GARY MOORE - How Blue Can You Get

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VÖ: 30.04.2021
Bandinfo: GARY MOORE
Genre: Blues Rock
Label: Mascot Label Group - Provogue Records
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Lineup  |  Trackliste

Im April jährte sich der Tod des nordirischen Ausnahme-Musikers Gary Moore zum zehnten Mal. Ein Grund für die Mascot Label Group/Provogue Records, ihn mit einem Album zu würdigen, auf dem ungehörte bzw. unveröffentlichte Songs und Cover Versions zu finden sind. Auf „How Blue Can You Get“ kommt einmal mehr die Großartigkeit dieses Musikers zum Ausdruck, und Songs wie „In My Dreams“ schließen nahtlos an den 80er Hits wie zum Beispiel „Still Got The Blues“ an, wo Gary absolute Spitzenleistung ablieferte.

Unter den acht Songs des Albums sind auch mehr oder weniger bekannte, ältere Stücke, die Gary mit der ihm typischen Blues-Spielweise covert und ihnen neues Leben einhaucht. So wird man oft in die 50er Jahre versetzt oder die Südstaaten und fühlt sich bei der Piano- und Orgelbegleitung einem RAY CHARLES sehr nahe.
Gleich die erste Nummer „I’m Tore Down“ (Original von FREDDIE KING) lässt den Blues-Freund aufhorchen, und erfreut ihn mit feinstem Gitarrenspiel, wunderbaren Soli und Blues-Läufen sowie intensivem Orgelsound.

MEMPHIS SLIM’S „Steppin' Out“ ist ein rein instrumental gehaltenes Blues-Stück, das sehr stimmig, emotional und harmonisch ist und zum Verweilen einlädt.

Das bereits vorhin angesprochene „In My Dreams“ ist eine einzigartig schöne und emotionsgeladene Blues Ballade, die noch intensiver und echter wirkt, als sein TOP Hit „Still Got The Blues“, der dazu im Vergleich sauber gespült und klar kommt. Das damals war sehr schön gemacht und sehr breitentauglich bzw. mit Hitpotenzial. Nun ist es ehrlicher. „In My Dreams“ punktet in meinen Augen durch noch mehr Blues im Song und den triefenden Herzschmerz, der sich ergibt. Ähnlich balladig und zart ist die Nummer „Love Can Make A Fool Of You“. Eine absolute Hingabe und zarte Leidenschaft an der Gitarre, sowie eine super-geniale Orgel. Man arbeitet sich mit Weile zu einem Höhepunkt hin und bei mir kommt der Gedanke an „Bolero“ von Ravel hoch. Nicht das gleiche Genre, aber eine ähnliche Leidenschaft dahinter, die ausgelebt wird.

Der Reinkultur-Blues-Song auf dem Album ist der Namensgeber „How Blue Can You Get“. Dieses 7-minütige Stück (im Original von B.B. KING) wühlt ganz tief in der emotionalen Blues-Basis und lässt die Gitarre den Song tragen, sowie den ganz klassischen Blues-Bass einen Rhythmus vorgeben, wie man ihn seit Jahrzehnten eben mit klassischem Blues verbindet. Die zarten Lyrics unterstreichen dieses 50er Feeling noch weiter. Zäh wie Honig, triefend leidend, schmelzend im Sound. Einfach ein Sahnestück.

„Looking At Your Picture“ bietet etwas weniger Blues und ist nicht ganz so stark wie die anderen Songs. Es ist recht zurückhaltend im Sound/Songwriting und hat einen Country-Touch.

Ein wenig intensiver, weil „fetzig“ kann man hier ja nicht sagen, ist „Done Somebody Wrong“ von ELMORE JAMES. Der Sound ist abgehackter, knackiger, mit dezentem Biss – die Vocals immer im Gegenspiel zur Gitarre und mit Orgel-Unterstützung. Wiederum eine interessante Interpretation einer älteren Bluesnummer von einem anderen Blues-Kollegen, die von Gary mit Leidenschaft eingespielt wurde.

Der Abschluss „Living With The Blues“ ist erneut eine astreine Blues-Nummer mit Feeling und Schmerz. Ein Song, der das Ende des Albums zart und langsam einläutet, nicht nur mit Gitarre und trägen, gedehnten Vocals, sondern auch leidender Orgel und Bass. Mein Eindruck beim Schlagzeug: das wirkt wie gestreichelt.

„How Blue Can You Get“ ist also auf jeden Fall ein Schmankerl für den bluesigen GARY MOORE Fan. Auf dem Album ist ein Blues-Leckerbissen nach dem anderen. Und all jene, die das Old-school-Blues-Feeling fühlen, werden davon begeistert sein und seine große Liebe für diesen Musikstil teilen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (10.05.2021)

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