SANGUISUGABOGG - Tortured Whole

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VÖ: 26.03.2021
Bandinfo: SANGUISUGABOGG
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Ein neuer Trend ist die beständige Suche nach dem heiligen Gral des Oldschool Death Metal ja längst nicht mehr, wenn man alleine die letzten vier bis fünf Jahre auswertet. Mindestens 25 bis 30 Veröffentlichungen, die sich bei mir dauerhaft nebst all den Klassikern und Geheimtipps festsetzen konnten, würden mir da spontan einfallen - und trotzdem bin ich noch nicht übersättigt, entdecke weiterhin gerne und erfreue mich speziell an all jenen Bands, die sich dem Caveman Death Metal, wie man das besonders simple Geholze und Gebolze derzeit gerne liebevoll benennt, verschrieben haben. Ein Ohio-Vierer, der sich erst im Jahre 2019 gründete und bereits bei Century Media Records unter Vertrag steht, verehrt die Steinzeit und den Homo Neanderthalensis wohl sogar so sehr, dass er seinen Bandnamen SANGUISUGABOGG mutmaßlich direkt aus den ersten Sprachversuchen ebenjener Gattung ableitete, um direkt damit aufzufallen. Schnell als Meme-Band, die mehr Merchdesigns als Songs am Start hat, verrufen, präsentierte das Quintett dieser Tage die Errungenschaften der letzten gemeinschaftlichen Kanalisationsexpedition, das Debütalbum "Tortured Whole".

Mit der stolzen Zufriedenheit eines Kindes, mit der es den sichtlich angewiderten Erzeugern irgendwelche im örtlichen Sandkasten ausgebuddelten Krabbeltiere und weitere unbekannte Lebensformen entgegenstreckt, spulen SANGUISUGABOGG darauf eine OSDM-Shitshow par excellence ab, dass man sich als Zuhörer zuweilen so fühlt, als würde man sich einen trashigen B-Horrormovie über den am uralten Röhrenfernseher angeschlossenen VHS-Recorder reinziehen. Schon klar, trotz OSDM-Hype werden viele Bands gerne immer technischer, frickeliger, avantgardistischer oder was auch immer, aber ein "Tortured Whole" hat seinen ganz eigenen Charme und ist im schlecht sein so gut, dass man die 34 Minuten Lebenszeit wieder und wieder bereitwillig daran verschwendet.

Was man davon erwarten darf? Nun, wenn Titel à la "Menstrual Envy" (das Gegenteil von Penisneid?), "Dick Filet" und "Urinary Ichor" keinen Aufschluss über die Inhalte auf diesem prähistorisch klingenden Tondokument geben, dann kann ich der werten Leserschaft auch nicht mehr helfen. Auf "Tortured Whole" wird zu basic as fuck Death Metal über Pipi-, Kaka-, Fotze- und Pimmel-Witze gelacht, dass die Grenzmauer sämtlicher Qualitätsstandarts daran zerschellt. Ein echter Segen in Zeiten des Corona-Virus, spaßigen Bangern wie "Dragged By A Truck", "Gored In The Chest" (man beachte die genialen Special Effects im verlinkten Video), "Dead As Shit" oder "Felching Filth" lauschen zu dürfen, während zwischendrin durch die beiden Interludes "Pornographic" und "Interlube" (...) tatsächlich dieses besagte Trashmovie-Feeling aufkommt. Herrlich.

Nur um das klarzustellen: Ich lache nicht über SANGUISUGABOGG, ich lache mit ihnen. So pubertär und derbe der Humor manchmal auch sein mag - diese Jungs geben sich zwar so ein bisschen als untalentierte Scherzkekse, sind aber eben Scherzkekse, die ihr Handwerk verstehen und mit "Tortured Whole" ein knackiges, unterhaltsames und geil produziertes Werk vorgelegt haben, das vor Liebe und Leidenschaft für den Death Metal der alten Schule nur so strotzt. Menschen, die sich nicht zu schade für Stumpfsinn-Legenden wie MORTICIAN sind und auch kein Problem mit amerikanischem Fäkalhumor haben, kommen an diesem starken Debüt einfach nicht vorbei. Period.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (07.04.2021)

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