NECROTTED - Operation: Mental Castration

Artikel-Bild
VÖ: 19.03.2021
Bandinfo: NECROTTED
Genre: Death Metal
Label: Reaper Entertainment Europe
Hören & Kaufen: Amazon | Webshop
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das mittlerweile zum Quintett geschrumpfte Abrisskommando aus Abtsgmünd (dem ursprünglichen Veranstaltungsort des Summer Breeze Open Air vor dem Umzug nach Dinkelsbühl) ist zurück und hat mit "Operation: Mental Castration" ihr mittlerweile viertes Langeisen im Gepäck.

Grundsätzlich ist auf dem neuen Album (fast) alles beim Alten geblieben: NECROTTED zocken auch im dreizehnten Jahr ihres Bestehens nach wie vor eine energiegeladene Mischung aus brutalem Todesblei, Slam und Deathcore. Allerdings wurden die bislang auf zwei Shouter verteilten Vocals eingedampft - Fabian Fink übernimmt mittlerweile sowohl die Growls als auch die Scream-Parts.

Die 37-minütige Tour De Force startet mit "My Mental Castration". Der Opener bietet eine dreißigsekündige atmosphärische Einleitung, ehe NECROTTED unvermittelt völlig entfesselt loslegen. Die altbekannte Mischung aus Hyperblasts und Groove Parts zündet direkt und ballert immens druckvoll aus den Boxen. "My Mental Castration" enthält gleich zu Beginn die Quintessenz aller Zutaten aus dem NECROTTED-Baukasten: Doublebass-Gewitter, stampfende Slam-Abschnitte, Breakdowns und Growl/Scream Wechselgesang. Das bringt im ersten Song des Albums richtig viel Abwechslung, zeigt aber gleichermaßen die Limitierung der Band auf ebendiese Bausteine. Jeder NECROTTED Track besteht schlussendlich aus einer Auswahl dieser Elemente, was zur Folge hat, dass spätestens ab der Mitte der aktuellen Scheibe erste Abnutzungs- und Ermüdungserscheinungen auftreten, ob der relativen Gleichförmigkeit des Songmaterials.

Auch wenn größtenteils das Stumpf-ist-Trumpf-Gehacke auf "Operation: Mental Castration" vorherrscht, es gibt auch immer wieder kleine eingebaute Raffinessen. So klingen NECROTTED in einigen Stücken phasenweise richtiggehend angeblackened ("Compulsory Consumption", Mirror’s Malicious Glance), und neben dem Opener wird auch in "The Burning Emptiness in Me" und "Abhorrence and Anxiety" viel Wert auf Abwechslungsreichtum gelegt. Bitte in Zukunft mehr davon!

In dem brettharten Groovebastard "Asocial Media Whore" holen NECROTTED sich vokale Unterstützung bei Julien, dem Frontmann von BENIGHTED. Und einen weiteren Akzent setzt der arschgeile Albumcloser "Cynic Suicide", der wie ein melodischer Black Metal Song im Deathcore-Mantel anmutet. Ein flirrender Fiebertraum, der die neue Scheibe würdig beschließt.

Der Sound ist fett und druckvoll, mir allerdings oft einen Tick zu technisch und zu klinisch. So wirkt der Klangkosmos von NECROTTED zuweilen regelrecht digital und anorganisch.

Fazit:

Nein, das Death/Core/Slam-Fahrrad erfindet das Abtsgmünder Quintett auf "Operation: Mental Castration" mit Sicherheit nicht neu. Und auch etwas mehr Abwechslung anstelle des permanenten Doublebass Geballers wäre wünschenswert gewesen. Aber schlecht ist die neue Langrille beileibe nicht, aufgrund der Kürze der Spielzeit und der druckvollen Mitten-In-die-Fresse-Songs sowie den hin und wieder doch vorhandenen und immer geschickt eingearbeiteten Facetten, kann man sich die Rübe gern das ein oder andere Mal von NECROTTED wegblasen lassen. Zudem sind die Tracks bei hoffentlich bald wieder stattfindende Live-Aktivitäten natürlich geradezu prädestiniert für Mosh und Circle Pits.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (31.03.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE