PRIMAL FEAR - I Will Be Gone

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VÖ: 09.04.2021
Bandinfo: PRIMAL FEAR
Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Tonträger Produktions- und Vertriebs GmbH
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Lineup  |  Trackliste

Mit "Metal Commando" fuhren PRIMAL FEAR formidable Kritiken ein und konnten die Moral in der internationalen Headbang-Kompanie trotz pandemiebedingter Bühnenflaute auf astralem Niveau halten. Das belegten unser fast einstimmiges Kreuzverhör, die hohen Chartplatzierungen und nicht zuletzt die positive Resonanz der breiten Hörerschaft. Die EP "I Will Be Gone" zählt zu den Nachbeben des aktuellen Langspielers und bietet neben der namengebenden Album-Single einen neuen Song sowie die Bonustracks der Limited Edition von "Metal Commando".

Das Besondere an der hier gebotenen "I Will Be Gone"-Version ist, dass sich im Gegensatz zur Albumversion die ehemalige NIGHTWISH-Muse Tarja Turunen als Gastsängerin verewigen durfte. Ob ein ausgemachter Heavy-Metal-Recke wie Ralf Scheepers mit dem opernhaften Gesang Tarjas harmonieren kann, war für mich die Frage der Stunde. Und obwohl ich standesgemäß unvoreingenommen an die Sache herangegangen bin, so sollte sich doch mein erster Gedanke diesbezüglich verfestigen. Denn ging die Urversion noch als gelungene, wenn auch nicht überwältigende Powerballade durch, so flutet nun ein sinnbildliches Gemisch aus Harzer Käse und Vanilleeis meine Gehörgänge. Und das liegt nicht nur daran, dass die Stile von Tarja Turunen und Ralf Scheepers auf mich wenig kompatibel wirken - mindestens genauso aufdringlich erscheint mir dabei der Gedanke, dass Tarja Turunen gesanglich mehr zu bieten hat als diesen obermittelklassigen Duett-Beitrag in gewöhnungsbedürftigem Englisch. Für mich ist und bleibt sie die beste und einzig wahre NIGHTWISH-Sängerin - doch mit einem Track, der nicht für ihr symphonisches Organ geschrieben wurde und demselben wenig Chancen zur Entfaltung bietet, steht sie auf verlorenem Posten.

Aber zum Glück ist mit dem Titeltrack nicht aller Tage Abend, denn mit den übrigen Songs der EP folgen Trost und Sühne auf dem Fuße. Das neue Stück "Vote For No Confidence" ist ein sehr gelungener und geradliniger PRIMAL FEAR-Song - mit einer heavy-as-fuck-Strophe, einem Testosteronspiegel bis unters Dach und einem klebrigen Refrain, der trotz seiner Glukose-Affinität niemals käsig wirkt. Und auch die Beiträge aus der "Metal Commando"-Bonuskiste sind ausgesprochen brauchbare Kost, die nicht nur den Besitzern der Limited Edition vorbehalten sein sollte. Eingeläutet durch das schwellbrüstige Instrumentalstück "Rising Fear" formiert sich der gereckte Stinkefinger während "Leave Me Alone" fast von allein. Und "Second To None" erinnert mich abermals daran, warum ich PRIMAL FEAR gerne als die deutsche Antwort auf JUDAS PRIEST bezeichne. Wer die schwäbische Stahlschmiede schätzt und / oder "Metal Commando" abfeiert, bekommt hier für seine Taler noch einiges geboten - Titeltrack hin oder her.

Neuinterpretationen, Coverversionen und Gastauftritte aller Art sind in vielen Fällen eine unterhaltsame Sache und willkommene Abwechslung. Bei der tarjafizierten "I Will Be Gone"-Version hingegen handelt es sich um ein eher entbehrliches Experiment, das dem Verfasser die Flöhe aus der Matte scheucht und den sonst überzeugenden "Metal Commando"-Zugabenfundus ausbremst. Da es überdies jedoch genügend Mehrwert zu attestieren gibt, hat auch diese EP ihren verdienten Platz in einer gut sortierten Plattensammlung, die die Limited Edition der aktuellen Langrille nicht ihr Eigen nennt. Und wessen Flöhe beim Titeltrack ebenfalls Reißaus nehmen, der kann sich auf dem Weg zu "Vote For No Confidence" noch flugs ein Bier aus dem Keller holen.


Albumversion von "I Will Be Gone" (ohne Tarja):



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (13.04.2021)

WERBUNG: Hard
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