EISBRECHER - Liebe Macht Monster

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VÖ: 12.03.2021
Bandinfo: EISBRECHER
Genre: NDH (Neue Deutsche Härte)
Label: Sony Music Entertainment
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Lineup  |  Trackliste

Es ist schon ein paar Jährchen her (konkret war es 2017), dass EISBRECHER mit „Sturmfahrt“ ein Nummer 1 Album hatten. Hat das neue Werk „Liebe Macht Monster“ genauso gute Chancen auf eine TOP Platzierung?
Meiner Meinung nach: eindeutig „Ja“.

„Liebe Macht Monster“ ist erneut ein rebellisches Werk mit 15 Songs, wo die deutschen Schwergewichte uns ihren knallharten Mix aus Rock, Metal, Rap, Industrial, Pop und Elektro um die Ohren werfen. Sänger Alex Wesselsky und Gitarrist, Produzent sowie Programmer Noel Pix haben viel Rauch (Zigaretten) und Strom (PC) investiert, um ein Songwriting zu kreieren, bei dem der Sound mit Wucht kommt und die Texte es in sich haben, weil sie sich kein Blatt vor den Mund nehmen und in ihrer Klarheit und Deutlichkeit einem verbal in die Fresse hauen. Sehr oft trifft Alex mit seinen Aussagen mitten ins Schwarze und hält damit der Menschheit einen Spiegel vor, was in der aktuellen Corona-Zeit noch mehr an Bedeutung gewinnt, als man früher wohl gedacht hat.

Hier meine Analyse der Songs auf „Liebe Macht Monster“, von denen es jeder auf seine Art in sich hat:
„Es lohnt sich nicht ein Mensch zu sein“: ein Techno/Elektro/Industrial-Gemisch. Es paaren sich wuchtige Riffs mit Speed, eindringlichen Programming Sequenzen und harten Beats. Ein sehr hypnotischer Sound, dem man sich nicht entziehen kann. Abwechslung bringt der Mix aus nachdenklichem Gesang und wütendem Sprechgesang. Knallharter Text wird einem um die Ohren geworfen und trieft vor tieferer Bedeutung. Somit wird einem ein Spiegel vorgehalten und man kann sich dem Nachdenken über den Inhalt nicht entziehen.

„Nein Danke“ ist ein Song der Gegensätze, sowohl im Text als auch im Songwriting. Mal ist es ruhiger, nachdenklicher und mit Synthie-Basis und dann haben wir das Wechselspiel mit den aggressiven harten Beats und Riffs. Inhaltlich ebenfalls sehr bedeutungsschwanger und man sollte sich Zeit nehmen, den Text genau anzuhören. Das gilt natürlich für alle Songs des Albums.

Im Gegensatz zum recht harmlosen „Nein Danke“ steht das schon vom Titel und Text her aufmüpfige und soundtechnisch um einiges härtere „FAKK“, das mit seiner dunkel schrägen Melodie und den zitronengelben/schwarzen Gegensätzen aus dem Video ein Ausrufzeichen setzt. Das ist hart. Das ist ein Spiegel der Gesellschaft, und die Umsetzung ist entsprechend. EISBRECHER nehmen einen Industrial Rap, mischen Härte und viel Elektro Sound dazu, sodass sich diese explosive Mischung ins Hirn wummert, und erzeugen einen Hit mit Garantie.

„Im Guten Im Bösen“ ist sehr melodiös, mit Pop/Schlager Tendenz sowie einem Disco-Beat und tanzbarem Schwung. Die harte Seite ist zurückhaltend, der schwungvolle Sound überwiegt. Das heißt jetzt nicht, dass dieser Song Oma erfreuen wird, aber er hat Refrains, Mitsingtexte und eingängige Melodien, die einen einfach mitnehmen, nicht los lassen und die man immer wieder anhören kann. Also eine Art Elektro Metal Schlager.
Recht angepasst, obwohl es von EISBRECHER kommt.

„Frommer Mann“ (a la „Bang Bang Kopfschuss“), wieder im Industrial Kleid mit Sprechgesang. Wuchtig, massiv, brachial. Ja, das passt gut für diesen Song über Heuchelei. „Nur ein frommer Mann ist Gottes Untertan“. „Glaub kein Wort“ – ein Song über Falschheit, Wortbruch und zwei Gesichter.

Ein Duett gibt es auch bzw. einen Gastsänger. Dero Goi liefert die zweite Stimme für „Dagegen“. Ja, das passt für die Richtung: Stampfender Gleichschritt-Rhythmus, Elektrobeats, Programming. Beim Inhalt wird ausgekotzt: „Ich denke, also bin ich – dagegen“. Es beinhaltet Kritik am Establishment, Kritik an der Führung, aber auch Kritik an denen, die nicht denken und sich wie Schafe umher treiben lassen (Gut, dass das schon wieder jemand weiß - der wenig wissende Red.). Der Fehler im System sein, unbequem sein – das ist die Aussage von EISBRECHER.

Spielereien beim Programming und ein sanfterer Sound, bei dem die Wut überwiegend herausgenommen wurde beherrscht „Liebe Macht Monster“ – der Titel fungiert auch als Wortspiel. Macht die Liebe Monster? Oder sind es drei Subjekte? Und es geht um die Macht und nicht das machen? Der Stakkato-Beat im Wechsel mit harmonischeren Takten arbeitet die Emotionen im Song schön heraus. Die Riffs liefern Speed und Härte. Das nächste Stück also, dem man sich nicht entziehen kann.

Kawumm. „Systemsprenger“ ist der nächste im Rap angesiedelte Song, der mit Coolness einfährt. „Lass die Sau raus“, hat in diesem Zusammenhang auf jeden Fall seine Berechtigung. Und steht als Song im recht krassen Gegensatz zum nächsten Stück über die Sinnfrage „Wer bin ich“.

Es wird weiter an Wucht zurückgenommen. EISBRECHER geben sich bei „Himmel“ nachdenklich, düster und intensiv. Der Song hat einerseits ruhige Phasen und anderseits gewaltige, emotionale Höhepunkte.

„Kontrollverlust“ ist wieder auf der harten Seite und bietet herrlich dichtes Wummern, ist gleichzeitig schön heavy, wütend, grantig und man kann sich mit ihnen den Frust von der Seele singen. Worum es geht: Um die Situation, wenn man sich nicht mehr unter Kontrolle halten kann und in die Luft geht. Der Song vertont mit Wucht und den richtigen Worten, wie man sich in so einem Moment fühlt. Wenn nur mehr ein Tropfen reicht, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Etwas, das sicher viele von uns kennen und nachvollziehen können. Ich persönlich auch. Ich würde auch öfter diesen Sirenensound und die Warnung „Achtung, ich bin kurz vorm Explodieren“ benötigen.

Bei „Leiserdrehen“ und "High Society" spielen die Texte wiederum eine gewichtige Rolle. Während der erste Song mit einem hypnotischen Synthie und Industrial/Metal punktet, liefert der zweite einen ins Ohr gehenden Sound und textlich eine Abrechnung mit den oberen 10.000 und dessen Nachwuchs.

Das Ende des Albums naht und es kommt eine Metapher für das Ende des Lebens. „Es lebe der Tod“ hat einen morbiden Titel, ist aber eine Hymne an das Ende im Leben, an den Moment, wo alle wieder gleich sind. Wir hören ein eingängiges Riff in Kombi mit Schlagzeug. Einfach, aber sehr eindringlich. Die Nummer bringt es auf den Punkt: der Tod macht keinen Unterschied, der Tod ist der letzte Anarchist. Der Tod, der an keine Religion gebunden ist, sondern überall und jedem das Ende bereitet. „Vor ihm sind alle gleich“. Ein starker Song mit so viel Wahrheit in den Lyrics und Inbrunst in der Vertonung.
Ein würdiger Ausklang des Albums.

EISBRECHER 2021 – das ist hypnotisch wummernder heavy Elektro&Industrial-Sound, der sich in die Gehirnwindungen fräst. Dazu aufwühlender Inhalt mit einem Text, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Groove, Rap, Metal, Disco-Beat. Eine explosive Mischung, die in dieser Zeit viele anspricht.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (29.03.2021)

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