LIQUID TENSION EXPERIMENT - Liquid Tension Experiment 3

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VÖ: 26.03.2021
Bandinfo: LIQUID TENSION EXPERIMENT
Genre: Progressive Metal
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

Es gibt doch auch mal positive Seiten von der furchtbaren Corona-Pandemie: wenn sich Kindheits-Idole nach mehr als 20 Jahren doch wieder im Studio treffen und ein feines Album gemeinsam machen. So geschehen mit LIQUID TENSION EXPERIMENT, die nach einem lässigen Debüt und einem überirdischen Zweitwerk, simpel mit jeweils „1“ und „2“ betitelt, es endlich zu Nummer „3“ geschafft haben. Die Namen dahinter sind so bekannt, dass sie wohl ohne Referenz zu ihren Standard-Bands auskommen: John Petrucci, Jordan Rudess, Mike Portnoy und Tony Levin sind jedem geneigten Prog-Fan hinlänglich bekannt (oder sollten es sein!). Aufgrund der guten Chemie ist ja damals Jordan Rudess damals zu DREAM THEATER gekommen, was das zwischenzeitliche Ende von LIQUID TENSION EXPERIMENT bedeutete – ob das ein guter Tausch war, ist wohl Ansichtssache...

Das aktuelle „3“ startet auf jeden Fall so, als ob „2“ noch nicht lang her wäre. „Hypersonic“ ist – so wie der Name sagt – ein schneller Start, der wohl zum Einspielen der Jungs dient, wenn da Skalen in überirdischer Geschwindigkeit rauf und runter gespielt werden. Dazu kommen dann feine Rock-Riffs und verträumte Gitarren-Leads von Mr. Petrucci (und auch ein Schuss Humor mit einem „Miau“ am Ende darf nicht fehlen). Ein guter Start, der mit „Beating The Odds“ nochmal getoppt wird, der Mix aus geilen Riffs, halsbrecherischer Geschwindigkeit, epischen Leads und merkbar guter Chemie zwischen den Musikern kann sich hören lassen. Bei „Liquid Evolution“ wird dann das Tempo etwas herausgenommen, es herrscht mehr die geschmeidige Instrumental-Note (hier schließt sich der Kreis zu jungen Wilden wie ARCH ECHO), bevor es bei „The Passage Of Time“ fast schon richtig hart wird – Mike Portnoy darf hier den Metaller heraushängen lassen, was aber eine feine Abwechslung bringt.

Warum „Chris & Kevin’s Amazing Odyssey” so heißt, ist nicht so ganz klar, nachdem es in der Band weder einen Chris oder einen Kevin gibt, jedenfalls experimentieren Mike Portnoy und Tony Levin recht wild herum, elektronisches Fiepsen und schräge Effekte geben hier den Ton an. „Rhapsody In Blue” merkt man die Herkunft vom Gershwin-Jazz-Standard an, wird aber auf der Basis noch mal kräftig verprogrockt, und ab und zu wird man an HAKEN erinnert. Auch hier kommt die Verspieltheit und die gute Stimmung gut heraus, sphärische Sounds beruhigen bevor Klavier-Versatzstücke das legendäre „Tom&Jerry“-Motiv von „2“ anklingen lassen. „Shades Of Hope“ ist dann die Album-„Ballade“ (die muss wohl einfach sein), von Petrucci und Rudess angeblich in einem Take aufgenommen, was normale Musiker normalerweise dazu bewegen müsste, die Instrumente ins Eck zu schmeißen und Vollzeit-Kellner zu werden. Die Grundstimmung wird dann schön in den letzten Track „Key To The Imagination“ übernommen, wo nochmal alles zusammenkommt, von garstigen Levin-Bass-Riffs zu Metal-Groove, orientalischen Sounds, und duellierenden Keyboard- und Gitarren-Licks.

Ein direkter Vergleich zu den Vorgänger-Alben ist natürlich aufgrund der mittlerweile vergangenen Zeit etwas schwer, was man auf jeden Fall merkt ist, dass dieses Quartett an Legenden einfach gut miteinander kann und dass bei jedem Zusammentreffen anscheinend etwas Handfestes herauskommt, egal ob das jetzt Prog-Metzeleien, feiste Riffs, verträumte Leads oder der eine oder andere musikalische Witz herauskommt. „3“ muss sich auf jeden Fall nicht vor „2“ verstecken, und während vielleicht der kleine Schuss Frische von damals verloren gegangen ist, ist das Songwriting nochmal ein Stück durchgängig besser geworden, was wohl auch an Jahrzehnten Prog-Erfahrung der Beteiligten liegt. Hoffentlich braucht es jetzt zumindest nicht mehr 20 Jahre und eine Pandemie, damit sich die Jungs an „4“ versuchen…



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Luka (28.04.2021)

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