch.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (02.03.2021)

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