CRYPTS OF DESPAIR - All Light Swallowed

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VÖ: 23.04.2021
Bandinfo: CRYPTS OF DESPAIR
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das litauische Todesquartett CRYPTS OF DESPAIR zählt zu den klassischen Spätzünderkapellen. 2009 gegründet, dauerte es zunächst ganze acht Jahre, bis mit dem Debütalbum "The Stench Of The Earth" das erste auf Tonträger gebannte Lebenszeichen der Band in den Äther entlassen wurde. Dass das bis dato alleinstehende Werk in der weltweiten Schwermetall-Enzyklopädie bereits zwei Kritiken zu verbuchen hat und dabei einen sensationellen Score von 91% erreicht, spricht gewissermaßen für einen Geheimtipp. Auch das Erscheinen des Debüts bei dem in aller Regel potent signenden deutschen Label Testimony Records stützt diese These.

Und nun, vier Jahre später, präsentiert die indische Underground-Wundertüte Transcending Obscurity Records das Zweitwerk "All Light Swallowed" unter seiner Flagge. Woraufhin wir uns nun der Frage widmen, ob die eingehende Detektivarbeit und Indiziensuche zu einer sachlich und fachlich korrekten Vorverurteilung der Kombo geführt haben und es sich ferner lohnt, den knüppelnden Vierer in den Fokus unserer geschätzten Leserschaft zu rücken. Um es kurz zu machen: ja, das hat es! Denn CRYPTS OF DESPAIR vereinen viele löbliche Eigenschaften unter einem Dach und können subsummiert (fast) alles - alles, außer 08/15-Geprügel von der Stange. Zunächst einmal begeistert ihr Zweitwerk mit ein Klanggerüst, um das sie so mancher Headlinerslot-Dauerpächter beneiden würde - glasklar wie ein winterlicher Bergfluss, hart wie kubisch modifizierter Kohlenstoff, vorbildlich ausbalanciert und allenfalls minimal überzüchtet. So macht aural verprügelt werden (um nicht zu sagen: "Being - Erased") Spaß.

Musikalisch marodieren die Litauer in einem sichtlich angeschwärzten Todesblei-Segment, in dem sich auch Konsorten wie AZARATH oder SEPULCHRAL CURSE wohlfühlen. Auf die Ohren gibt es spannend komponierte Tracks, bei denen besonders die hochtourigen Doublebass-Ausbrüche wie der berühmte Ninja-Großmeister aus dem Hinterhalt anklopfen und den Hörer aus seiner elegischen Tiefenentspannung heraus direkt in die Umlaufbahn katapultieren ("Being - Erased"). Dazu gesellen sich reichlich tiefgraue Vibes in Form von fliegenden Leads und dissonante Landschaften, die dem Ganzen seinen originär apokalyptischen Touch verleihen. So wird das kontrastreiche Gesangsduett von D.A. und S.J. - dem verbalen Schlagabtausch zwischen heiserer Hyäne und Berggorilla zu mindestens 72% ebenbürtig - stets gekonnt flankiert und standesgemäß untermalt.

CRYPTS OF DESPAIR klingen nicht wie eine x-beliebige Krawallkombo - sie haben ein funktionierendes Konzept, kompositorische Potenz und ein gutes Händchen für den passenden Sound. Wer es also gerne schwungvoll in die Kauleiste bekommt und dabei was anderes hören möchte als die vierhundertachtundsiebzigste ENTOMBED-Lobpreisung (seit Neujahr), der sollte hier unbedingt einen Hörer riskieren und "All Light Swallowed" eine Chance geben.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (19.04.2021)

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