AUTUMN BRIDE - Undying

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VÖ: 30.04.2021
Bandinfo: AUTUMN BRIDE
Genre: Symphonic Metal
Label: Stamping Ground Records / Warner Music
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Lineup  |  Trackliste

Auch wenn AUTUMN BRIDE bereits 2016 gegründet wurden, so ist die Band doch, zumindest veröffentlichungstechnisch, relativ neu am Markt. 2019 und 2020 veröffentlichten die Österreicher zwei Singles, und nun liegt mit "Undying" das Debütalbum vor.

Die Herbstbräute selbst nennen als die größten Einflüsse für ihre Musik PARADISE LOST, NIGHTWISH, BLACK SABBATH, EVANESCENCE, TYPE O NEGATIVE oder THE GATHERING. Herauszuhören sind von diesen Vorbildern nicht alle. Aber es gibt durchaus Parallelen zu THE GATHERING. Und auch NIGHTWISH schimmern in der Tat aus allen Ecken hervor. Dazu gesellen sich nicht genannte Ähnlichkeiten zu den Genrekollegen DELAIN und EDENBRIDGE. Allerdings fehlt (im positiven Sinne) dem Sound von AUTUMN BRIDE ein Großteil des Bombasts und (zum Teil überbordenden) Pompes der eben genannten Sympho-Metaller.

Trotz der (ja auch von der Band selbst lancierten) Vergleiche versuchen AUTUMN BRIDE aber schon, ihr eigenes Ding durchzuziehen, um nicht als weitere bloße Kopie bestehender Platzhirsche abgestempelt zu werden. Und das gelingt ihnen auf ihrem Erstwerk über weite Strecken durchaus.

Das liegt unter anderem daran, dass man, wie gerade erwähnt, nicht so extrem bombastisch zu Werke geht, wie die oben genannten Mitbewerber. Vielmehr stehen bei den Wienern tatsächlich melancholische Klänge der Marke Old School Gothic Metal auf dem Programm, die zumeist gekonnt mit eingängigen Melodien und Ohrwurm-Refrains à la NIGHTWISH gemixt werden. 

Außerdem hat man mit Sängerin Suzy einen richtigen Trumpf im Ärmel und damit auch ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich AUTUMN BRIDE von der Konkurrenz unterscheiden. Zumindest solange die Frontfrau ihre Vocals mit dem leicht rauen, kraftvollen Klang zum Besten gibt, der typisch für sie ist. 

"Undying" ist komplett im (variablen) Midtempo-Bereich gehalten, wenn man von der Ballade "Monsters" einmal absieht. Hier dürfte in Zukunft gern noch etwas mehr Abwechslung bei der Geschwindigkeitswahl der einzelnen Stücke an den Tag gelegt werden, denn über die Dreiviertelstunde Laufzeit wirkt das gleichbleibende Tempo auf Dauer dann doch etwas gleichförmig.

Das Album startet mit "The Path" und zeigt direkt, welchen Kurs die folgenden neun Tracks nehmen. Eine ins Ohr gehende Hookline, in zarte Traurigkeit getauchte Melodien, kraftvoller Gesang und ein catchy Singalong-Chorus zeichnen den Opener aus. Auch "Shadows", "Guardian Angels" (Album-Highlight!) und der Albumcloser "Forelsket" schlagen in diese Kerbe.

"Fear & Devotion", "Ravenqueen" und der Titelsong kommen dagegen in den Strophen etwas komplexer und zuweilen auch aggressiver und sperriger daher. Hier braucht es schon einige Anläufe, ehe die Stücke zünden. Das tun sie aber nach einigen Durchgängen dann auch zumeist.

Wie schon eingangs geschrieben, am stärksten und eigenständigsten klingen AUTUMN BRIDE, wenn Suzy ihre raue kraftvolle Stimmfarbe auspackt. Aber es geht (leider) auch anders. "Moonlit Waters" und "All Of The Lights" enthalten mehrere Stellen, in denen Suzy sich erschreckend nach Tarja Turunen anhört, und in genau diesen Momenten büßen AUTUMN BRIDE schlagartig ihre komplette Eigenständigkeit ein, während im Kopf der Hörerschaft alle roten Lämpchen schrillen NIGHTWISH-Alarm geben. Das ist sehr schade, weil die Band das absolut nicht nötig hat. So ist "Moonlit Waters" eigentlich eine der besten Nummern des Debüts, aber die unnötige Operngeträller-Einlage hinterlässt einen faden Beigeschmack.

 

Fazit:

AUTUMN BRIDE machen auf ihrem Debüt vieles richtig. Das Auditorium erwarten viele melancholische, eingängige Melodien und Refrains. Die Instrumentalfraktion bietet keinen Grund zur Klage, und auch die Produktion und der Sound sind astrein. Mit Suzy hat das Wiener Quartett zudem eine richtig gute Sängerin am Start. Für die Zukunft sollten sie sich allerdings ausschließlich auf ihre eigenen Stärken konzentrieren, denn die taffe Frontröhre hat es absolut nicht nötig, wie jemand anders zu klingen. Dazu sollten die Stellschrauben in Bezug auf Abwechslungsreichtum und im Hinblick auf unterschiedlichere Tempi noch etwas justiert werden. Ansonsten ist "Undying" ein wirklich gutes Erstwerk geworden. Etwas Luft nach oben ist definitiv noch vorhanden, aber die Wiener sind auf dem richtigen Weg. Und mit "Guardian Angels" haben sie bereits auf ihrem Debüt einen richtigen Hit an Bord.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (30.04.2021)

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