LIQUID STEEL - Mountains Of Madness

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VÖ: 21.05.2021
Bandinfo: LIQUID STEEL
Genre: Heavy Metal
Label: Metalizer Records
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Lineup  |  Trackliste

Wenn man eine Scheibe wie „Midnight Chaser“ am Start hat, dann darf man sich ruhig ein wenig Zeit lassen, ehe man sich über einen Nachfolger zu der flotten Langrille traut. LIQUID STEEL ließen sich für ihr neuestes, drittes Epos „Mountains Of Madness“ nicht hetzen und legten im Verlaufe der fünf verflossenen Jahre seit dem Zweitling erneut ihr ganzes Herzblut in zehn neue Stücke amtlichen Flüssigstahls. Dabei haben die Tiroler mit den fluffigen Frisuren nicht nur beim Titel tief in die Epik-Kiste gegriffen, sondern auch das Songwriting etwas verspielter und dramatischer gestaltet.

Das zeigt sich vor allem im Titeltrack „Mountains Of Madness“, welcher ebenso wie das Coverartwork von H.P. Lovecrafts gleichnamigem legendärem Werk inspiriert ist. Dabei beschreiten LIQUID STEEL musikalisch durchaus neue Wege, die sich in einer geradezu beklemmenden Atmosphäre manifestieren, die von einem düsteren Streicher-Intro aufgebaut wird und sich in bedrohlich grummelndem Riffing fortsetzt, welches in einem schleppenden, zwischen Melancholie und Fatalismus pendelnden Refrain gipfelt. Richtig episch wird es im getragenen „Alpine Warrior“, das das Mysterium der berühmten Gletschermumie 'Ötzi' beleuchtet und mit äußerst epischen Klängen darstellt. Veredelt wird der Song von Mike Young, der bereits 2014 einen Part zum Song “Samurai” vom Debütalbum „Fire In The Sky" einsprach. Auch der Opener „Traveller in Time“, der auf dem Roman „Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells basiert, fischt thematisch in eher nachdenklichen Themenbereichen, kickt daneben aber mit seiner flotten und mitreißenden Attitüde, die durch feines Twin-Riffing ganz im NwoBHM-Stil getragen wird, aber äußerst famos.

Wenn es um flotte, harmonische Gitarrenarbeit mit einem gewissen 80er-Vibe geht, ohne dabei in angestaubte Gefilde abzugleiten, dann macht niemand LIQUID STEEL so leicht etwas vor. Das in den Lyrics sehr persönliche „Victim Of The Night“ entwickelt sich schon mit den ersten Hördurchläufen zu einem veritablen Ohrwurm und auch das lässige „Heavy Metal Fire“ fängt den Spirit der goldenen Ära des Heavy Metal in moderner, zeitgemäßer Form ein. „On The Run“ drückt das Gaspedal ordentlich durch und auch das knackig-kurze „Nothing To Lose“ gibt mit simplem, erdigen Heavy Metal der Frühphase ordentlich Stoff. Das lässig-rockige „City Lights“, das thematisch auch in der autobiografischen Riege von „Victim Of The Night“ einzuordnen ist, birgt ebenfalls Ohrwurmqualitäten und macht durch seinen unverschämten Cowbell-Einsatz mächtig Laune. Der streckenweise gar balladeske Rausschmeißer „Thunder And Lightning“ beschließt das Album dann in einer erneut sehr epischen Form.

LIQUID STEEL machen wieder einmal alles goldrichtig. Vom nostalgischen Oldschool-Langhaar bis zum Jungspund mit Faible für erdigen, arschtretenden Schwermetall älterer Bauart wird hier jeder froh, der echten und unverfälschten Heavy Metal zu seinen Präferenzen zählt. Dabei schaffen es die fünf Tiroler einmal mehr, den Spagat zwischen zeitgemäßer Produktion und diesem gewissen nostalgischen Feeling hinzukriegen, der einem ein Grinsen von einem Ohr zum anderen ins Gesicht zaubert. Ja, „Mountains Of Madness“ könnte ohne weiteres direkt von den 80ern in die Neuzeit importiert worden sein, rifft frei von der Leber weg, aber beweist auch songwriterische Tiefe in epischen Strukturen, die dem Album die Ecken und Kanten geben, die es erst so richtig mitreißend und interessant machen. Horns Up!

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (14.05.2021)

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