DEVIN TOWNSEND - Devolution Series #1 – Acoustically Inclined, Live In Leeds

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VÖ: 19.03.2021
Bandinfo: DEVIN TOWNSEND
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

DEVIN TOWNSEND ist eine der wohl bekanntesten und demnach auch verehrtesten Figuren im Musikbusiness, vor allem, wenn es um Metal geht. Egal ob als Produzent, Gitarrist, oder auch als Sänger, alles was er tut hat Hand und Fuß. Lange wurde er für verrückt erklärt und so wie sich das gehört, stehen natürlich auch einige Skandale zu buche, die man aber zumeist und der Überschrift "Rockstar" zusammenfassen könnte. Unbestritten ist jedoch sein musikalisches Genie und man kann sich fast schon dankbar schätzen, dass TOWNSEND aufgrund einiger Sponsoren, die Möglichkeit erhält, Projekte, die er über die Jahre umgesetzt hat, zu veröffentlichen. So eben auch dieses Konzert, welches in Leeds und im Anschluss an "Empath" entstand. TOWNSEND arbeitet bereits an weiterem Material, welches er in den nächsten Jahren veröffentlichen möchte und als eine Art Appetitanreger und Zeitvertreib, erscheinen nun eben einige Dinge aus der Reihe "Devolution Series". TOWNSEND sagt selbst, dass diese Serie dazu dienen soll, die Leute während der aktuellen Zeit zu unterhalten, solange wie er noch braucht, um seine neuen Stücke zu veröffentlichen. Seltsam altruistisch für einen Menschen, der sich selbst als Egoist bezeichnet hat.

Neben seiner Reputation als Produzent und Gitarrist, ist DEVIN TOWNSEND zudem dafür bekannt, eine Stimme zu besitzen, die jemanden sowohl in den Schlaf singen, als auch für die Albträume während des Schlafens verantwortlich sein kann. Mit der am 19. März erscheinenden Platte verhält es sich da auch kaum anders. Was man hier geboten bekommt ist fast nur noch im weitesten Sinne als Konzert zu verstehen, viel mehr erinnert die Scheibe an eine Art Lesung von Musik. TOWNSEND wirft immer wieder Gags ein, oder improvisiert auf musikalischer Ebene, selten hat man ein Publikum so häufig und herzlich lachen hören. Obschon das Konzert den Stempel der Akustik trägt, sorgen kleinere Soundeffekte für eine noch greifbarere Atmosphäre, die vor allem durch das teilweise eingesetzte Echo auf der Stimme und der Gitarre unterstützt wird. Es sind vermutlich auch diese Veranstaltungen, in denen man sich in einem fast schon familiären Kontext von den Künstlern etwas vorspielen lässt, die man zurzeit vermisst. 

Aufgrund des Sounds und des Charmes von TOWNSEND, glaubt man fast, man sitze direkt im Publikum und lasse sich von der engels- und dämonengleichen Stimme, sowie der warmen Gitarre berieseln. Ganz bewusst hat man sich dazu entschieden auch die zwischen den Stücken befindlichen Witze und Anekdoten beizubehalten und eben nicht rauszuschneiden, was die Scheibe wirklich richtig sympathisch macht. Selbstverständlich muss man auch ein überaus versierter Musiker, sowie Entertainer sein, um diese Improvisationen und Spielereien in der Form vortragen zu können. 

Im Intro entsteht eine kleine Konversation zwischen TOWNSEND und einem seiner Crewmitglieder, die sofort die Stimmung lockert und auch den wohligen musikalischen Einstieg in die Platte erleichtert, zu keiner Zeit fühlt man sich als HörerIn übermannt, es ist fast durchweg entspannend. Fast schon eine kleine imaginative Reise über Blumenwiesen und ab und zu dann auch in die tiefsten Ecken der Hölle, ohne dabei jedoch unangenehm zu werden. So ließe sich das Jüngste Gericht in jedem Falle ertragen. 

Nicht nur Songs von dem Album "Empath" sind zu hören, auch alte Ziltoid-Klassiker prasseln von den Gitarrenseiten, es sollte also für jeden, der etwas mit TOWNSEND verbindet, dabei sein. Der erste Song nach dem Intro entstammt allerdings dem Album "Synchestra" und zeigt wunderbar welche gesanglichen Fähigkeiten DEVIN TOWNSEND besitzt. Mit unvergleichlich viel Druck startet er in den Song und lässt ihn zum Ende einfach ausfaden, um nahezu ansatzlos wieder mit Gags ein paar Lacher zu ernten. Deswegen ist es auch schwierig dieses Album zu bewerten, oder einzuordnen, weil es eine so andere Form der Zelebrierung von Musik ist. 

Kein Stück scheint darunter zu leiden, dass es "lediglich" durch eine Gitarre und eine Stimme interpretiert wird, im Gegenteil, TOWNSEND schafft aus dem Nichts fast ein neues Album und das live, ohne Anstrengung. Diese Platte, ist trotz ihrer Titulierung als "oddity", wie TOWNSEND sie selbst nennt, auf jeden Fall einen Hörer wert. Egal zu welcher Zeit, egal ob zum aktiven, oder passiven Hören, man wird hier nicht enttäuscht sein, wenn man sich auf diese Form der Kunst einlässt. Noch viel wichtiger ist dabei, dass TOWNSEND es schafft Spaß an der Musik zu vermitteln und das in einer Situation, in der Kunst so wenig von hoher Ebene wertgeschätzt wird. 

Egal ob es die Musikalität, das Entertainment, oder einfach die Atmosphäre ist, die jenes Werk so greifbar machen. Die Hauptsache ist, dass dieses kleine Konzert aus Leeds berührt und noch wichtiger: bewegt!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Joel Feldkamp (22.03.2021)

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