MOTORJESUS - Hellbreaker

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VÖ: 09.04.2021
Bandinfo: MOTORJESUS
Genre: Heavy Rock
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Alter Verwalter! Nach dem Label-Wechsel von Drakkar zu AFM Records und einer Lineup-Frischzellenkur durch die Neuzugänge Patrick Wassenberg (git), Dominik Kwasny (b) und Adam Borosch (dr) lassen MOTORJESUS es auf ihrem mittlerweile siebten Longplayer aber so was von oberamtlich krachen! Aufgrund der riesigen Misere rund um Corona, die mittlerweile seit über einem Jahr die gesamte Musik(er)welt inklusive MOTORJESUS massiv ins Wanken bringt, hat man das Gefühl, dass das Quintett aus Mönchengladbach das neue Album zum Anlass genommen hat, um dem Virus herzlichst den Mittelfinger zu zeigen und den Slogan "Jetzt erst recht!!!" in jede einzelne Sekunde von "Hellbreaker" zu pressen!

Musikalisch macht man da weiter, wo man 2018 mit "Race To Resurrection" aufgehört hat. Die Hörerschaft dürfte sich bereits beim Opener direkt zu Hause fühlen. Denn dort, wo MOTORJESUS darauf steht, ist auch MOTORJESUS drin. Soll heißen, die Jungs setzen den Weg weg vom stonerlastigen Rock der frühen Tage, hin zu einem auf alle Genrekonventionen pfeifenden, testosterongeschwängerten High Energy Rock'n'Roll fort, der mal mit dem Metal kokettiert und mal eine leidenschaftliche Affäre mit dem Punk eingeht.

Der Eröffnungstrack "Drive Trough Fire" enthält ein knapp eineinhalbminütiges Intro, das vom atmosphärischen Beginn bis zu den immer stärker anschwellenden Gitarren dazu dient, den Bandmotor des Pontiac V8 ordentlich auf Touren zu bringen. Und wenn MOTORJESUS bei Minute 1:19 dann ihre Betriebstemperatur erreicht haben, gibt es unvermittelt die erste Lachgaseinspritzung, und der Opener brettert geradezu explosiv aus den Boxen! Das ist pure Energie! Dazu die grandiose Stimme von Fronter Chris, der sich gesanglich im Vergleich zum Vorgänger-Album noch einmal gesteigert hat. Die Vocals sind absolut auf den Punkt, von zart bis hart, jeder Ton, jede Phrasierung sitzt! Mit dieser Leistung etabliert Herr Birx sich ohne Frage als einem der besten Rocksänger Deutschlands! Chapeau!

"Battlezone" startet mit einem speedigen MOTÖRHEAD-Gedächtnis-Riff und natürlich entwickelt sich die Nummer zu einer herrlich rotzigen, muskel(car)bepackten Rockhymne, die zum Headbangen geradezu einlädt und somit für einige Nackenschmerzen sorgen dürfte. Es folgt der Titelsong. Vier Sekunden lang hat man das Gefühl, die RAMONES wären wie durch ein Wunder doch noch mal am Start, dann verwandelt sich "Hellbreaker" in eine ureigene, vorstürmende MOTORJESUS-Granate mit unüberhörbarer Punk-Attitüde, ein Gute-Laune-Track per Excellence, der dem Auditorium ein breites Grinsen in die Backen zaubern dürfte.

Mit der Groove-Dampfwalze "Beyond The Grave" verlassen MOTORJESUS ihre Komfortzone und knallen der Hörerschaft einen Modern Metal Knaller der Marke FIVE FINGER DEATH PUNCH vor die Kauleiste, der den musikalischen Horizont des High Octane Fünfers auf ein ganz neues Level hebt! Und Chris klingt bei seinen Vocals tatsächlich (im positiven Sinne) wie eine Mischung aus Ivan Moody und James Hetfield. In die gleiche Kerbe schlägt auch "Firebreather".

Es folgen die (neben "Hellbreaker") Vorab-Singles "Death Rising" (Hammersong!!!) und "Car Wars", zwei exzellente Stücke im aktuell typischen MOTORJESUS Sound: energiegeladener Rock'n'Roll mit großen Melodien, hoher Eingängigkeit, eingebetteten Metal und Punk Elementen, und eben diesem treibenden, groovenden Rhythmus, bei dem man einfach mit muss!

"Lawgiver" ist klassischer Heavy Metal, und wenn schon ein "Law" im Namen vorkommt, dann ist natürlich im besten und dankenswerterweise auch im vorliegenden Fall jede Menge JUDAS PRIEST im Song enthalten. Mit "Black Hole Overload" geht es dann doch noch mal Back To The Stoner Roots. Das Stück donnert mit maximalem 70s Flair in die Ohren und tanzt dann viereinhalb Minuten einen mitreißenden Swing in den Gehörgängen.

Der letzte Track mit Gesang, "Back To Bullet", ist das "Iron Fist" der Scheibe, soviel Lemmy-Spirit in einem Nicht-MOTÖRHEAD-Song habe ich schon lange nicht mehr gehört. Dazu kommen immer wieder Breaks und Abschnitte mit schweren schleppenden Metal Riffs sowie ein arschgeiles Solo.

Den Albumcloser bildet das knapp zweiminütige Akustik-Instrumental "The Outrun", das ein wenig an die ruhigen Momente des grandiosen "Gypsy Scroll" der KYLE GLASS BAND erinnert (riesengroßes Kompliment!). "The Outrun" ist ein wundervoller, entspannter Ausklang für ein energetisches, kraftstrotzendes Album. Vor meinem geistigen Auge sehe ich, dass die rasante Fahrt im Pontiac V8 ihr Ziel gefunden hat. Der Wagen parkt am Straßenrand und die Insassen sitzen im Gras an einem sanften Abhang hinter Böschung. Blicke schweifen in die weite Landschaft, die in das faszinierende Licht des Sonnenuntergangs getaucht ist. Und über allem liegt eine friedlich-stille Idylle. Der perfekte Moment für die Einblendung: THE END.

Fazit:

Mit "Hellbreaker" legen die fünf Motorenjesusse ihr bislang bestes Album vor und präsentieren uns gleichzeitig ein wirkliches musikalisches Highlight für das Jahr 2021. Der aktuelle Longplayer ist Adrenalin pur. MOTORJESUS hauen einen Kracher nach dem anderen raus und schütteln dabei großartige Melodien und mitreißende, mal groovende, mal treibende Rhythmen nur so aus dem Ärmel. Die Scheibe ist von vorn bis hinten aus einem Guss - angefangen beim exzellenten Gesang über die großartige Leistung der Instrumentalfraktion bis hin zur perfekt auf die Band und ihre Musik zugeschnittene Produktion von Altmeister Dan Swanö. Für mich ist "Hellbreaker" heute schon ein sicherer Kandidat für meine Album Top 10 des Jahres!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (09.04.2021)

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