FROST, PISSE & ELEND - Frost

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VÖ: 05.03.2021
Bandinfo: FROST, PISSE & ELEND
Genre: Black Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

"FROST, PISSE & ELEND"?!

"Sehr gerne! Im Becher oder in der Waffel?"

Tja, Freunde, falls mich jemand nach der most evil Black Metal Produktion ever fragt, werde ich ab sofort nicht mehr lange überlegen müssen, aber das liegt nicht am Namen der hier vorliegenden, verantwortlichen Band oder an den Lyrics, sondern am Covermotiv ihrer "Frost"-EP. Einer der drei Bandmember musste definitiv in den sauren Apfel beißen und bei seiner Oma die Erlaubnis einholen, ihre seit 1970 hochfrequentiert zugerauchte Raufasertapete abfotografieren zu dürfen, um sie aufs Tape zu batschen. Satan rules. \m/

Stichwort "Bitterböse": Ich wette, die meisten von euch wussten nicht, dass eine deutsche Synchronversion von MTVs Beavis & Butthead (Serie) existiert! Wenn mich die Erinnerung nicht trügt, sagt Butthead in einer Folge zum Häftling mit dem Killer-Tattoo auf der Stirn: "Kieler? Kommst du aus Kiel?" (Im Original liest er "Kyler".) Von solchen messerscharfen Überleitungen können Pro7-Moderatoren übrigens nur träumen, denn zufälligerweise kommen FROST, PISSE & ELEND aus Kiel.

Jetzt ist aber der Zeitpunkt gekommen, sich die fünf Tracks der "Frost"-EP endlich zu Gemüte zu führen. Mir deucht zwar, ihr würdet der Fehlannahme erliegen, euer Stormbringer-Droog dritter Stunde würde jeden Song einzeln beleuchten, weil er unfähig ist, einen kohärenten Text zu verfassen, der den Gesamteindruck widerspiegelt, aber ich kann Euch versichern, dass ... nun ... ah ... Ich hab den Faden verloren ... Wir schauen uns jedenfalls die Tracks einzeln an.

Through Smoke And Fire beginnt vielversprechend, klingt, als hätte man "Hör mal wer da hämmert" bei dreifacher Geschwindigkeit abgespielt. Die blöden Christen und ihr fauliger Gott bekommen mal wieder, was sie verdienen. "Hunt them down!" und so. Zwischendurch bisschen Falsett-Gekreische. Ja, kann man hören, aber für herzlose Zahnärzte beispielsweise, die schon während der ersten Wurzelbehandlung kurz nach Dienstbeginn genervt auf die Uhr schauen, ist das nix.

A Canvas For Scars erklingt authentischer, mächtiger und böser als der erste Track. Ein gutes, fleischloses Black-Metal-Gerippe, das den Zuhörer zufrieden zurücklässt. Wie gesagt, Song Nummer eins war nicht schlecht, aber der hier ist besser.

Squalor nimmt die Geschwindigkeit raus, das Krächzen weicht gefauchter Wut – und das Midtempo gewährt einer rohen Melodie einzusetzen. Sehr schön.

Summoning Ritual ist eher was für Spezialisten ... Sänger Frost leiert sich die scheppest-möglichen Vocals aus dem Gaumenzäpfchen, quasi aus der Uvula von der Leiern, aber dennoch ist das nicht abgedreht genug, als dass meine bedauerliche Wenigkeit Gänsehaut bekäme, was natürlich nicht heißt, dass bei diesen filigranen Klängen 100.000 andere nicht genüsslich mit der Zunge schnalzen würden. Macht euch selbst ein Bild davon. Der absoluteste Anspieltipp seit der Erfindung der Schieflage!

Gott sei- ... Verzeihung! Dem unheiligen Leviathan sei Dank, dass Fortress nochmal mächtig was rausholt. Die Shouts gehen jetzt etwas mehr in Richtung Viking Metal, der Sound klingt auch nach nordischem Death – damit verschafft man sich Gehör im Metal-Sektor.

Fazit: FROST, PISSE & ELEND haben eine abwechslungsreiche und ambitionierte EP rausgehauen, die Interesse beim Metal-Fan wecken wird. Leider erwecken die Männer zeitweise den Eindruck, sich selbst ein wenig zu ernst zu nehmen. Mehr als löblich ist, dass sie ausdrücklich Rechtsradikalität kritisieren, aber wenn sie im nächsten Satz schon ausschließlich ihre eigene Subkultur feiern und anderen raten, sich zu verpissen, verliert ihre Aussage an Kraft: "Pissed vocals meet harsh guitars and driving drums in a rough mix of anger, frustration and anti-fascist thoughts. We cry out to raise your voice – tell Nazis to piss off! Let's stay the ground in our beloved subculture, everybody else fuck off."

Entweder macht das nicht so recht Sinn, oder ich habe es nicht richtig verstanden. Wenn ich es aber nicht richtig verstanden habe, war die Message unzulänglich formuliert. Wie dem auch sei, die "Frost"-EP ist dennoch ein hörenswertes Teil, das ausreichend Luft nach oben lässt.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (05.04.2021)

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