TYGERS OF PAN TANG - Majors & Minors

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VÖ: 28.05.2021
Bandinfo: Tygers of Pan Tang
Genre: Heavy Metal
Label: Mighty Music
Lineup  |  Trackliste

Eigentlich ist TYGERS OF PAN TANG die, also DIE Band für Strombringer: Den Namen haben die Briten aus dem Roman Stormbringer von Michael Moorcock. Dennoch werden wohl auch hier einige Leser dabei sein, die den Namen der Band zwar schon gehört haben, aber nicht sonderlich mit der Musik der Truppe in Berührung gekommen sind. Der große Durchbruch wurde nie geschafft, obwohl sie zu der Speerspitze des NWOBHM zählten. Was aber auch kein sonderliches Wunder ist: Die Gruppe löste sich bereits 1983 auf, formierte sich dann neu, spielte 1985 und 1987 zwei erfolglose Alben ein und dann war wieder Sendepause bis 1999, wo Originalsänger Jess Cox und Originalgitarrist Robb Weir mit Gastmusikern in Wacken einen Revival-Auftritt hatten. Bis zum Comeback-Album dauerte es nochmal zwei Jahre mit wieder anderem Sänger, der danach auch wieder weg war. Nach weiteren Umbesetzungen ist die Band mit dem 2004 zu ihr gestoßenen Sänger Jacopo Meille und dem neuen Bassisten Gavin Gray sowie dem neuen Gitarristen Micky Crystal bis heute aktiv. Vier Alben sind seitdem entstanden und die vermeintlich stärksten 15 Tracks davon wurden nun auf „Majors & Minors“ versammelt.

Mit fünf Songs ist das jüngste Album „Ritual“ am stärksten vertreten. Der eher episch angelegte Song „Spoils Of War“, der entfernt an James-Bond-Titelmelodien erinnert, ist in einer neuen orchestralen Version enthalten, wo das Orchester aber etwas untergeht und verschenkt wirkt. Darauf folgt mit vier Tracks das selbstbetitelte Album von 2016, „Animal Instinct“ (2008) und „Ambush“ (2012). Obendrein das verdammt heiß rockende „Plug Me In“, das erstmals auf CD veröffentlicht wird sowie der ganz neue Track „What You Say“, ein old-schooliger US-Hard-Rocker in recht modernem Soundgewand (insbesondere der Gesang kommt mit Blick auf die Musiker im fortgeschrittenen Alter überraschend aktuell daher). Insgesamt also wenig Argumente für Fans der Band diese Zusammenstellung zu kaufen, insofern richtet sich die Compilation an jene, die die letzten vier Alben verpasst haben.

Und für jene gilt: Ruhig mal reinhören, wenn man was anfangen kann mit geschmackssicherem US-Hard-Rock mit moderner Produktion, aber doch old-schooligen Strukturen. „Damn You!“ groovt exemplarisch schön und hat eine der geilsten Basslines der letzten Zeit zu bieten. Stilistisch erinnert hier nicht viel an die NWOBHM-Anfangszeit (ist ja auch schon ewig her), wer also so etwas wie SAXON oder IRON MAIDEN sucht ist hier falsch! Eine bessere Referenz sind da wohl aktuelle D-A-D oder MICHAEL MONROE. Man höre sich als Beispiel „Glad Rags“ an, das ein recht klassischer Sleaze-Rocker ist (der nach hinten raus aber zu sehr versucht, ein Hit zu sein). Schnellere Songs gibt’s kaum (selbst das flottere „Let It Burn“ ist eigentlich ein groovender Rocker), es wird meist fetzig und groovy gerockt. Schade eigentlich, denn das schnelle „Never Give In“ zählt zu den Höhepunkten.

Insgesamt passt das musikalisch-qualitativ alles, Sound und Gesang ist erstklassig und auch das Cover ist ein schöner Hingucker. Allerdings fehlt es auffallend deutlich an echten Hits. Die Songs sind fast durchgängig gut gemacht, den Hörer weghauen oder im Langzeitgedächtnis festfräsen tun sie aber kaum. Am hit-verdächtigsten sind nach diversen Durchläufen „White Lines“, "Damn You!" sowie „She“ mit Flamenco-mäßigem Solopart. Das ist natürlich wie immer persönliche Geschmackssache, andererseits gibt es ja immer wieder Songs, denen man ganz unabhängig vom eigenen Geschmack den Hit-Charakter nicht absprechen kann. Und das gibt es bei dieser Compilation in diesem Sinne nicht so wirklich. Nette Rocker, die zur Hintergrund-Beschallung okay sind, aber schnell aus dem Gedächtnis gerutscht sind.



Ohne Bewertung
Autor: Tobias (28.05.2021)

WERBUNG: Hard
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