KONOM - Konom

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VÖ: 26.02.2021
Bandinfo: KONOM
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Da denkt man sich nichts Böses, grübelt über dies und das und okay, progressiv oder so sollte die neue Review schon sein, ja, das klingt nach was und flugs flattert einem KONOM in den Mail-Account. Die Erwartungshaltungen sind nicht sehr hoch, was die kommen aus Edinburgh, haha, Dudelsack-Prog, oder was soll das jetzt werden?  

Es wird aber einem schnell bewusst, dass es sich hier um fünf talentierte Musiker handelt, die, trotzdem es ihr Debut ist, kompositorisch und technisch ganz schön auf den Putz hauen. Okay, der Sound ist nicht der beste, ist kaum zu überhören, dass dieser Longplayer im Hinterhof mit Computern, Was-weiß-ich-wieviel-Spur-Geräten und anderem Schnickschnack aufgenommen wurde. Credo: Eigenproduktion. Unter diesen Umständen ist das Endprodukt höher einzuschätzen, als Bands, die mit einer Armada an Tontechnikern samt Equipment zu Tode umschlungen werden.

Ehrlich gesagt, konnte ich mich gar nicht satt hören an KONOM. Hm, wie haben sie das gemacht, oh, eine Bridge, hm, ah, der Sänger kann auch so. Mhm, mhm.

„A Welcome Change“: Wie es für eine Prog-Scheibe schottischer Pikten sein sollte, beginnt es interessant.  Man steht an der Mole beim Edinburgher Hafen, über dem Meer schwebt ein Nebelschleicher, die Spitzen der Segel lugen aus dem Aerosol und die Laute der Möwen durchschneiden die Stille. Einsatz. Ein sehr ambitionierter abwechslungsreicher Einstieg in den Erstling von KONOM. Das Keyboard trägt die Bridge, gut gemacht. Am Ende wird es etwas heavy.

„Birtounda“:  Guter Song, das Seitenspiel des Gitarristen, Dan White, erinnert einen ein wenig an den jungen Joe Satriani (Wer hat hier Übertreibung geflüstert, ich mach hier Werbung verdammt.) und das ist bekanntlich nicht die schlechteste Adresse bezüglich magischer Saitenschwingungen. Das Wechselspiel zwischen Hard `n`Heavy und sanften Klängen ist schön inszeniert.

„As THe Waters Rise“: Nicht das stärkste Lied der Platte trotz oder wegen der 9:33 Minuten. Die Lyrics heben es auf ein Podest, die Flut setzt ein, der Wasserpegel hebt sich.

„The Great Harvest – I. Epiphany“. Sehr gutes Intro, wobei sich Akustik-Gitarre und Keyboard ergänzen. Die Power-Chord-Passage hätte ein wenig Ambitionierter ausfallen können.

„The Great Harvest – II. Dilete My World“: Hier ist die anfängliche Klavierpassage unterstützt durch den Gesang von Arya Bobaie gelungen, die von mir aus länger andauern hätte können.

„The Great Harvest  - III. Mutating Light“: Die Anfangspassage mutet etwas unmotiviert an. Bis auf die gesangliche Darbietung kein Highlight.

„The Great Harvest – IV. Reflections“: Genehmigtes Bass lastiges Intro. Hier wird die Bandbreite gesanglicher Möglichkeiten des Sängers aufgezeigt.

„The Great Harvest – Heedless Breath“: Am Ende Power pur, ein echtes Ende. Klavier, der Schlussakkord, es ist vollbracht.

Wenn eine Band, die noch grün hinter den Ohren ist, wie die sanften Hügel der schottischen Highlands im Erstling eine fünfteilige Song-Kaskade raushaut, hat sie Großes vor, überschätzt sich selbst oder sie beherrscht zumindest fortgeschrittene Kenntnisse in Naturmagie. Meinen Erfahrungen zufolge müsste letzteres zutreffen.

Fazit: Überraschend gutes Debut mit einigen Abstrichen, wofür aber der Band nicht die Rute ins Fenster gestellt werden kann. Der Sound ist so, na ja, die Gitarre klingt, als würde sie aus einer abgenutzten Juke-Box einer Hafenspelunke wummern. Innenleben Transistor, viele Transistoren. Echte Streicher statt elektronischen, damit wäre uns wohlig warm geworden. Eine ordentliche Produktion und diese Scheibe, ähm, dieses Digital-Extrakt, wäre eine der Überraschungen des Jahres geworden.  

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (09.03.2021)

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