WOLVENNEST - Temple

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VÖ: 05.03.2021
Bandinfo: WOLVENNEST
Genre: Psychedelic Rock
Label: Van Records
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Lineup  |  Trackliste

Ich möchte an dieser Stelle einfach mal ein offizielles und aufrichtiges Lob an Ván Records entrichten, denn ein solches ist aus verschiedenen Gründen längst überfällig. Gingen wir beispielsweise hypothetisch davon aus, dass das westfälische Label im Jahr zehn Werke veröffentlicht, bestelle ich also mindestens acht davon blind vor, weil ich Sven Dinninghoff und seinem Kollegium blind vertraue. Dieses blinde Vertrauen wurde übrigens auch noch nie enttäuscht, womit wir auch schon bei der geschmackvollen und qualitativ hochwertigen Umsetzung der Tonträger wären, die natürlich auch ein unschlagbares Argument sind, wenn man sich Gedanken darüber macht, wo das eigene Geld am besten angelegt ist. Nennt mich gerne einen Fanboy, aber ich persönlich kenne kein anderes deutsches Label für dunkle Künste, das mich wieder und wieder und wieder auf allen erdenklichen Ebenen begeistert. Woher Ván Records dabei das Gespür für fantastische Künstler nehmen, kann ich selbstverständlich nur mutmaßen, aber mit WOLVENNEST hat man nun seit geraumer Zeit ein Kollektiv an sich gebunden, dessen psychedelischen Black Metal man auch wie eine Ván-Records-Allstar-Kollaboration auffassen könnte. Das neue Album "Temple" ist der vorübergehende Höhepunkt dessen.

Was möchte ich damit andeuten? Dass die Belgier auch das Geistesprodukt (geläufiger dürfte das englische Wort Brainchild sein) einer wahnsinnigen Halluzinogen-Party mit URFAUST, (DOLCH) und THE DEVIL'S BLOOD sein könnten. Der Absud dieser Session ist nichts für nichts für hyperaktive Konsumenten des Spotify-Zeitalters, deren Auffassungsgabe bereits bei vierminütigen Songs an die Grenze ihres Wirkens gelangt. WOLVENNEST begehen in jedem der insgesamt acht Stücke den Ambient, das Intro und das Outro feierlich, schweben berauscht und leichtfüßig durch 77 Minuten Spielzeit. Dabei verliert man auch mal den Faden (im rein instrumentalen "Alecto" beispielsweise), doch ein Gros unterhält mit der Stimmung eines verdrogten Rituals inmitten eines völlig vernebelten Tempels prächtig, wohingegen das passend betitelte "Disappear" den Geist aus dem materiellen Körper gen Kosmos begleitet und das abschließende "Souffle de Mort" die bösen, närrisch durch das Gewölbe tanzenden Schemen mit schrillen Tönen und drohendem Sprechgesang verjagt.

Ein vollendeter Meilenstein ist WOLVENNEST auch mit "Temple" nicht gelungen, doch wurde das Potenzial, das sich bereits auf dem Debütalbum "Void" überall andeutete, effizienter und auch qualitativer genutzt. Hatte ich beim Vorgänger noch zahlreiche Sampler-Vibes, ist "Temple" von der Vision bis hin zur Ausführung inklusive Artwork wesentlich kohärenter und projiziert ein sehr lebendiges Bild hinter die Schädeldecke, das das Album trägt. Was zunächst so scheint, als wäre es ein stoisch-repetitiver Koloss, offenbart nach und nach neue Details in der Leadgitarre oder auch beim Keyboard, die eine atmosphärische Tiefe in einen Tempel bringen, in den man schlussendlich immer wieder gerne zurückkehrt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (02.03.2021)

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