SEPULCROS - Vazio

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VÖ: 12.03.2021
Bandinfo: SEPULCROS
Genre: Death/Doom Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Unter dem Banner SEPULCROS geht dieses Jahr ein neuer Platzanwärter in der Kategorie "abgefahrenes, niedertouriges Gerumpel, das normale Menschen gelegentlich mit defekten Baumaschinen verwechseln" an den Start. Und damit sind sie beim Verfasser und Lesern der beliebten Jazz'schen "Funeral-Doom-Reise" genau an der richtigen Adresse. Ein Übermaß an Ordnung, Rhythmik und Melodie ist neuesten Studien der YouTube-Universität zufolge nachweislich schädlich und sorgt nur für unnötigen Frohsinn und inneren Frieden. Wer all dem entsagen will und stattdessen mal wieder eine tiefe Einfahrt in die Abgründe des eigenen Bewusstseins unternehmen möchte, der möge weiter hier entlang lesen.

Stilistisch stehen die Portugiesen auf einer Höhe mit ihren Labelkollegen JUPITERIAN, SUBTERRAEN und EREMIT. Sie spielen eine von zahlreichen extremen Strömungen durchzogene Interpretation des Doom Metal und bevorzugen ausgedehnte Stücke von acht bis neun Minuten. Abzüglich Intro und Outro bietet SEPULCROS' Debüt "Vazio" vier dieser schweren Brocken - gepaart mit erdrückender Melancholie von kontinentalem Gewicht und mystischer, an Trancezustände grenzender Passion. Die Tracks sind kontrastreich und reichen von kargen, dystopischen Klanglandschaften in schleppendem Tempo über basslastig stampfende Passagen bis hin zu wütenden Blast-Eruptionen, die den Black Metal stellenweise klar über das musikalische Geschehen dominieren lassen. Und wenn diese rumpelnde Maschinerie erst richtig loslegt, quillt Bandsalat aus dem MP3-Player und der benachbarte Steinbruch klopft im Akkord Überstunden.

Die düstere Atmosphärik von SEPULCROS' Kompositionen ist schwer zugänglich, doch zugleich imposant und hypnotisch. Und wären sie nicht von Zeit zu Zeit ein wenig labyrinthös und repetitiv, gäbe es bereits im ersten Anlauf nicht viel daran auszusetzen. Im Titelsong "Vazio" bspw. sind die Blastpassagen von rumpeliger Natur, in "Marcha Funebre" (Anspieltipp!) wirken sie geradliniger und die erhabenen Leads machen den Song an sich majestätischer. Damit erhalten zumindest diese beiden Stücke einen eigenen Charakter. Doch die Grundzutaten und Abfolgen bleiben ähnlich, weswegen man schon in "Magno Caos" und "Hecatombe" vermehrt Retrospektiven auf die ersten beiden regulären Tracks vorfindet.

Ein wenig mehr Abwechslung und "out-of-the-box-Songwriting" hätte "Vazio" folglich gut getan, denn spätestens nach den ersten beiden (und durchaus gelungenen) Zähfließern nutzt sich das Grundrezept der Platte allmählich ab. Was man den Portugiesen im Gegenzug zu Gute halten muss, ist dass dies unterm Strich der einzig belastbare Kritikpunkt bleibt. Denn abgesehen von den beschrieben Déjà-vu-Effekten in der zweiten Hälfte liefern SEPULCROS ein sehr überzeugendes und von Wachstumspotenzial zeugendes Debüt.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (09.03.2021)

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