U.D.O. - Live In Bulgaria 2020 - Pandemic Survival Show

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VÖ: 19.03.2021
Bandinfo: U.D.O.
Genre: Heavy Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Meine Damen und Herren, sie sehen und hören hier die glorreiche Zukunft der Live-Shows. Ein sitzendes Publikum, weit weg von der Band, die Ränge nicht voll besetzt und die Interaktion zwischen Musikern und Fans auf ein Null-Level heruntergefahren. U.D.O. haben im Corona-Sommer 2020 das Experiment gewagt und sich in Bulgarien unter Einhaltung der dort herrschenden Bestimmungen auf eine großzügige Freiluftbühne gestellt, um den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits ein ganzes Jahr lang nach Liveshows hungernden Fans eine DVD zu kredenzen. Ein hehres Motiv, das unter Aufbietung enormen logistischen und finanziellen Aufwands verwirklicht wurde – aber letztendlich eher traurig denn froh stimmt.

Denn all der gebotene Aufwand kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Show distanziert und in sich gekehrt wirkt, als ob die Band in einer leeren Halle performen würde – wenn nicht die ab und zu erfolgten Einblendungen des durchaus begeisterten Publikums wären, die jedoch durch die große Distanz zwischen Bühne und Tribünen wie nicht dazu gehörig scheinen. Speziell in der bildlichen Umsetzung wird es nahezu offensichtlich, dass selbst eine begnadete Live-Band wie U.D.O. ohne die wogende Masse vor der Stage, die einen Gutteil der Atmosphäre der Show trägt, unter den gegebenen Umständen nur einen lauen Lufthauch bewegt. Ohne den demonstrativ in den Vordergrund gemischten Jubel des anwesenden Publikums und die seltenen Einblendungen der Zuschauer, entstünde erst gar kein Live-Feeling.

Die dergestalt fehlende, überspringende Funke rückt aber auch unfreiwillig in den Vordergrund, dass es um die vokalen Künste des Altmeisters, der seine Instrumentefraktion inzwischen komplett mit einer jüngeren Riege besetzt hat, leider auch nicht mehr zum allerbesten steht. Exemplarisch seien „The Wrong Side Of Midnight“ und „Rose In The Desert“ erwähnt, in denen es wohl am offensichtlichsten wird, dass die prägnante Heliumstimme des German Tank inzwischen auch unter sowohl den fehlenden Probe-Möglichkeiten (die Band traf sich für die Show erstmals seit Monaten überhaupt wieder persönlich) als auch dem fortschreitenden Alterungsprozess deutlich gelitten hat. Auch Uptempo-Granaten wie das dank der jungen Musikerriege großartig arschtretende „Timebomb“ zeigen deutlich, dass sich der Kult-Fronter zunehmend schwertut.

Zeitfüller, wie die kultigen ACCEPT-Klassiker „Princess Of The Dawn“, „Metal Heart“ und „Balls To The Wall“ mit ihren schier ewigen Singalong-Parts, die traditionell in mehr als Verdoppelung der Spielzeit münden, verlieren ebenfalls durch die Distanz deutlich an ihrer ansonsten packenden Atmosphäre. Gleiches gilt für die ausufernden Instrumentalsoli, die gerade in der reinen Audio-Variante lediglich für die wirklichen Musikfreaks interessant sein dürften – vom gewöhnlichen Konsumenten aber vermutlich gnadenlos geskippt werden.

Das mag nun alles nach mehr Gemecker als positiven Nachrichten klingen – doch abgesehen vom nicht mehr wirklich optimalen Zustand der Stimmbänder des German Tank, kann man an dem vorliegenden Paket kaum herummäkeln. Die Interaktionsdefizite und die fehlende Atmosphäre kann man der Band angesichts der Umstände kaum ankreiden und auch die Setlist sollte eigentlich Grund zum Frohlocken sein – ein deutlicher Überhang zum U.D.O.-eigenen Material, gemixt mit ein paar unvermeidlichen ACCEPT-Klassikern, hätte vermutlich noch vor einem Jahr die Herzen höherschlagen lassen. Alleine, diese Zeiten sind vergangen und keiner von uns weiß, ob das was wir in diesem Jahr verloren haben jemals zurückkehren wird. Falls das nicht der Fall sein sollte, bietet „Live In Bulgaria 2020 – Pandemic Survival Show“ einen traurigen Ausblick auf die Zukunft und versinnbildlicht unfreiwillig den Niedergang all dessen, was wir einst liebten.

In Anbetracht der Umstände sieht der Rezensent von einer Bewertung ab, rechnet U.D.O. und seiner Crew die Bemühungen, den Fans in dieser seltsamen Zeit etwas bieten zu wollen, jedoch extrem hoch an. Alleine über den Titelzusatz „Pandemic Survival Show“ kann und darf man geteilter Meinung sein.

Was uns Udo Dirkschneider über die Entstehungsgeschichte erzählt hat kannnst du in unserem Interview nachlesen

 

 



Ohne Bewertung
Autor: Anthalerero (16.03.2021)

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