RIVERSIDE - Lost'n'Found - Live in Tilburg

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VÖ: 11.12.2020
Bandinfo: RIVERSIDE
Genre: Progressive Rock
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

Ja, was soll über dieses Live-Album geschrieben werden? Am besten gar nichts. Hören sie selbst. „Lost`n`Found“ ist gut, es ist sehr gut. Die Tontechniker haben ganze Arbeit geleistet. Jedes Instrument ist ideal abgestimmt. Marandjosef, der Klang der Gitarre ich will jetzt sofort eine PRS Santana-Model. Fix, oida.

Na gut, dann halt ein Review.

Das Zusammenspiel der vier Protagonisten von RIVERSIDE ist schwer zu erklären bzw. eigentlich nicht. Mariusz Duda ist nicht der stärkste Sänger. Das Live-Album ist nicht sehr reich an echten Krachern, andererseits ist hier alles stimmig. Der Schlagzeuger spielt wunderbar unaufgeregt auf den Punkt. Das Keyboard passt bei RIVERSIDE im Gegensatz zu einer Heerschar anderer Bands unerhört ins Konzept, in einigen Liedern, dazu kommen wir noch, trägt der Pianist, Jacek Melnicki, das Lied gar in lichte Höhen.  

2015 wurde das Album bereits reglementiert rausgehauen. Leider erlag der wunderbare Gitarrist Piotr Grudziński am 21. Februar 2016 einem Herzversagen. Vergleiche mit David Gilmour, bei dem jeder Ton so gespielt wird, als wäre es sein letzter, müssen hier sein. Schöne Grüße, Yngwie Malmsteen. Das beherzte, eher reduzierte Gitarrenspiel von Grudziński rundete den wohligen Sound von RIVERSIDE ab.

„Lost“: Das Intro, nicht die einfachste Wahl, bei Metallica „The Extasy of Gold“, 100 Prozent auf meiner Linie. Ennio Morricone, wow. Ungesehen bahnt sich die Quelle ihren Weg, um fast unbemerkt zu Tage zu glucksen. Nicht das einflussreichste Lied, aber wir sind RIVERSIDE baldigst gewogen. Wer eine Brücke ins Niemandsland, besser gesagt nach „Neverland“, sucht, gräbt in unserem Unterbewusstsein.

„Feel Like Falling“: Weiter plätschert es dahin. Ein wenig verbreitert sich das Bächlein. Nein, keine Wasserfälle voraus.

„Hyperactive“: Hier schwillt es an. Stromschnellen, die auf rhythmische Tücken deuten, es hört sich so an, als wüsste der Song selbst nicht, wohin er denn eigentlich will. Alles dreht sich, doch ab der Mitte ist es klar, geschwinde zu Tale. Der sehr gute Schlagzeuger schlägt die Trommel. Rudert. Schneller. Mann.

„Panic Room“: Dieses Intro lässt die Wasser gegen eine Insel branden. Das Wah Wah: I pick up all the pieces and make an island. Es ist eine Hommage an Jimi Hendrix` "Voodoo Child". Der Gesang von Mariusz Duda findet seine Geltung.

„Under the Pillow“, „The Dept of Self-Delusion“, „Saturate me“, „Egoist Hedonist“, umschiffen wir, obwohl, die rhythmische und instrumentale Komplexität, die Vermischung der Ströme, die im Gegensatz zum dem sehr zurückhaltenden Gesang wogt, sei dann doch erwähnt.

„We got used to us“: Weniger ist mehr ist oft das Credo großer Song-Schreiber: Ja, Dylan, U2, REM, etc. „We got used to us“, von Prog keine Spur, und gerade dieses Lied ist meiner Meinung der unabdingbare Höhepunkt dieser Live-Scheibe. Das Keyboard trägt das Lied, es dauert exakt zwei Minuten bis der Rest der Matrosen instrumental in See sticht. Die Mannschaft ist eine eingespielte, es wurde jedem Sturm, jeder Sirene, jedem Ungeheuer getrotzt. Jeder Handgriff sitzt. Der Klang dieser PRS, Kinder sollten das als kleine Nachtmusik zum Einschlafen hören. Piotr Grudziński, Gott hab ihn selig.



„Escalator Shrine“, eskaliert in einer Delta-Mündung jenseits der 15 Minuten. Meer voraus.

„The same River“: Hier wird einem wieder die seltsame Rhythmik gewahr, die sich generell durch RIVERDALE schlängelt. Die gesamte Anmut dieser Band wird vor dem Finale Furioso in einem Glitzern und Strahlen erfrischender Gewässer preisgegeben und in fast 13 Minuten gepackt. Ex-Aequo mit „We got used to us“ das mitreißendste Lied.



Found: Was haben wir gefunden? Der Horizont tut sich auf, die Sonne streift die Querline des Meeres, es ist Schönheit und Schlichtheit, ein ästhetischer Abschluss.

Fazit: Wir sitzen auf dem Ufer, die Füße im warmen Sand vergraben und lauschen gefälligem Rauschen. Alles gesagt.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (04.03.2021)

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