BLOODBOUND - Creatures Of The Dark Realm

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VÖ: 28.05.2021
Bandinfo: BLOODBOUND
Genre: Melodic Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

In den vergangenen Jahren ist es ein heißes Pflaster geworden, über BLOODBOUND zu schreiben. Denn über die Schweden darf man durchaus geteilter Meinung sein – das allzu offensichtliche soundtechnische Fischen im SABATON-Fanlager stößt nicht wenigen (ehemaligen) Fans sauer auf, während die von selbigen Klängen Angesprochenen nicht müde werden, sich ob ausufernden Lobs zu überschlagen. Daher darf an dieser Stelle gleich der Hinweis erfolgen, dass sich die musikalische Marschrichtung der Schweden auch auf dem neuen Album „Creatures Of The Dark Realm“ dahingehend nicht ändern wird.

Entsprechend bekommt man serviert, was erwartet wird. Eine große Portion Epik in gefälligem, feierfähigem Tempo mit gelegentlichen Ausreißern, leicht verdauliche Refrains und vorhersehbare Strukturen und eine geballte Ladung Fanfaren, die sich wie ein Mantel um die Ecken und Kanten der Gitarren legen. Schon der Titeltrack, der nach dem Intro direkt als Opener loslegt ist bezeichnend für das Album, das wieder stark auf die SABATON-Schiene getrimmt ist. Auch im folgenden „When Fate Is Calling“ hört man die Landsleute heraus, was vermutlich an der Keyboard-Hookline und der prägnanten Stilistik in der Bridge liegt. Der Refrain ist erneut brauchbar, dafür bekommt man die Gitarren, bis auf ein Solo, leider fast nur als Hintergrundrauschen serviert.

„Ever Burning Flame“, das zunächst als musikalisches Knallbonbon für einen diabetischen Schock sorgt, entwickelt dann erstmals den Drive, den man von älteren BLOODBOUND-Stücken gewöhnt ist, da es streckenweise (vor allem im Refrain) auf zackige Doublebass-Attacken setzt und auch ansonsten mit anständigem Spannungsbogen und markiger Struktur aufwarten kann. Dass man sich ein wenig an einen nicht unbedingt unbekannten STRATOVARIUS-Song erinnert fühlt, blenden wir an dieser Stelle mal großzügig aus. In „Eyes Come Alive“ wird Sänger Patrick Selleby endlich mal ordentlich von der Kette gelassen, kann in Halford-Höhen aufsteigen und muss nicht ständig 08/15-Sangesläufe dahinnudeln – wenn nicht der einfallslose Kriegsmetal-Stampfe-Refrain und das schon vielen Kapellen gehörte Riff den Genuss des gesanglich  besten Songs des Albums trüben würde.

Die eher generische Kost von „Death Will Lead The Way“ mag nicht so recht mitreißen, da mit Fanfaren relativ zugepflastert, aber zumindest die streckenweise höhere Geschwindigkeit und die abseits von Fanfaren auftauchenden Gitarren mögen zu gefallen, während das nächste SABATON-Ripoff „Gathering Of Souls“ unspektakulär, aber gefällig dahin schunkelt. Dass es auch mit mehr Gitarren geht, beweist „Kill Or Be Killed“, das aber insgesamt wieder eher als höhepunktarmes Füllmaterial einher kommt – wenngleich auch der Refrain, wie so viele auf der Platte, durch seine Simplizität recht einfach ins Ohr geht, aber sich dort nicht für länger festhaken zu vermag.

Wie oft kann man wohl die bekannten, aus demselben Land stammenden, panzerbeschuhten Kollegen nachmachen? Oft, konstatiert der Rezensent, sehr oft... das beweist zumindest „The Gargoyles Gate“, „March Into War“ kann dann durchaus was, klingt episch und breit und geht schnell und stampfend ins Ohr – vermutlich deswegen, weil man sich hier wieder allzu offensichtlich bei (ich glaube ich brauche den Namen gar nicht mehr schreiben...) bedient. „Face Of Evil“ taucht für einen Moment aus dem Sumpf der stampfenden Kriegsmetal-Klänge auf, begibt sich mit dem Refrain aber wieder in den bequemen, ausgetretenen Pfad. Der Rausschmeißer „The Wicked And The Weak“ lockt mit fluffigen triolischen Drums zu folkigen Anleihen und rückt mit flotter gehaltenem Tempo und etwas abwechslungsreicherem Aufbau zum Abschluss wieder ein klein wenig in stärker profilierte Bereiche.

Unterm Strich hat man aber bei BLOODBOUND inzwischen einmal zu oft das Gefühl, einfach nur SABATON mit anderem Sänger zu lauschen. Andererseits, gut geklaut ist vielleicht besser, als miserabel selbst gemacht. Insofern ist „Creatures Of The Dark Realm“ ein durchwegs starkes Album, wenngleich mit relativ wenig Profil und Eigenständigkeit und etwas zu glattgebügelter Produktion, aber von einem in anderen Quellen beschriebenen „Album des Jahres“ noch ein ordentliches Stück entfernt. Die Fangemeinde, die auf obig beschriebene Klänge im Fahrwasser des Genre-Musterschülers abfährt, wird es sowieso abfeiern, egal was geschrieben wird.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (20.05.2021)

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