SWEET OBLIVION FEAT. GEOFF TATE - Relentless

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VÖ: 09.04.2021
Bandinfo: SWEET OBLIVION FEAT. GEOFF TATE
Genre: Hard Rock
Label: Frontiers Records
Lineup  |  Trackliste

Der Chef des Plattenlabels Frontiers Records hatte vor rund drei Jahren die Idee, Fans der früheren QUEENSRYCHE (also die Alben „The Warning“, „Rage For Order“, „Operation Mindcrime“ und „Empire“) endlich den langersehnten Nachschub zu liefern. Denn an die Qualität der ersten vier Alben erreichte weder die Band noch die Soloband des 2012 ausgestiegenen Sängers Geoff Tate oder sein Bandprojekt OPERATION: MINDCRIME. Von singulären Ausrufezeichen mal abgesehen. Das änderte sich auch nur minimal mit dem von Frontiers ins Leben gerufenen Projekt SWEET OBLIVION FEAT. GEOFF TATE. Zwar wurde das Debütalbum 2018 von Kritikern im Allgemeinen recht gut bewertet, an die früheren Glanztaten reichten die von italienischen Prog-Metal-Musikern geschriebenen und eingespielten Songs aber nicht ganz heran. Dennoch dürfte sich die Zielgruppe nicht beschwert haben, zumindest gab es schließlich neues Futter im Stile der ersten vier Alben, das durchaus gute Momente hat.

Ähnlich verhält es sich mit dem Zweitling „Relentless", bei dem Mister Tate im Gegensatz zum Debüt auch am Songwriting mitgewirkt haben soll. Der in Italien offenbar recht bekannte Prog-Metal-Veteran Simone Mularoni wurde durch Aldo Lonobile ersetzt, der federführend den Zweitling vorantrieb. Aldo ist aktuell noch tätig als Gitarrist bei DEATH SS und EDGE OF FOREVER. Zudem war er bei SECRET SPHERE, TIMO TOLKKI'S AVALON und ARCHON ANGEL aktiv. Ein Vollprofi also. Und genauso klingt „Relentless“ auch. Aldo hat offenbar gut hingehört und die Vorbilder, also die vier Frühwerke von QUEENSRYCHE, seziert und die Zutaten herausgefiltert. Der Sound kann an die Meilenstein-Produktion von „Operation Mindcrime“ und „Empire“ nicht ganz heranreichen, dennoch ist das aktuelle Album klar im gleichen Klangbild. Das gilt für die Drums ebenso wie für den Gitarrensound oder den mit Hall versehenen Gesang.

Fragt sich, ob die zehn Songs wie farblose Kopien langweilen oder vielleicht doch an die Großtaten des Progressive Metals anknüpfen können und die dafür notwendigen neuen Ideen im alten Gewand besitzen. „Once Again One Sin“ lässt mit seinem atmosphärischen Intro keinen Zweifel aufkommen, was hier die Referenzwerke sind. Auch Tates Gesang hämmert einem die Worte „Empire“ sogleich an die Rübe. Insbesondere durch das Keyboard und die im Refrain QUEENSRYCHE-typisch eingeblendeten gesprochenen Worte verströmt der Song viel epische Stimmung. Die Melody-Line zündet allerdings nicht vollends. Das ist beim vorab veröffentlichten „Strong Pressure“ anders: Ein klarer Hit, der auch auf den alten Alben hätte stehen können. Allein die Streicher-Samples hätte es nicht gebraucht. Ohne wäre der Song wohl auch noch etwas kerniger. Dennoch großartige Melodie, die Tate auf den Leib geschneidert erscheint.

„Let It Be“ und „Another Change“ erinnern wieder sehr an „Empire“-Zeiten und können weitere Pluspunkte sammeln. Tate singt so gut wie lange nicht mehr, was sicher auch an den Gesangsmelodien liegt. „Wake Up Call“ kommt dann mit schöner Gothic-Schlagseite daher. SISTERS OF MERCY und ähnlich geartete Bands standen hier wohl beim Gesang Pate. Nicht schlecht das Teil. Auch „Remember Me“ kann was und hat Potenzial sich im Hirn zu verfangen. „Anybody Out There“ kommt dann doch etwas zu arg bekannt rüber, das dürfte aber eine Frage des jeweiligen Geschmacks sein.

Das überraschenderweise komplett in Italienisch gesungene „Aria“ ist leider ein Reinfall, genauso wie die ziemlich öde Ballade „I´ll Be The One“. Das finale „Fly Angel Fly“ ist nochmal ein 1A-QUEENSRYCHE-Lookalike. Oder Soundalike? Egal. Auf jeden Fall ein ordentlicher Ausklang der Scheibe, die letztlich ein etwas ambivalentes Bild hinterlässt: Auf der einen Seite gibt es auf „Relentless“ einiges, was das anvisierte Ziel „nochmal so wie die ersten vier Alben von QUEENSRYCHE“ erreicht. So müssen sich beispielsweise „Wake Up Call“, „Another Change“ und vor allem der Hit „Strong Pressure“ nicht vor den früheren Perlen verstecken. Andererseits hat der Rest nur gelegentlich richtig gute Momente und so ist auch diese Scheibe eine, die trotzt singulärer Ausrufezeichen nicht gänzlich an die Referenzwerke herankommt. Fans werden sich aber freuen und eine satte Portion Lohnendes für sich herausziehen können.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Tobias (13.04.2021)

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