UTBURD - Story Of Frozen Souls

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VÖ: 10.04.2021
Bandinfo: UTBURD
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: Satanath Records
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Lineup  |  Trackliste

Im bitterkalten Nordwesten Russlands quält sich Vitaly Goryunov alias Tuor unter dem Projektnamen UTBURD Klänge zwischen Atmospheric und Depressive Black Metal ab, die am 10. April 2021 auf einem dritten Album erscheinen. „Story Of Frozen Souls“ ist eine beschwerliche Reise durch eine hoffnungslos brutale Kälte – genauer die Reise von Ross, Shackleton und Scott durch die Antarktis.

Gewollt fragwürdige Tonqualität aus einer untergegangenen Epoche mechanischer Musikwiedergabe scheppert ins Ohr, wenn das Intro beginnt, das uns mit einem Abschied („Farewell... Farewell...“) einlädt, seiner fast einstündigen Geschichte zu lauschen, die mit dem „Ice Cerberus“ beginnt. Diese Version des dreiköpfigen Höllenhundes macht extra Kälteschaden und ist erst zu empfehlen, wenn der Hör-Abenteurer seine Skills im Black-Metal-Genuss bereits erheblich aufgelevelt hat. Denn auf diesem Album wird nicht einfach die klassische Götter-Menschen-Selbsthass-Krachwalze gefahren, sondern gleich zum Auftakt klargemacht, dass hier selbst für das Genre eine mühevolle Erfahrung wartet. So trägt „Story Of Frozen Souls“ zu Recht gleich zwei der verschärfenden Zusatzattribute, die der Black Metal zu bieten hat: Atmospheric und Depressive. Letzteres beklemmt und Ersteres kann das Gefühl nicht etwa lösen, sondern spielt ihm mit quälenden Dissonanzen noch in die Karten.

Der Schneesturm verliert seine Romantik, noch ehe die Finger schwarz geworden.

In „Eye Of The Storm“ werden die Bedrohlichkeit des trügerischen Friedens im Inneren und der Krach des tosenden Sturms um einen herum zu einem klassischeren Black-Metal-Ungetüm verstrickt, auf das eine ruhigere Einleitung an unbekanntem Ufer folgt: „The Unknown Shore“ ist gitarrenlastig und kann durch starke Atmosphäre und die Übereinanderlegung eines deathigeren und eines black-typischen Gesangsstils überzeugen.

„Mannigfaltig ist das Elend der Erde, grenzenlos aber ist ihre Erbärmlichkeit.“ (E. A. Poe)

„The Tentacles Of Winter“ lassen dann wieder deutlicher daran erinnern, dass zumindest der Black Metal von UTBURD nicht zum Spaß gehört werden sollte. Die Kälte greift nach deiner Seele und kratzt mit einem splitternden Eiszapfen über dein Trommelfell. Hässlich Willkommen in „The Land Of Fierce Frosts“, das durch die pathetisch gesprochenen Worte, seine leiernde Melodie und das Drum-Stampfen ein fast karikaturenhaft überzeichnetes Bild eines harten Eismarsches zeichnet.

Wenn Eiskristalle die Blutkörperchen sprengen, singt die Kälte deinem Leben „Let It Go“.

„Eternal Cold“ macht mit in langsame Gitarrenklänge und entrückten Klargesang gerahmten Black-Metal-Krach sehr gelungen klar, dass die Wärme nicht zurückkehrt, worauf wir Geschichten von gewaltigen Winden zu hören bekommen. „Stories Of World Winds“ kommt mit der Macht einer typischen Schwarzmetall-Wand auf dich zu, sticht aber mit erwartungstäuschenden Spielart- und Tonwechseln scheinbar wahllos, aber recht subtil auf dein Gefühl der Ordnung ein. Ausgeleitet wird das Album dann noch vom zumindest in Relation ruhigeren „Impenetrable Sadness“.

Fazit: Ich hätte dem Albumtitel „Story Of Frozen Souls“ auch im ersten Wort einen Plural spendiert, denn so deutlich die Platte auch ein Konzeptalbum zum Thema Kälte darstellt, bildet sie durch die unterschiedliche Tonalität der einzelnen Titel sowie die Trackein- und -ausleitungen doch keine für den Atmospheric Black Metal übliche songübergreifende Stimmung, sondern das Gefühl, eine Sammlung von Kurzgeschichten aus einer einsamen, bedrohlichen Eiswelt zu erhalten. Dies gelingt UTBURD allerdings quasi durch das ganze Album sehr gut, sofern das Ohr wertschätzen kann, mitunter auch mal provoziert und nicht nur gewaltig bedröhnt zu werden.

„Fun“-Fakt zu UTBURD: Utburd ist das norwegische Wort für einen untoten Wiedergänger eines ungewollten, ungetauften Säuglings, der von seiner eigenen Mutter ermordet und versteckt wurde.


Um Missverständnissen in der Notenvergabe vorzugreifen, sei hier erwähnt, dass es sich bei einer 3,0 um eine gute, bei einer 3,5 und eine sehr gute und bei 4,0 um eine außergewöhnlich starke Platte in der Meinung dieses Review-Autoren handelt.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Jazz Styx (06.04.2021)

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