BLACK YEN - Satori

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VÖ: 14.05.2021
Bandinfo: BLACK YEN
Genre: Post-Metal
Label: Grazil Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

BLACK YEN veröffentlichen mit "Satori" ihr zweites Album, das erste via Grazil Records. Die Band treibt seit 2017, von Sebastian Lackner gegründet, ihr Unwesen und wurde geschaffen, um verschiedene Genres zu vermischen. 2018 gab es den ersten Release, "Lure". Paul Färber übernahm die Drums, das Album wird als "instrumentale Mediation oder Melancholie, Apathie und das Gefühl, im eigenen Geist gefangen zu sein", bezeichnet. Post-Metal war der Name of the Game. Mit "Satori" taucht man nun, so die Band, in neue musikalische Gefilde ab, versucht sich an verschiedenen neuen Sounds und bastelt an träumerischen Soundlandschaften. Dazu gibt es diesmal auch Gesang, hingebungsvoll geröchelt von Stefan Rindler.

Post ist es noch immer, die introspektiven Gitarren flirren noch immer und erzeugen diese gewünschten Soundscapes, bei denen man sich erwischt, wie man in die Ferne starrt und die Musik jeden gefühlten Millimeter der Seele in Anspruch nimmt. Ein wenig Black Metal kommt durch den Gesang hinzu, anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, fügt sich dieser mit der Zeit immer besser in das Gesamtkonstrukt ein. 

Klar, in den post-metallischen Parts hört man noch immer EXPLOSIONS IN THE SKY, aber die hört man sowieso bei jeder Post-Band auf diesem Planeten heraus. Atmospheric Doom soll diesmal bei BLACK YEN auch mit zum Gesamtbouquet auch mitspielen. Kann man, hört man sich zum Beispiel "Retiring From The Sunset" an, hier wird entschleunigt, was geht, es wird heavy, man bleibt aber noch immer kontemplativ. Was noch dabei ist, ist eine rockig-verspielte Variante des Post-Metal, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Hier zeigen die Musiker, dass mehr in ihnen steckt, als träumerische Projektionen über dem Schlagzeug beim Liveauftritt. Das hat Hand und Fuß, ich bin aber grade etwas verwirrt ob dieser Stilvielfalt. 

Was im Gesamten besonders auffällt ist der gnadenlos gute Sound. In Zeiten von selbstgebastelten Plastikproduktionen ist ein so organischer Sound Gold wert. Allein für den Bassklang würden alle Metalcoreler Westeuropas töten, hätten sie funktionierende Ohren. Dasselbe beim Schlagzeug. Es geht also doch und man muss das Zeugl nicht zu Tode triggern. 

Zwischendurch ein rein post-rockiges Zwischenspiel mit "Path Of The Grey Mist"... warum auch nicht. 

Schlagzeug. Reichlich verspielt bei "Strangers Land". Irgendwie schafft es die Band, musikalische Playfulness mit dieser typisch entrückten Post-Stimmung stimmig zu verbinden. Auch die schwarzmetallischen Vocals tun das ihre dazu und geben dem Gesamten noch eine kleine neue Autobahn, auf dem die Lieder fahren, hinzu. 

Post-Rock, Post-Metal lebt von der Dualität der entschleunigten, sinnierenden Parts und den kathartischen Explosionen, die das Gedankenschweifen auflösen. So einfach machen es BLACK YEN nicht, dafür haben sie zu viel an Bord. Klar, der Hauptpart ist das flirrende Wegfliegen in die Mitte der Seele, aber das ist nur der halbe Ansatz. Es kommen eben schräge, fast schon proggige Parts hinzu ("New Sight Unfolding"), die Doom-Ansätze sind bisweilen sehr präsent, manchmal kommt schon fast ein wenig Sludge hinzu und ein wenig Ambient, wenn gach einmal ein Lied zu Ende gebracht werden muss.

"Satori" bedeutet "Verstehen" und um das Album in seiner Gesamtheit zu verstehen wird es wohl eine Zeitlang brauchen. Ich bin verhalten begeistert und werde gerne wieder zu BLACK YEN zurückkehren, um dann aus eventuell gegebenem Anlass meine Worte zu diesem Release zu ergänzen. 

Mehr als interessant, aber gscheit fordernd!

 

 

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (15.05.2021)

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