KAUAN - Ice Fleet

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VÖ: 09.04.2021
Bandinfo: Kauan
Genre: Post-Rock
Label: Artoffact Records
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Lineup  |  Trackliste

Die endlosen Weiten des Meeres sind schon immer ein großes Geheimnis für die Menschheit. Eines dieser Geheimnisse entdeckten Forscher im Jahre 1930 rund um die Küste des Nordens der damaligen UdSSR in der Nähe der Siedlung Tiksi. Dort fanden sie mitten im eisigen Wasser eine verschollene Schiffsflotte. Vermutlich Adlige, die auf dem Weg in die USA waren.

Doch die Leichen waren gut erhalten und es gab keine klaren Anzeichen, warum die Schiffe untergegangen sind. Nur ein Logbuch und wenige Fotos sollten zur Aufklärung helfen, doch für ihr Wissen wurden die Forscher ins Gefängnis gesteckt. Was steckt hinter dem mysteriösen Fund?

Das neunte Album von KAUAN "Ice Fleet" beschäftigt sich mit eben dieser Thematik und entführt den Hörer in eisige Welten. Zum Album gibt es eine Geschichte, die unbedingt beim Hören gelesen werden sollte, um ganz in der einzigartigen Atmosphäre zu versinken. Die Musik und die Worte verschmelzen im Kopf automatisch zu einem Film.

Ein ähnliches Konzeptalbum hat die Band aus Russland mit ihren finnischen Texten bereits 2015 mit "Sorni Nai" abgeliefert. Die damalige Platte setzte sich mit dem Unglück am Djatlow-Pass auseinander. Ebenfalls eine gruselige, mysteriöse Geschichte, bei der mehrere Menschen scheinbar grundlos starben. Schon "Sorni Nai" war ein großer Erfolg und das erste Album, das ich von KAUAN hörte. Auch das jetzige neunte Album ist wieder ein Konzeptalbum und entfaltet sein gesamtes Potenzial somit nur, wenn man die 40 Minuten komplett hört.

Das Album an sich ist eher ruhig und sehr eingängig. Trotzdem hat jeder Titel einige atmosphärische Akzente wie knarrendes Holz, Wellengeräusche und anderen Elementen, die die Szenerie verstärken. Dabei geht jeder Track ineinander über, oft durch Klavier- oder Gitarrensoli. Fakt ist wohl, dass die Titel einzeln nicht ganz so überzeugen wie im Gesamtkonstrukt. Der Song "Raivo" scheint dabei der Höhepunkt der Platte zu sein. Hier gibt es noch mehr Abwechslung als in den anderen Tracks und viel härtere Parts.

Gesang gibt es diesmal auch wieder zu hören, oft reißt Sänger Anton Belov die melancholische Grundstimmung durch Growls auseinander. Aber es gibt auch Parts mit klaren Männer- und Frauenstimmen, welche perfekt mit den träumerischen Melodien harmonieren. Ab und an gibt es im Kontrast dazu doomige Parts mit verzerrten Gitarren - das gab es so auf dem letzten Album von KAUAN nicht. Die Band orientiert sich mit "Ice Fleet" ganz klar wieder an ihren Wurzeln.

 

Fazit:

KAUAN habe ich damals auf YouTube entdeckt und ich war sofort verliebt. Sicherlich gibt es spannendere Musik und nicht jedes Album hat denselben Charme. Doch KAUAN weiß einfach ganz genau, wie sie ihre Zuhörer in eine andere Welt entführen können. Mit "Ice Fleet" knüpfen sie an "Sorni Nai" an und überzeugen wieder auf ganzer Länge.

Mein Interesse für die Story war sofort geweckt und noch während ich der Musik lauschte und den Text zu der mysteriösen Geschichte las, entstanden Bilder von düstere Meereswelten, gefrorenen Schiffsmasten und blassen Leichen in meinem Kopf. Das schafft sicher nicht jede Band. Es war, als wäre ich selbst bei der Entdeckung dabei gewesen und hätte all die Emotionen von Ungewissheit über Erstaunen bis hin zum Schock miterlebt.

Eine klare Empfehlung für eine Reise ins Ungewisse und ein musikalisches Erlebnis, das seinesgleichen sucht.

 

"Raivo":

 

"Maanpako":



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sophia Brandt (12.04.2021)

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