ORDEN OGAN - Final Days

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VÖ: 12.03.2021
Bandinfo: ORDEN OGAN
Genre: Melodic Power Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

ORDEN OGAN - die Sechste (wenn man "Vale" und nicht "Testimonium A.D." als offizielles Debütalbum ansieht.) Immer wenn ich an die sympathische Herrenrunde aus NRW denke, gehen mir als erstes drei Dinge durch den Kopf:

1. Der von der ersten bis zur letzten (meint "Gunmen") Scheibe stetig ansteigende Qualitätslevel des musikalischen Outputs der schon immer leicht zum Bombast neigenden Power Metaller. 2. Vier ganz spezielle All Time Faves aus verschiedenen Schaffensperioden der Band und 3. dass ich die Nachricht erst einmal verdauen musste, dass Langzeitgitarrist Tobias Kersting sich letztes Jahr bis auf Weiteres für eine Auszeit entschieden und somit doch ein nicht zu vernachlässigendes Loch ins Bandgefüge gerissen hatte.

Doch Seeb und die Truppe wären nicht Seeb und die Truppe, wenn sie nicht mit den personellen Herausforderungen sowie einigen Problemen während der Entstehung von "Final Days" fertig geworden wären, und zwar mit Bravour! Fronter Sebastian hatte sich 2018 den Daumen gebrochen und war somit nicht in der Lage, weiter die Sechs-Saiten-Axt zu schwingen. Ich erinnere mich aber noch gut an die kleine Foto-Session in der EMP BSC Area mit dem Bandchef und an den kurz vorher absolvierten Gig im Rahmen des damaligen SUMMER BREEZE OPEN AIRS, bei dem Seeb auch lediglich mit einem Mikro bewaffnet eine super Figur machte, während Band-Kollege Niels Löffler aus gegebenem Anlass vom Bass an die Gitarre wechselte (ein wohl insgeheim gehegter Wunsch von ihm) und diesen Posten bis heute inne hat. Als Ersatz für Tobi konnte man Patrick Sperling gewinnen, während der frei gewordene Posten am Bass von Steven Wussow übernommen wurde. Seeb ist mit dem aktuellen Line-Up sehr zufrieden. Und dass das Zusammenspiel der aktuellen Crew hervorragend funktioniert, hört man in jeder Sekunde des neuen Longplayers.

Wenn wir uns zu Beginn noch einmal kurz zurückhören in der musikalischen Historie ORDEN OGANs, so konnte man bereits der ersten, in Eigenregie 2004 veröffentlichten CD "Testimonium A.D." jede Menge vorhandenes Potential bescheinigen. Und dass die Band keine Eintagsfliege war, bewies man vier Jahre später mit dem, erstmals unter dem AFM-Banner erschienenen Zweitwerk "Vale" eindrucksvoll.

Spätestens ab hier zeigte die Entwicklungskurve von ORDEN OGAN nur noch in eine Richtung, nämlich beständig nach oben. "Easton Hope" mit dem Hit "The Black Heart" sowie dem Übersong (und bis heute meinem absoluten Lieblingstrack) "We Are Pirates!" festigte man den guten Ruf bei Fans und Presse. Der Nachfolger "To The End" galt dann für mich als nicht mehr zu toppende Steigerung. Kein Wunder bei Song-Granaten wie dem Titelstück, "Dying Paradise", "Land Of The Dead" und der zweiten All Time Hymne (nach "Pirates!") "The Things We Believe In"! 

Doch als wäre "To The End" nur eine weitere Fingerübung gewesen haute, der Orden 2015 mit "Ravenhead" einen Nachfolger raus, der sich gewaschen hatte! "A Reason To Give", "F.E.V.E.R.", das Titelstück, "Deaf Among The Blind" und der dritte meiner Fab-Four ORDEN OGAN Tracks, "Evil Lies In Every Man", "Ravenhead" hatte keinerlei Schwächen und legte die Messlatte ein weiteres Mal ein Stück höher.

Ein Problem für die bis zum aktuellen Longplayer letzte Veröffentlichung "Gunmen"? Mitnichten! "Fields Of Sorrow", "Gunman", "Forlorn And Forsaken", ich könnte wieder das gesamte Album aufzählen. Und auch auf "Gunmen" gab es wieder einen Übersong. Diesmal war es "Come With Me To The Other Side " ein Track, bei dem keine Geringere als Liv Kristine Sebastian am Mikro unterstützte und die beiden ein unglaubliches Duett erschufen, das neben dem typischen ORDEN ORGAN Spirit tatsächlich auch ein wenig den Geist des besten LEAVES' EYES Albums "Vinland Saga" verströmte.

Und nun beglückt uns das Quintett mit der neuen Scheibe "Final Days". Wollen wir mal NICHT hoffen, dass der Albumtitel eine Anspielung auf den Fortbestand von ORDEN OGAN ist, denn der wäre mit der aktuellen Veröffentlichung in qualitätstechnischer Hinsicht definitiv für die nächste Zeit eigentlich gesichert! Der Opener "Heart Of The Android" stürmt ohne Vorwarnung ab Sekunde Eins der Laufzeit furios und brachial aus den Boxen. Für mich ist das Stück auch direkt der beste Song des Albums, und ich würde "Final Days" allein wegen diesem Track 3,5 Punkte verleihen, selbst wenn die restlichen neun Stücke ausschließlich auf dem Kamm geblasene Instrumentals wären. Was für ein HAMMER Einstieg! Geiles Riff, geile Hook und dann ein Chorus, wie man ihn seit "The Things We Believe In" nicht mehr gehört hat. Der Song läuft gerade, und ich bekomme schon wieder Schnappatmung vor lauter Begeisterung! 

"In The Dawn Of The AI" ist nicht exakt die Singalong-Stimmungskanone wie der Einstiegstrack, hat aber seine eigenen Qualitäten. So glänzt das Stück mit dem Wechsel von etwas druckvolleren Strophen und einem eher im Midtempo groovenden Refrain. Grundsätzlich hat sich auf der aktuellen Langrille an der musikalischen Ausrichtung von ORDEN OGAN nichts geändert. Die Jungs schenken dem Auditorium nach wie vor melodisch-eingängigen Power Metal mit einer ordentlichen Portion Bombast (ohne allerdings die Songs mit Konservenorchester-Pampe zuzukleistern) und einer ebenso amtlichen Schippe Härte. Allerdings finden sich auf "Final Days" natürlich ob des lyrischen Sci-Fi Konzeptes eine ganze Reihe von elektronischen Effekten und Stimmenverzerrungen. Aber diese FX werden nicht überstrapaziert und fügen sich gut in den klassischen ORDEN OGAN Sound ein.

Mit "Inferno" folgt ein herrlicher Midtempo-Stampfer, der (in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft) das Live-Publikum einmalmehr zu überbordenden Spring-, Bang- und Mitsing-Exzessen animieren wird!

"Let The Fire Rain" kann das Niveau der bisherigen Stücke mühelos halten und beinhaltet erneut einen wirklich großartigen Chorus. Und doch wird der Song von der nächsten, zweiten Übernummer nach dem Opener noch um einiges überstrahlt. Seit "We Are Pirates!" habe ich bei einem ORDEN OGAN Track nicht mehr SO (im positiven Sinne) an die guten alten RUNNING WILD zu ihren Glanzzeiten ("Death Or Glory") denken müssen! Das gilt für den Beginn und die Strophen. Und dann bricht unvermittelt der Refrain über mich herein, der nicht nur gesanglich eine unglaubliche BLIND GUARDIAN Reminiszenz darstellt! Bitte nicht falsch verstehen, ORDEN OGAN kopieren die genannten Bands keinesfalls, man fühlt sich eher nostalgisch emotional berührt an Rock'n Rolf und die Gardinen erinnert. Ich jedenfalls hatte den ganzen Song über ein breites, seliges Grinsen im Gesicht. Ganz ganz großes Kino!

"Alone In The Dark" ist die Powerballade des neuen Albums und mal wieder ein Duett. Diesmal wird Seeb von der fantastischen Ylva Eriksson (BROTHERS OF METAL) unterstützt. Für mich ist "Alone In The Dark" der Grower auf "Final Days". Es dauerte einige Durchläufe, bis der Track tatsächlich bei mir zündete, dann aber richtig. Ich kann jedem wirklich nur empfehlen, dem Stück Geduld entgegen zu bringen und ihm eine Chance zu geben. Es lohnt sich.

Aber nun ist auch gut, mit Kuschelgeschwindigkeit. In "Black Hole" ziehen Geschwindigkeit und Härte wieder an, und erneut werden dem Hörer wuchtig-brachiale Hymnenklänge geboten. Und genauso geht es auch beim Quasi-Titelsong "Absolution For Our "Final Days". Vom Tempo etwas verhaltener, aber deshalb nicht weniger mit stählerner Härte und in Erinnerung bleibender Eingängigkeit ausgestattet, offenbart auch dieser Song keine Schwächen. "Hollow" prescht im Anschluss regelrecht speedig voran - noch eine Nummer, die live die Fans zum Ausrasten bringen wird. Man fragt sich, wo ORDEN OGAN die Melodien für ihre immer wieder grandiosen Chorusse herzaubern!

Die letzte Dreiviertelstunde verging wie im Flug, und nun ist auch schon wieder der Albumcloser an der Reihe. Treffend mit "It Is Over" betitelt. Die ersten anderthalb Minuten werden von einer leicht melancholischen Hookline getragen, und diese Traurigkeit (abermals eingehüllt in eine unglaubliche Melodie!) zieht sich bis zum bitteren Ende durch den gesamten Titel. Ein wahnsinnig intensiver Gänsehaut-Refrain macht das musikalische Genusserlebnis perfekt und beschert "Final Days" einen mehr als würdigen Abschluss.

Fazit:

Immer wenn man denkt, ORDEN OGAN müssten doch nun ihren qualitativen Horizont endgültig erreicht haben, und es kann eigentlich nichts mehr kommen als State Of The Art Stagnation, belehren Seeb & Co. den geneigten Hörer erneut eines Besseren. "Final Days" reiht mal wieder Hit an Hymne und schafft es der Tat, sich minimal am Vorgänger "Gunmen" vorbeizuschieben. Dazu kommt, und das verdient allerhöchste Anerkennung, dass Sebastian das Album komplett selbst produziert und der Scheibe einen wirklich amtlichen Sound verpasst hat. Chapeau Herr Levermann! Auch die Langzeitwirkung von "Final Days" hat bei mir nach gut 50 Durchläufen noch nicht gelitten, ein weiteres Zeichen für die exorbitante Qualität der neuen ORDEN OGAN Veröffentlichung! Jetzt bleibt eigentlich nur noch ein Wunsch offen - und zwar den NRW-Fünfer endlich wieder live genießen zu können! (Meine Worte in Gottes Gehörgang, oder ins Ohr von irgendjemandem, der da was regeln kann! ^^)

 

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (15.03.2021)

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