DARKNESS - Over And Out

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VÖ: 27.11.2020
Bandinfo: DARKNESS
Genre: Thrash Metal
Label: Massacre Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Vorweg: Ein großes Dankeschön an Schlagzeuger Lacky!
Die Veröffentlichung des am 27. November 2020 erschienenen Minialbums „Over And Out“ der Thrash Metal Band hätte am 26. und 27. November mit zwei Release Shows im heimischen Essener „Don't Panic“ zelebriert werden sollen. Zwei Shows, mit limitierter Gästeanzahl und anderen Vorkehrungen, um maximale Sicherheit in den jetzigen Zeiten zu gewährleisten. Aber leider machte das doofe Coronavirus, oder genauer gesagt die deswegen erlassenen Vorgaben der Politik, da einen Strich durch die Rechnung.
Vorbesteller des exklusiven Packages hätte sich ihres auch bei den Shows abholen können. Diesen wurde dann angeboten, dass Lacky höchstpersönlich am 26. und 27. November diese ausliefert. Und so geschah es auch. Der Lieferservice brachte einen Pizzakarton, der Inhalt heiß und reichlich belegt. Nochmal Danke für diesen originellen und besonderen Service!

 

Die Coronaauszeit vom Touren haben viele Bands genutzt um neues Material zu schreiben und aufzunehmen. Oft kamen dabei nur EPs heraus. LPs heben sich manche auf bis sie wieder touren können und lassen die Fans noch weiter hungern.
Hier gibt es immerhin ein Minialbum mit sieben Songs, davon nur drei neue, eine Coverversionen und drei alte Bekannte in neuen Gewändern.

 

EPs und Minialben kann man bei manch einem Interpreten getrost vernachlässigen, zweitklassige Songs, langweilige Liveaufnahmen und Demos die außer Hardcorefans niemanden interessieren, aber schon der Opener „Every Time You Curse Me“ ist der Hammer! Liebe geht scheinbar auch durch die Ohren. Schon das Hören der ersten Sekunden, die fette Bassline und dann das Gitarrenriff loslegt und dann noch die zweite Gitarre einen melodischen Part drüber legt, fesselt. Der ganze Song brilliert mit seiner spannenden Struktur die keine Monotonie in dieser Dampfwalze von einem Song aufkommen lässt.
„Dawn Of The Dumb“ überrascht mit ein paar ungewohnten Parts und die Band zeigt sich wieder verspielt. Banalen Songaufbau und monotone Melodien sucht man hier vergebens. Aber nicht nur musikalisch, auch textlich bieten DARKNESS immer sehr viel. Wer auch sonst nicht so darauf achtet, sollte zumindest bei diesem Song genau hinhören oder Booklet bzw. Lyric Video heranziehen. Im Fall von „Dawn Of The Dumb“ sind die Lyrics zwar simpel, aber effektiv und drücken etwas aus das wohl viele genauso sehen und genügend Spielraum lässt für eigene Gedanken oder Spekulationen welche konkreten aktuellen Anlässe wohl zu diesem Song geführt haben. 


Der dritte neue Song „Over and Out“ liefert ab was man von der Band erwartet. Die Up-Tempo Granate hätte auch sehr gut auf das letzte Album, „First Class Violence“ von 2018, gepasst. 
Zwischen den neuen und alten DARKNESS Songs ist eine Coverversion von „Slave To The Grind“ platziert. Mit dem gleichnamigen Album veröffentlichten SKID ROW 1991 ein überraschend hartes Album, dass zurecht als Klassiker gefeiert wird. Zum Glück ist diese Coverversion nicht so mittelmäßig performt und schlecht produziert wie das 2011er Cover von HALESTORM. Man erkennt den Song sofort am unverkennbaren Riff, aber diese Version hat einen Touch, na ja, eher einen kräftigen Schlag, DARKNESS. Man macht sich den Song hier zu eigen, der Sound ist durch und durch DARKNESS. Sicher, gesanglich ist Lee kein Sebastian Bach in Höchstform (aber selbst Bach schon lange nicht mehr), aber er versucht auch gar nicht ihn zu imitieren, sondern geht mit seiner eigenen Art an die Vocals ran. Das passt sowohl zum Sentiment des Songs, als auch natürlich zu DARKNESS.


Weiter geht es mit einer Liveaufnahme von „Tinkerbell Must Die“ (original vom Album „The Gasoline Solution“), performt 2017 in Osaka mit Dirk Hamilton am Bass. Angefeuert von dem angeblich sonst so ruhigen japanischen Publikum, geht es mit Killersound ins Intro.
Die Vocals schwächeln hier vielleicht ein wenig, aber die Band hat Biss und ist tight. Es gelingt die Energie einer DARKNESS live Performance einzufangen, die die Sehnsucht nach dem nächsten Konzert weckt.
„Armageddon“, der älteste Song im Repertoire, 1985 erstmals auf der Demo “The Evil Curse“ veröffentlicht, präsentiert sich in neuer Frische. Das Schlagzeug donnert in einem Tempo, da kann selbst der Duracellhase nicht mithalten. Ein zeitloser Klassiker mit 100-prozentiger Mosh-Garantie wann immer er gespielt wird. Gastgesang wird hier von den beiden ehemaligen Mitgliedern Pierre und Bruno beigesteuert, ebenso im abschließenden „Faded Pictures“. Eine Akustikversion dieses Songs aufzunehmen war eine perfekte Wahl. Wer die Band schon mal live gesehen hat, weiß, dass sie ihn jedes Mal dem 1998 verstorbenen Olli, Sänger auf den ersten Beiden Studioalben der Band widmen, und welches Gefühl da im Raum schwebt. Die nun sentimentale, melodische Ballade trifft da genau ins Schwarze und ist dank der sauberen, klaren Produktion ein Genuss. 
„Over And Out“ wurde produziert Cornelius Rambadt (legte unter anderem auch bei den hochkarätigen Alben DARKNESS „First Class Violence“, BONDED „Rest In Violence“, SODOM „Decision Day“ Hand an).

 

Erhältlich ist das Minialbum auf CD, Vinyl und digital. 
Das Albumcover verknüpft „Over And Out“ noch mit dem letzten Album „First Class Violence“ (und wird sicher nicht in die Annalen der besten Albencover mit Augendetailaufnahme eingehen) und auch musikalisch reiht es sich nahtlos daran an, macht aber auf alle Fälle Appetit auf mehr neue Musik von DARKNESS, die seit „The Gasoline Solution“ Musik auf konsistent hervorragendem Niveau abliefern.

 

Die hier abgelieferten 30 Minuten verfliegen so schnell. „Over And Out“? Nein! Gleich wieder von vorne.



Ohne Bewertung
Autor: Brigitte Simon (17.03.2021)

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