MUSTAN KUUN LAPSET - Kruunu

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VÖ: 26.02.2021
Bandinfo: MUSTAN KUUN LAPSET
Genre: Dark Rock
Label: Inverse Records
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Lineup  |  Trackliste

Der Frühling naht und wie jedes Jahr sorgt er für sonderbare Verhaltensweisen unter den Bewohnern unserer frisch aufgetauten Erde. Das Grün der Wiesen überwindet die mindestens einwöchige Schneedecken-Tyrannei, die Blümlein blümeln, die Vögel... singen und MUSTAN KUUN LAPSET, die wahrscheinlich romantischste und vielleicht knuffigste Band im finnischen Zirkus, entsagt aus heiterem Himmel ihrer heißgeliebten Stromgitarre.

"Kruunu", das siebte Album des Quartetts, besteht komplett aus akustischen Songs - diese wurden zum Teil den jüngeren Alben der Truppe entliehen und teils neu geschrieben. Zur Umsetzung dieses ungewöhnlichen Projekts heuerten die Finnen eine lange Liste von Gast- und Sessionmusikern an, die neben ihrem Gesang eine Reihe "neuer" Instrumente beisteuern, darunter Violine, Ukulele und Horn. Die neu eingespielten Stücke rangieren mal nah ("Ikaros", "Aaria") am Original und mal weit entfernt am Rande der Neukomposition ("Peikonmieli") und schaffen es, den vertrauten Charakter der Band zu konservieren. Die neuen Stücke reihen sich nahtlos in den akustischen Kosmos der neu interpretierten Stücke ein und ergeben damit ein schlüssiges Bild.

Die musikalische Umsetzung ist gut. Auch Wirkung und emotionale Tiefe sind in fast jedem Song vorhanden, doch leider schaffen es nicht alle davon, ihre Attribute vom Anfang bis zum Ende auszuspielen. Denn das berüchtigte Feintuning zwischen emotionaler Kaperfahrt und Kitsch, das mir schon beim Vorgänger "Valo" zuweilen Probleme bereitete, zieht sich auch wie ein roter Faden durch "Kruunu". Zu "Ikaros" und "Aaria" kann man sich als Hörer noch bedenkenlos fallen lassen; diese Stücke sind gut transformiert und spannend dargeboten (auch wenn ich zugeben muss, dass mir in der Akustikversion von "Ikaros" ein wenig der Kontrast und Biss des Originals fehlen). Doch an zahlreichen Stellen der Platte - und da beziehe ich auch die neuen Stücke mit ein - ist das Bild in dieser Hinsicht differenzierter... Differenzierter in der Art, dass man bei manchen Tracks von einem Moment der Verzückung in einen Moment der Flucht übergehen könnte, z.B. in "Kosketus Pohjaan" oder "La Última Playa Del Corazón" (was die Anwandlung von südländischem Paarungstanz im Kosmos einer finnischen Metalband zu suchen hat, erschließt sich mir nicht so recht - aber es sei ihnen gegönnt).

So bleibt bei dem ambitionierten und zumindest streckenweise gut umgesetzten Projekt "Kruunu" am Ende ein fader Beigeschmack. Manchmal laden die verträumten Melodien zum Verweilen ein, hin und wieder entfacht die vertonte Melancholie ein kleines emotionales Feuer... und ein anderes Mal zieht man es stattdessen vor, den Kopf in den Sand zu stecken oder der metallischen Originalfassung den Vortritt zu lassen. Belassen wir es dabei, dass das singuläre Vorhaben "Kruunu" vermutlich als solches angesehen werden darf und bleiben gespannt auf den nächsten, hoffentlich wieder lauten Nachfolger.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (11.03.2021)

WERBUNG: Hard
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