ALLES MIT STIL - Yüeah

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VÖ: 23.04.2021
Bandinfo: ALLES MIT STIL
Genre: Crossover
Label: Drakkar Entertainment
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Lineup  |  Trackliste

DOG EAT DOG, SUCH A SURGE, H-BLOCKX - wem es bei diesen Bands kalt über den Rücken läuft, möge bitte weiter gehen, es gibt hier nichts zu sehen. Wenn sich aber ein seltsam wohliges, nostalgische Gefühl einstellt, dann immer rein in die gute Stube, es gibt was auf die Ohren. Die eingangs genannten Bands haben (neben vielen anderen Genre-Vertretern auch) vor vielen Wintern versucht, verschiedene Musikrichtungen zu vermischen und daraus Neues zu erschaffen. Ein Schäuferl Rap, eine Hand voll Metal, abgeschmeckt mit gescratchten Turntables und noch anderen Zutaten, die gerade zur Hand waren. "Crossover" wurde das damals gemeinhin genannt - als der Bart des Autors noch nicht weiß und das Haar noch nicht so schütter war. Die gute alte Zeit eben. 

ALLES MIT STIL haben es sich zur Aufgabe gemacht, diesem Stilmix neues Leben einzuhauchen und "Yüeah" markiert bereits den dritten Longplayer der Jungs aus Wien. "Yüeah", übrigens ein Kunstwort aus dem metallischen "Yeah" und dem im Deutschrap beheimateten "Yüah" bietet 45 Minuten Zeitreise zum Crossover ohne großes Konzept, ohne roten Faden, der sich durchzieht, einfach dreizehn Tracks die für sich genommen funktionieren. 

Der Opener "Leben" holt einen gleich ab und man wird umgehend in einen Circle-Pit katapultiert, in dem man in biergeschwängerter Luft mit anderen Verrückten um sein Leben kämpft. Die Nummer marschiert gnadenlos nach vorn und ist prädestiniert dafür, die Crowd zum Kochen zu bringen. Die Trademarks sind alle vorhanden. Fette Riffs, cooler Groove, eine Prise Double-Bass-Gewitter und ein wenig gescratched wird auch. Passt. "Das Manifest" nimmt das Tempo ein wenig raus und der Sprechgesang rückt in der Strophe in den Vordergrund. Dem Deutschrap wohnt ja eine Tendenz zum Fremdschämen inne, zumindest jenem, der besonders hart um die Ecke kommt. Dieses Feeling kommt bei ALLES MIT STIL und dem Gesang von Obsitrice nicht auf. Die Vocals wirken nicht aufgesetzt und fügen sich wunderbar in den Gesamtsound ein. Textlich arbeitet man sich an den unterschiedlichsten Themen ab und der Tiefgang der Lyrics variiert entsprechend der Zielgruppe des Songs. So wird im "Schüttelsong" eine Form des Stressabbaus besungen bei "Alerta" hingegen werden Gefahren des aufkeimenden Nationalismus beleuchtet. "Lichter des Tages" handelt von Depressionsbewältigung mit einer Hook, die lange in den Gehörgängen bleibt. "Biographie" als weiteres Beispiel ist die vertonte Bandhistory. Man sieht also, es wird versucht, viel Abwechslung zu bieten. Je nach Stimmung kann man sich aus dem Album das gerade passende Lied rauspicken. Das Grundthema "Crossover" findet sich über das gesamte Album, aber eben in unterschiedlichen Ausprägungen.

Fazit: ALLES MIT STIL schaffen es sehr gut, eine Lanze für ein in den Hintergrund geratenes Genre zu brechen, ohne sich selbst dabei immer allzu ernst zu nehmen. Die Mischung, die die Jungs hier erschaffen, geht sehr gut ins Ohr und man ertappt sich nicht nur einmal dabei, mit einem Grinser im Gesicht mitzuwippen. Eingebettet in eine sehr gute Produktion, die den fetten Sound gut rüberbringt, sollten alle, die einen "Softspot" für die Kombination aus Rap und Metal haben, unbedingt mindestens ein Ohr riskieren. Yüeah. 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Hans Unteregger (26.04.2021)

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