ALVAREZ - Digitaria

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VÖ: 08.01.2021
Bandinfo: ALVAREZ
Genre: Doom Metal
Label: Plague Demon Records
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Lineup  |  Trackliste

Hossa! Da ist doch das ALVAREZ-Debut „Hadad“ glatt bei uns durchs Raster geplumpst – wie konnte so etwas nur passieren?! [Requisiiiiiite!? Ich kann so nicht arbeiten!] Schön und beruhigend, dass knapp ein Jahr danach der Nachfolger „Digitaria“ in den Startlöchern steht. Bereits beim eröffnenden Titeltrack wird klar: Hier hat jemand ganz viel am Vorankommen seiner Band gearbeitet, versucht, neue Ideen einzubringen und alles dafür getan, dass die Combo musikalisch nicht am Stand tritt. Die Riffs sind etwas ausgefeilter, die Rhythmen sind ein wenig gefinkelter platziert – auch wenn das vielleicht nur ein Freak wie ich hören mag und sich das meiste immer noch im SloMo-Bereich bewegt. Das Songwriting wagt sich aus der Doom-Nische, in die man sich ursprünglich eingekuschelt hat, hervor und liebäugelt diesmal viel mehr mit dem Death Metal, rudimentär, urwüchsig, und gerade deswegen auf den Punkt. Statt Materialschlachten und überproduziertem Disney-Sound gibt’s derbe auf die Mütze, denn bei ALVAREZ dreht sich alles um den Song an sich, und dieser soll in sich schlüssig wirken.

Insgesamt tönen die zehn Songs also runder und auch ungezwungener aus den Boxen als auf dem – ebenfalls schon recht amtlichen - Erstling. Die Band schafft es auch, zwischen den Zeilen immer mit einem gewissen Augenzwinkern zu agieren. Thematisch geht es, wie auch schon auf „Hadad“, um ägyptisch eingefärbte Mythologie, kompakt vorgetragen von Peter Böhms songdienlicher, aber immer noch extrem derber Growl-Stimme, die zu keinem Zeitpunkt nervt – wie so viele Stimmen in diesem Genre. Der ehemalige DARKSIDE-Musiker ist auch für das Songwritings verantwortlich, und gerade Tracks wie das bedrohliche „Secret Star Of Isis“ (siehe Video unten) oder der achtminütige Finster-Monolith „Black Light In The Dark“ zeigen, wie sehr das Trio sich weiterentwickelt hat und auch schon die eine oder andere eigene Duftnote mit seiner etwas schrägen, schrulligen, tiefschwarzen Doom-Death-Mixtur setzen kann.

Saiten-Wunderkind Jakub Plecho glänzt immer wieder mit pechschwarzen Riffs, die den Sound manchmal in die Nähe von TRIPTYKON rücken („Black Light In The Dark“), andernorts wiederum an CATHEDRAL gemahnen („Demonic Paradise“). Über Drum-Altvater Zdenek Pradlovsky (MASTER, SHAARK) muss man glaube ich nicht mehr viel der Worte verlieren, und Peter „Alvarez“ Böhm hält alle Fäden zusammen – und damit sind nicht nur die vier Saiten seiner Bassgitarre gemeint: Gesang, Konzept, Artwork und das Gros des Liedguts gehen auf seine Kappe, dennoch kann und darf man die Combo mittlerweile als solides Threepiece bezeichnen, von dem wir hoffentlich in Bälde auch einmal live hören werden. „Digitaria“ mag nicht unbedingt Musik sein, die den hartgesottenen Todesblei-Freund vom Hocker wirft, für überraschtes, freudiges Zungenschnalzen und spontanes Glücks-Headbanging sollte es aber allemal reichen, weil halt: geiles Teil, das. Ich denke, ALVAREZ sind absolut auf dem richtigen Weg!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (11.03.2021)

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