THE VERY END - Zeitgeist

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VÖ: 30.04.2021
Bandinfo: THE VERY END
Genre: Extreme Metal
Label: Apostasy Records
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Lineup  |  Trackliste

Mit THE VERY END haben wir wieder eine Band, die zu Beginn ihres Seins, das heißt, vier Jahre nach ihrer Gründung in kurzen Abständen drei Platten in den Äther geknallt haben. Doch dann? Ladehemmung? Nachschubprobleme? Schwarzpulver nass geworden? Zombieapokalypse würde auf THE VERY END wohl eher zutreffen.
Tata, nach geschlagenen neun Jahren wird der nächste Longplayer in Stellung gebracht, dem der Titel „Zeitgeist“ zugeeignet wurde, genau mein Humor.

Erst mal, finde ich es angebracht, einer Metal-Platte epischen Ausmaßes Intro und Outro zu gewähren, die diesen Namen verdient haben. Im Anfang Klavier, Strom-Gitarren setzten ein. Ja, so werden wir warm mit melodischem Death Metal.

SLAYER verstand sich meines Wissens immer als Thrash-Metal-Truppe und innerhalb dieses Spektrums, lehnte sich die Band immer sehr weit in Richtung eines Spektrums melodischem Keine-Ahnung-welche-Klassifizierung-Metal hinaus. Das Intro zu „South Of Heaven“, mit seinen versetzten Gitarren, ist ein wunderbares Beispiel, wie episch es in dem eher eng abgesteckten Bereich des Thrashs abgehen kann. Ich finde, dass ein Label einer Band nicht die Top-of-the-Pop-Zeitspanne von 3 Minuten 30 Sekunden aufbrummen sollte, ein echtes Metal-Lied epischen Ausmaßen muss Anlauf nehmen, baut sich langsam auf, um nach dem Höhepunkt wieder sanft dahinzuschwinden, ähnlich einer griechischen Tragödie. Bei THE VERY END habe ich manchmal den Eindruck, hier wurde gekürzt.

„On Parole“: Kompositorisch finde ich die Idee interessant, wenn sie wie hier zwei Gitarren eine unverzerrte beginnend, mit einer verzerrten sozusagen um die Vorherrschaft matcht, weil in der Lied-Entwicklung es tatsächlich scheint, als würden die beiden sich bekämpfen wollen.

„Zeitgeist“: Es hat eine Weile gedauert, bis ich merkte, dass hier in deutscher Sprache aufgewartet wird. Ordentlich gebolzt, ist die halbe Miete könnte man meinen, leider nicht das stärkste Lied dieser Platte.

„Truth And Tremor“: Hier gilt Ähnliches, wie für den Vorgänger, ich bin aber sehr, sehr vorsichtig, wenn Männer im Chor singen, nicht aus Kärnten kommen oder QUEEN auf der Scheibe steht. Die Brechung durch die Bridge samt Solo hat das Lied gerettet.

„Brave New Blood“: Hier finde ich die Brechung thrashmetalaffiner Gefilde ebenfalls als Erhöhung der Spannung, bin mir aber bewusst, dass reinblütige Metallurgen, die Vermengung verschiedenster Ingredienzien als gar nicht erstrebenswert erachten.

„Until There`s Nothing Left Of Us“: Dieses Lied hat meiner Meinung das größte Potential, denn es entfaltet Ohrwurmcharakter, schöne Melodien und einen Schmerzensgral.
Es beginnt, wenn ich richtig gehört habe mit Oktaven. Bei „May This Be Love“ setzte etwa Hendrix diese Technik wunderbar ein. Für meinen Geschmack ist das Intro zu kurz. Hätte man  langsam einen Bass, gefolgt von Schlagzeug und einem kleinen Solo einfließen lassen können. Es folgen Strophe und Refrain sehr melodiös, geht in Ordnung.
Ab etwa Minute 2:20 folgt eine Bridge, die der Bass einläutet, langsam pirscht sich das Schlagzeug heran. Gemeinsam mit mehreren High-Hats und einer Gitarre plus elaborierter Lautstärkenregulierung (etwa bei Estranged von GUNS `N` ROSES nachzuhören) hätte hier mehr Atmosphäre reingebracht werden können.  Nächste Strophe. Okay, das Solo, ich mag die Melodie. Geht in Ordnung. Es sind Terzen, nicht? Klingt jedenfalls echt fett.
Das Outro. Gebetsmühlenartig: Now there is crying and demise, hearts pumping ice, until there`s nothing left of us. Diese invertierte Klimax ist im wahrsten Sinne des Wortes cool. Am Ende bleibt nichts mehr von dem Lied bzw. der Platte übrig, außer Stille. 
„Until There`s Nothing Left Of Us“ auf neun Minuten ausgedehnt, alle Ideen ausgeschöpft, das wäre der Knaller gewesen, so ist es nur okay.
Ehrenrettung für ein ohnehin gutes Lied ist hier das Video. Der Sänger Björn Gooßes leidet hier sichtlich verletzt, händeringend, sein Blick gebrochen, am Ende übernimmt ein altes Transistor-Radio. Bam.

Es sollte angefügt werden, dass der Rezensent ein ausgewiesener Liebhaber vertrackten Prog-Rhythmik-Melodie-Führungsstils ist, wofür THE VERY END nicht die Rute ins Fenster gestellt werden darf. Das übernehmen sie ohnehin selbst.

Insgesamt sind die zwölf Titel zu viel des Guten. Hätte es spannender gefunden, wenn es deren neun geworden wären und diese elaborierter dahergebolzt gekommen wären, um vorangegangener Ausführungen bezüglich Intros, Outros und Bridges richtig wuchtig in die Gehörgänge eingehämmert zu wissen und das bis zum bitteren Ende.
 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (23.04.2021)

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