NECROSIS - Necrosis

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VÖ: 20.05.2021
Bandinfo: NECROSIS
Genre: Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Unlängst erreichte mich eine DM via Facebook vom Flax von FLOWERS IN CONCRETE. Das wäre jetzt noch nicht das aufregende Ereignis des Tages gewesen, der Inhalt aber hat den Nostalgieregler ganz auf 11 gedreht. Flax war nämlich der Bassist von NECROSIS, einer Weizer Band, die aus der Thrash-Formation U.S.B. hervorgegangen ist. 1988 wars zu Ende mit U.S.B, David und Mandsi (später Gitarrist bei EVOCATION) verließen die Band und wurden durch Bertl und Philipp ersetzt. Anfangs eher in der Doom- bzw. Death-Ecke ("Demo 1") beheimatet waren das "Demo 2" 1990 und 1991 "Just A Dream" schon leicht angegrindet. Schnell machte man sich in der Tapetraderszene einen Namen (das waren noch Zeiten... - der Red.) und vor allem das "Demo 2" erreichte einen gewissen Kultstatus. Das Tape wurde nach brieflichen Anfragen (ich versuche gar nicht zu erklären was das ist - der Red.) aus der ganzen Welt in selbige verschickt. Außer Afrika. Dort wurde Grindcore noch nicht so massiv abgefeiert. Dafür gab es in Polen einen NECROSIS-Fanclub! 

NECROSIS absolvierten dann einige Gigs mit befreundeten, legendären Bands wie EVOCATION und GENERAL BOMB MACHINE in Süd- und Ostösterreich und auch auf diversen Bandcontests. Es folgten nach Erwerb der Fahrerlaubnis auch Auslandgigs im Vorprogramm von Kapazundern wie DISASTROUS MURMUR, ATROCITY, SUFFOCATION, DISHARMONIC ORCHESTRA, PUNGENT STENCH und auch DISSECTION.

Beim europaweiten "European Metal Contest 1993" errang man unter 150 mitwirkenden Bands den mehr als respektablen vierten Platz. Darauf erhielt man von Morbid Records aus dem ostdeutschen Cottbus das Angebot, eine CD zu veröffentlichen. Gesagt, getan. Auf ins Studio und fünf Songs für eine Mini-CD wurden aufgenommen. Nur mit einer Veröffentlichung wurde es nichts. Das Label war geldmäßig eher schlecht aufgestellt und entschied sich gegen einen Release. Darauf löste sich die Band 1993 auf. Seit damals spielen Ems, Flax und Pepi bei der Hardcore-Punk-Formation FLOWERS IN CONCRETE.

Soweit ein kurzer Abriss, die Geschichte der Band betreffend. Warum ich hier ein wenig über "Necrosis" (auch "die 4 Song 12" EP" genannt) plaudern möchte ist die Tatsache, dass das Mini-Album in nächster Zeit auf Vinyl erscheinen soll. Mächtig coole Idee ein solches Stück Geschichte wieder der Szene zugänglich zu machen.

Vier Songs im typischen Anfang-90er Sound. Wie sich das einst angehört hat kann man weiter unten hören. Ein Intro läuft in den Opener "Dead Bodies" über, der doomig beginnt, punkig weitergeht, hier aber mit Death Metal-Vocals vom guten Bertl. Danach eine Grindabfahrt. Der Song erinnert so richtig an die beiden ersten NAPALM DEATH - Alben. Hier gibt es kein aufgezogenes Mastering, keine getriggerten Tischtennisdrums und keine zu rettenden Prinzessinnen, dafür aber Blastbeats am Ende.

Sperriger, abwechslungsreicher geht es mit "Maze Of Emotions" weiter, welches mit auf einem Backbeat ruhenden, derb röchelnden Bertl beginnt. Dann wirds etwas komplexer, die Drums zeigen auf, bis wir uns wieder am Anfang befinden. Simples, aber effektives Drumming und ein in Reverb wohnender Gesang. Nicht schwer zu erraten, was als nächstes kommt, genau, der verspieltere Teil wiederholt sich bis wir urplötzlich mit klaren Gitarren und ebensolchem Gesang konfrontiert werden. Ein gelungener Teil, der den Song auflockert und in einen Grindteil münden lässt. Tatsächlich ein Song, der nicht nur mit dem Charme der Vergangenheit punktet, sondern wirklich gut ist. Alle Ehre, meine Herren! Thrashig geht es dem Ende entgegen und "A Maze Of Emotions" ist ein Song, den man sich im Börserl behalten sollte. 

Die B-Seite beginnt mit "Into The Rooms Of My Head" und einem dominierenden Bass mit klarem Gesang bis der Song zu einem keifenden Thrash-Biest wird. Die Breakdowns kennt jeder, der in den frühen Zeiten des heimischen Metal daheim war. Das ist aber nichts wirklich Schlechtes. Es war einfach so und man war froh, überhaupt etwas aufnehmen zu können. Heute nagelt man über Reaper auf seinem Rechner soundtechnisch nahezu perfekte Songs ein, die allerdings den Charme einer in den 70er-Jahren gebauten Mehrzweckhalle haben. Der Track ist wie der Song davor natürlich zusammengestückelt, aber das hat etwas und wird gegen Ende mit einer sehr schrägen Abfahrt, ähm, beendet.

Wir retten den Regenwald mit Song Nummer Vier, einer Melange aus den NECROSIS-typischen Ingredienzen wobei hier vor allem der Doomanteil gefällt. 

Insgesamt haben wir hier vier Songs und nicht ganz 20 Minuten Spielzeit die uns ältere Mitbürger auf eine Reise in die Vergangenheit mitnimmt aber auch für jüngere Metaller interessant ist. Vor allem der dreckige Sound dürfte für Jungstahlbieger interessant sein und für Leute, die wissen wollen, wie NAPALM DEATH auf Schwammerl klingen könnten.. Die Songs sind solide komponiert und kompetent eingespielt, wer also Lust auf oststeirischen Doom-Death-Grind-und mehr-Metal aus dem 1993er-Jahr hat sollte versuchen, sich eines der 12"-Vinyls zu sichern. Kontakte sind Xalf höchstselbst (auch via e-mail: flax73@aon.at) und die offizielle Facebook-Seite der Band.



Ohne Bewertung
Autor: Christian Wiederwald (04.05.2021)

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