MOROST - Forged Entropy

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VÖ: 19.03.2021
Bandinfo: MOROST
Genre: Progressive Death Metal
Label: On Parole Productions
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Progressive Death Metal sollen die aus der slowenischen Hauptstadt Laibach laut unserer Kategorisierung spielen. Ich würde dem noch ein Black hinzufügen. Progressive Black-Death Metal gemischt mit Djent, Post-Rock-Metal Anleihen und ab und an geraden Abfahrten im schwarz-toten Metallbereich. Ein buntes Füllhorn an meuchelnden Zutaten wird hier über den Hörer ergossen und ist einerseits spannend, da diese Vielfalt an Stilen nicht oft vorkommt, andererseits aber auch, zumindest für den jurassischen Beschreiber, recht verwirrend.

Hätte ich doch erst den Promozettel gelesen, wäre mir zeitnah klar geworden, dass sich die Slowenen tatsächlich selbst als Blackened Progressive Death Metal - Outfit sehen, allein, die Zeit verging und Müßiggang versperrte mir den klaren Blick auf das, was wir in der Musikberichterstattungsindustrie als "Promowisch" bezeichnen.

MOROST gibt es seit 2010, das erste Album entsprang dem Laibacher Morast (sic!) 2014 und schon befinden wir uns in der Jetztzeit und bei Nummer Zwei, "Forged Entropy".

Aufgrund der hier in der südlichen Steiermark endemischen Faulheit und Arroganz verstehe ich kein Wort, welches im Intro gesprochen wird. Hier herrscht noch der Habsburgergeist vor, sollen sie doch Deutsch reden, wenn sie verstanden werden wollen, so der Altösterreicher. Die Wahrheit ist, dass das Slowenische einfach nicht in der Schule angeboten wurde und ich in der Blüte meiner Adoleszenz eher lokalem Weibsvolk hinterherstub als eine slawische Sprache zu lernen.

Nach dem Intro geht es schwarz los in einen fast zehnminütigen Beginn zum eigentlichen Album und schon hier sehen, respektive hören wir, dass die Jungs aus der Untersteiermark (Stajerska) durchaus wissen, wie man ihre Instrumente handelt. GOJIRA kommt mir im Death Metal-Teil des Songs in den Sinn, das Klirren der Saiten ist etwas, das die Franzosen gerne machen. Danach schöne Muster bei den Drums und Black Metal bei den Klampfen. Trotzdem schafft man es, dem Song einen gewissen Groove zu geben. Atmosphärisch geht es in der Mitte weiter bis man fast einen TOOL-Vibe in das Stück wirft. Auch hier werden nicht ganz so firme Schlagzeuger die 1 suchen auch wenn die Leadgitarre ein elegantes Solo spielt. Der Song hat Einflüsse von überall her, wird aber durch die krächzende, tiefe Stimme zusammengehalten.

"Protector Of Sanity" ist Prog Death wie er im Buche steht. Tech-Death und Djent spielen mit- oder gegeneinander, jedenfalls ist mir es ein Rätsel wie man sich solche Sachen als Musiker jemals merken kann. Plötzlich taucht ein Post-Rockteil auf und tupft dem verwirrten Musikanten die Sturzbäche an Schweiß, die von seiner Stirn herunterstürzen, ab. Bald aber powerchorded man sich wieder in härtere Gefilde um sich dann völlig einem takt-losen (Hammerwortspiel!) hinzugeben. Hier, wie auf jedem Song von "Forged Entropy" passiert in langen Liedern extrem viel. 

Die Klampfen sind recht tief gestimmt, der Bass geht dadurch ein wenig unter, insgesamt aber drückt der Sound gewaltig. Die Stimme steht etwas hinten im Raum, sie klingt, als dirigierte sie, was die Musiker zu spielen haben.

Ich werde nicht auf jeden Song eingehen, weil ich Gefahr laufe, in meine ADHS-Zeit zurückzukippen. MOROST sind wirklich gute Musiker, haben Ideen ohne Ende, bringen immer wieder zum heftigen Kopfnicken, verwundern aber auch, wenn sie wieder und wieder das Technikkästchen öffnen um Taktfolgen hervorzukramen, die zumindest für mich schwer nachzuvollziehen sind.

Das Album fordert! Es fordert sehr. Wer auf technischen blackened Death steht, oder generell auf progressive, sehr harte Musik, sollte hier gerne einen Blick drauf werfen (siehe unten), ich hab jetzt gerade etwas Kopfschmerzen...

 

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (12.04.2021)

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