BLOODY HELL - The Bloodening

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VÖ: 30.04.2021
Bandinfo: BLOODY HELL
Genre: Heavy Metal
Label: Rockshots Records
Lineup  |  Trackliste

Hier muss es jetzt mal schnell gehen. Es gibt so viele Veröffentlichungen, Monat für Monat, dass man als Rezensent eigentlich keine ellenlangen Reviews schreiben kann. Stattdessen sollte man die Zeit besser für eine andere Band verwenden und sie den Lesern vorstellen. Insbesondere unbekanntere Bands aus dem Underground, also ohne große Plattenfirma im Rücken, freuen sich, wenn sie überhaupt erwähnt werden. Das wird wohl auch bei den Finnen BLOODY HELL der Fall sein, die nur wenigen ein Begriff sein werden. 2000 in Helsinki gegründet, 2015 ein erstes Album veröffentlicht und ein paar Touren in Finnland und Russland stehen in der Bandbio. Dazu die goldige Selbstbeschreibung: „Bloody Hell is about 20 years old Finnish Heavy Metal band. Angry young men become grumpy old men, but that doesn’t stop them from playing Heavy Metal.“ Ferner versprechen sie „fashion free, bullshit free Heavy Metal music“.

Und tatsächlich ist das eine ziemlich gute Umschreibung. BLOODY HELL zocken klassischen Heavy Metal, wie man ihn zum Beispiel von ACCEPT, SAXON, SINNER, alte GRAVE DIGGER oder JAG PANZER kennt. Also durchaus mit ordentlich Punch, aber immer stehen Melodien im Zentrum der Songs. Und wie bei den genannten Bands merkt man, dass die Finnen Spaß an ihrer Musik haben. Das klingt auch dank der guten, erdigen Produktion alles andere als altbacken, sondern frisch, fröhlich, frei. Den besonderen Anstrich verpasst Sänger Marko Skou mit seiner Stimmfarbe und dem manchmal etwas kauzig durchschimmernden Finnen-Akzent.

Die Gitarrenriffs, Licks und Solo kommen einem zwar irgendwie meist recht bekannt vor, das macht aber nicht wirklich was aus: sie machen dennoch Spaß. Wenn man auf oldschool beziehungsweise klassischen Heavy Metal steht. So etwa beim nach vorn donnernden Opener, bei „In The Night We Burn“ (ja, hochgeistige Lyrik ist hier nicht angesagt, ganz richtig, dafür sind sie leicht verständlich, aber auch nicht völlig klischeetriefend und gelegentlich augenzwinkernd amüsant) oder dem rockig-flotten „Burn Witch Burn“. Letztgenanntes hottet einfach gut ab und gefällt unter anderem dadurch, dass die Band nicht alles mit Gitarren zubrät, sondern auch den Mut zur Lücke hat und rein akustische Phasen einbaut, wodurch ein Mehr an Dynamik in den Song hineinkommt, wenn die Gitarren wieder loslegen. Dazu haben die Finnen ein Händchen für Ohrwurm-Melodien. So auch beim stark an ACCEPT erinnernden „The Undertaker“. Der Vergleich drängt sich nicht nur wegen des Titels auf. Auch hier zeigen BLOODY HELL, dass sie ihre Songs nicht nur nach Schnittmuster 08/15 schreiben, sondern immer wieder Brüche, Zwischenspiele und Tempovariationen gekonnt einweben. Und die Bridge („At the nightfall, she dances on your grave [...]“) ist einfach ein Ohrenschmalzdreher. Fein, fein!

Daneben ging hingegen der Midtempo-Song „Murders She Wrote“, wo einem der Gesang die Fußnägel hochklappen lässt. Nur ein Ausrutscher? „Midnight Man“ galoppiert nach einem kurzen ruhigen Anfang auf und davon und kann erneut hauptsächlich wegen des etwas schiefen Gesangs nicht überzeugen. Das setzt sich leider fort: Auch „Long Road To Hell“ hat an sich ganz nette Gitarrenlicks, aber was da am Mikro fabriziert wird, ist echt alles andere als geil. Nach diesen Nieten muss jetzt nochmal was Gutes kommen. Und so ist es auch: „Bite“ ist eine traditionelle Up-Tempo-Nummer mit schön rockigem Vibe sowie einer verschrobenen Textidee: Die ersten Verse handeln von einem weißen Hai, dann drehen sich die Lyrics um Dracula und schließlich um einen Zahnarzt aus dem Mittelalter. Generell zeigt sich in den Texten immer wieder der besondere Humor der Band: Der abschließende und längste Track „Kiesma (The Museum of Modern Arts)“ , ein episch-elegischer Rausschmeißer, handelt von dem Kunstmuseum Kiasma in Helsinki. Nach eigenen Angaben hat die Band den Namen absichtlich falsch geschrieben, damit der Song auffällt und die Texte ergebe wie bei moderner Kunst keinen Sinn.

Fans der oben genannten Bands sollten dieser Underground-Band unbedingt ein Ohr leihen und bestenfalls mehr als nur einen Durchgang. Als Anspieltipp seien „The Undertaker“, „In The Night We Burn“ und „Burn Witch Burn“ empfohlen. Mit Ausnahme von drei Songs, die ziemlich in die Hose gingen, eignet sich auch der Rest für eine zünftige Oldschool-Metal-Party (sofern man denn eine feiern könnte). Dank der guten Produktion und dem hörbaren Spaß an der Sache sorgen BLOODY HELL aber ganz sicher auch beim pandemie-isolierten Metaler für eine gute Zeit.

(War jetzt doch kein so schnelles Review wie beabsichtigt. Na, vielleicht klappt´s ja beim nächsten Mal.)

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Tobias (01.04.2021)

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