BALMOG - EVE

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VÖ: 28.05.2021
Bandinfo: BALMOG
Genre: Black Metal
Label: War Anthem Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das letzte Album von BALMOG, respektive der letzte Release "Pillars Of Salt", erschienen 2020, war durchaus ansprechend, wenn auch etwas erratisch und intrikat. Gut, bei einem 18-Minuten-Moloch kann man keine Drei-Minuten Fun-Punk-Schablone drüberlegen, aber ein wenig knackten die Ganglien schon bei dem Track.

Das neue Album "Eve" macht mich da mit neun Songs auf 40 Minuten verteilt doch etwas entspannter Richtung Review eilen. Gibt es Songs, gibt es fröhliche Melodien, die man, weizenhalmestreifend, im sommerlichen Lauf durchs Feld des Landmannes, ebenso fröhlich vor sich hin skandiert?

Fuck no!

Gibt es natürlich nicht. Das Intro, nennen wir es so, baut geschickt Spannung auf, bis es in den ersten Track "Birth Of Feral" geht und uns mit, ich zitiere den Waschzettel, "Black/death metal, postpunk, traditional metal, psycho-rock... it’s everything and nothing at the same time" konfrontiert. Alles oder/und nichts!? Laut Promo wollen BALMOG nicht Avantgarde sein, oder ein experimentelles Album erschaffen. Sie geben an, sich keine Limits gesetzt zu haben. Was es sein soll ist Horrormusik, eine Wiederauferstehung dessen, was die SISTERS OF MERCY oder MAYHEM, PINK FLOYD oder KING CRIMSON oder DANZIG oder MORBID ANGEL dereinst kreierten. 

Fucking hell, da wird mit reichlich Referenzmaterial geworfen, rausgekommen ist eigentlich nicht unbedingt das, was beschrieben wurde. Für mich klingt das Album ein wenig wie eine rockige Herangehensweise an die wahnsinnigen, französischen Black Metal-Bands der ganz schrägen Art. Ihr wisst, wen ich meine, BLUT AUS NORD, DEATHSPELL OMEGA, diese Knaben. Möglicherweise nicht ganz so verwirrend, aber ich muss gestehen, das Album macht es einem nicht leicht. Textlich soll es auch ganz arg rundgehen. Obacht also, ihr nahe am Wasser Gebauten! Fernando Pessoa soll lyrisch Pate gestanden sein (genau noch nichts von ihm gehört, mea culpa... Auctor)  und auch die theosophische Poesie (where to begin... the Red.) des Galiziers Xose Maria Diaz Castro. Super. Kann sein das dem tatsächlich so ist, oder man hier nur an der milchigen Brust der Angabe saugt. 

Ihr seht, ich ringe um Worte und bemühe das Promoschreiben des Labels, da das Album wirklich und wahrhaftig mächtig eckig ist. Ich gehe hier von einem Gesamtwerk aus, Texte und Musik werden wohl zusammen ein Ganzes werden. Texte hab ich grad nicht zur Hand, musikalisch ist es eben etwas fordernd. Man gibt sich Mühe, man bemüht die Abwechslung, ein fast schon film-score-artiges Intermezzo wie "Agnus Dei" lockert das Werk mittig etwas auf, aber man muss schon genau hinhören, bei dem, was die Spanier hier machen. "Eve" kann funktionieren in Momenten, in denen man bereit ist, den graden Pfad des massentauglichen Metal zu verlassen, es kann aber auch eine kleine persönliche Katastrophe werden, weil anfangs (und da bin ich eben grade) die Songs wirklich kaum Wiedererkennungswert haben.

Die Frage, die sich hier stellt, ist die ewige: wieviel Zeit gibt man einem Album, bis es zündet oder auch nicht. Ich bin derzeit in der Phase, in der ich noch derbe Probleme mit dem flirrenden ersten Drittel eines Songs wie "Desacougo" oder der gelebten Dissonanz des Siebenminüters "Carrion Heart" habe. Aber wie schon erwähnte Franzosen, kann auch Stein mit stetigem Tropfen gehöhlt werden (was soll ich sagen, mir ist nichts Anderes eingefallen... el editor). Die Zutaten für sich alleine genommen sind nämlich durchaus stark. Der fiese Gesang, das Schlagzeug mit einem starken Sound und die schrägen Gitarren, alles da. 

Ob jetzt aber das Album noch diese Woche zündet, oder im August, oder möglicherweise gar nie, dieses Urteil getraue ich mich nicht abzugeben.

BALMOGs "Eve" ist eines dieser Alben, bei denen man sich kaum getraut, eine feste Bewertung abzugeben, weil es einfach so vielschichtig ist. Ich leg mich fürs Erste mit einem höheren Durchschnitt fest und werde, sollte sich das im Laufe der Äonen ändern, wieder zu diesem Review zurückkehren.

Schon noch eine sehr schräge Sache...



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (21.05.2021)

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