KANKAR - Dunkle Millennia

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VÖ: 19.03.2021
Bandinfo: KANKAR
Genre: Black Metal
Label: Eisenwald Tonschmiede
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

"Thüringer Schwarzmetall" - was ist das eigentlich? Ist es eine geschützte Herkunftsbezeichnung wie der berüchtigte "Black Forest Metal"? Ein Stahlwerk mit zwielichtiger Steuermoral? Oder vielleicht doch nur eine Black-Metal-Band aus dem mitteldeutschen Thüringen? Da man als Musiktester nur selten Einsicht in die Finanzamtsakten seiner Klienten erlangt, müssen wir zumindest eine der genannten Optionen als potenziellen Mumpitz abstempeln...doch die übrigen Attribute darf man getrost als zutreffend stehen lassen, wenn es um "Dunkle Millennia", das Debüt der ortsansässigen Band KANKAR, geht.

WINDIR, VREID, SATYRICON, UADA...all dies sind Bands, an die mich KANKAR nicht erdrückend erinnern. Und das, obwohl sie allesamt als Referenzkapellen für besagte Debütanten angeführt werden. Doch was will ich damit eigentlich sagen? Die Überschneidungen mit besagten Bands erschließen sich mir nicht oder zumindest nicht in einer Weise, die für eine nennenswerte Betonung der Parallelen sprechen würden. Doch während hier so mancher "Referenzkäufer" über irreführende Werbung polemisieren könnte, sehe ich in diesem Faktum viel mehr den ersten verdienten Pluspunkt der Scheibe. Aus dem einfachen Grund, dass der Stil KANKARs für meine Ohren einen überwiegend eigenständigen Charakter aufweist.

Und wie klingt dieses Thüringer Krachduo? Laut, sehr laut! Gegenüber ihrer 2018er Einstands-EP "Elemental Fury" haben Stríð und Plágan, die kreativen Köpfe hinter KANKAR, einiges an ihrem Sound geändert. Die vormals englischen Texte wurden deutsch, der rumpelige BM-Sound wandelte sich zur massiven Wand und die Kompositionen wurden freizügiger und verspielter. Alleine die sechssaitigen Ehrerweisungen an INQUISITION sind geblieben, wie "Vergeltung" und "N.E.I.D." bezeugen. Und wenn man sicher weiter in zwanghaften Vergleichen üben will, dann könnte man sich an IMMORTALs "Sons Of Northern Darkness" erinnern. Nicht etwa, weil "Dunkle Millennia" ähnlich klingt...denn das tut es nicht. Aber es bricht in ähnlicher Weise mit Konventionen, lässt Einflüsse aus klassischem Heavy Metal und Rock zu und erfreut sich einer Produktion, die man sonst eher im (Melodic) Death Metal oder bei ausgemachten dicke-Eier-Schwermetallern erwarten würde.

Die schreiberische Offenheit macht die meisten Tracks für ihr Genre verhältnismäßig eingängig, im Falle von "Krater in Sarx" gelingt KANKAR sogar ein regelrechter Ohrwurm, dessen Refrain gleich im ersten Anlauf die Dopamindrüsen explodieren lässt. Die Melodien in "Der Schütze" haben einen Pagan-metallischen Charme und "Die Sonne über Ikarus" kontrastiert gekonnt zwischen harschen und cleanen Vocals. Zwar geht kein Track auf "Dunkle Millennia" mehr so hart durch die Decke wie "Krater in Sarx", doch finden sich mit den besagten Songs und "Pilgerreise" noch einige kleinere Highlights und keine Abstinker. Insofern kann man vor dem gelungenen Album-Einstand der Band respektvoll seinen Hut ziehen und sich einen zweiten oder dritten Durchlauf gönnen - denn "Thüringer Schwarzmetall" ist vielleicht genretechnisch schwer zu fassen, aber geil - und das zählt!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (16.03.2021)

WERBUNG: Hard
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