FROZEN CROWN - Winterbane

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VÖ: 23.04.2021
Bandinfo: FROZEN CROWN
Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

FROZEN CROWN die Dritte. Das italienische Power Metal Ensemble präsentiert uns auf seinem neuesten Output "Winterbane" zehn Eigenkompositionen und mit "Night Crawler" ein (gelungenes) JUDAS PRIEST Cover. Die Band hatte im letzten Jahr drei Abgänge zu verkraften, die mittlerweile alle wieder neu besetzt werden konnten.

Mit seinen ersten beiden Veröffentlichungen "The Fallen King" (2018) und "Crowned In Frost" (2019) konnte das Quintett aus Mailand bereits richtig stark punkten und rief beim Rezensenten glückselige Erinnerungen an die wunderbaren DARK MOOR in der Elisa C. Martin Ära hervor (lediglich mit etwas weniger Bombast). Auch die kanadischen Power MetallerInnen von UNLEASH THE ARCHERS können noch durchaus treffend als Anhaltspunkt für diejenigen herhalten, an denen FROZEN CROWN bislang vorbeigegangen sind. Vergleiche mit NIGHTWISH & Co. hinken dagegen doch sehr, denn die Musik ist eine Mischung aus traditionellem Heavy- und Keyboard unterlegtem Power Metal europäischer Schule. Die Vorgängerscheiben zu "Winterbane" glänzten beide durch schnörkellose Eingängigkeit, mitreißende Melodien, eine immense Hitdichte und nicht zuletzt durch die großartige Stimme von Frontfrau Giada.

Nach dem Einlegen des aktuellen Longplayers wird schnell klar, dass FROZEN CROWN nach oder aufgrund (?) der doch recht einschneidenden Besetzungswechsel ihren Sound hörbar entschlackt haben. Die Keyboards treten größtenteils weit in den Hintergrund. Stattdessen dominieren die Gitarren, was den einzelnen Stücken eine ganze Schippe mehr Härte verleiht. Man hört immer wieder dezente progressive Elemente, und Giada macht nach wie vor gesanglich eine hervorragende Figur. Allerdings scheint neben den durchaus positiven Veränderungen hier und da das Fingerspitzengefühl beim Songwriting und den Arrangements ein wenig auf der Strecke geblieben zu sein.

So punktet beispielsweise der Opener "Embrace The Night" mit einem tollen Chorus, wirkt aber im musikalischen, angeprogten Bereich immer wieder etwas sperrig und bremst sich dadurch selbst aus. Oder "Crown Eternal". Der Wechselgesang zwischen Female Vocals und männlichen Growls funktioniert zwar (wie auf den Vorgängeralben auch), aber trotzdem (oder gerade deswegen?) kommt die Nummer ziemlich beliebig und austauschbar daher. "Angels In Disguise", der von Giada und VOLTURIAN Frontfrau Federica Lanna im Duett präsentiert wird, hat sicher das größte Hitpotential auf der neuen Langrille, und ich mag das Stück. Nichtsdestotrotz rücken FROZEN CROWN sich mit der Art und Weise, wie der Song rüberkommt, ziemlich stark in die Ecke aktueller Symphonic Metal Platzhirsche und die Nummer läuft dadurch Gefahr, nur ein Stück unter vielen zu werden. "Tales Of The Forest" schlussendlich ist ein nettes, aber unspektakuläres Instrumental. Kann man machen, muß man aber nicht.

Aber neben den unbestreitbar vorhandenen Schatten gibt es auch jede Menge Licht. "Towards The Sun", die als Vorabsingle ausgekoppelte Hochgeschwindigkeitshymne "Far Beyond" oder der Midtempo-Galopper "The Lone Stranger" machen richtig Laune und gehen eingängig und mitreißend leicht ins Ohr. "The Water Dancer" ist DER wirkliche Hit des Albums. Melodie und Text hat man sich spätestens nach dem zweiten Durchlauf draufgeschafft, und danach heißt es Feuer frei! für gut fünf Minuten Singalong-Metal-Party! 

Auch das PRIEST Cover kann überzeugen. Straight und schnörkellos knallt "Night Crawler" aus den Boxen, und Giada krönt die FROZEN CROWN Variante des Klassikers mit einer exzellenten Sangesleistung. Und der Albumcloser "Blood On The Snow" ist noch mal ein richtig krachender Rausschmeißer, bei dem der Klar/Growl-Wechselgesang eine ganze Ecke besser funktioniert als bei "Crown Eternal".

 

Fazit:

"Winterbane" ist kein schlechtes Album. Aber es bleibt in Bezug auf Songwriting und Umsetzung hinter seinen Vorgängern zurück. Der Sound ist ok und Fronterin Giada gesanglich über jeden Zweifel erhaben. Doch die neue Scheibe ist längst nicht so packend und mitreißend, wie "The Fallen King" oder "Crowned In Frost". Bleibt die Hoffnung, dass FROZEN CROWN auf ihren kommenden Veröffentlichungen wieder zu alter Stärke zurückfinden.

 

 

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (13.05.2021)

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