THE MONOLITH DEATHCULT - V3 - Vernedering: Connect the Goddamn Dots

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VÖ: 14.05.2021
Bandinfo: THE MONOLITH DEATHCULT
Genre: Death Metal
Label: Human Detonator Records
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Lineup  |  Trackliste

Möchte man über niederländischen Death Metal referieren, wird man nicht auf Namen wie ASPHYX, PESTILENCE, GOREFEST oder auch THANATOS verzichten können. Doch während diese Größen im Dornröschenschlaf verweilten und erst gen Ende des ersten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend wachgeküsst werden sollten, trieb ein ominöser Todeskult mit "The White Crematorium" (2005) und "III - Trivmvirate" (2008) sein Unwesen, was, bezogen auf den Bekanntkeitsgrad, auch langfristig nicht geschadet haben dürfte. Wie ich, als jemand, der THE MONOLITH DEATHCULT im jungen Alter von 17 Jahren mit ebenjenem "III - Trivmvirate" kennenlernte, erst später herausfand, entzündeten sich aber auch damals schon Diskussionen ob der Gesinnung der Bandmitglieder, die womöglich einen größeren Status erfolgreich verhindert haben könnten. So gesehen hat sich wenig verändert, denn als auf dem Cover zu "V1 - Versus: It Will Burn Us Without Leaving Ash" plötzlich die Schwarze Sonne prangte, musste man nicht einmal die Uhr danach stellen, wann die alten Wunden wohl erneut aufbrechen würden.

THE MONOLITH DEATHCULT verstehen sich seit jeher - oder anders gesagt: können seit jeher - als mehr oder weniger experimentelle Death Metal Band verstanden werden, die Gebolze und Industrial mit einer Art B- oder Z-Movie-Flair zu einer kurzweilig-ironiegeladenen Mixtur verquirlen. Das dürfte überwiegend auch so aufgenommen worden sein, doch manch Symbolik, und das ist nunmal der schmale Grat, auf dem man wohl genüsslich schreitet, können zu Recht (!) für ernsthafte Verstimmungen sorgen. Im Nachhinein betrachtet haben die komplett durchgeknallten Texte - man ist geneigt zu sagen: mal wieder - den Kontext dazu geliefert, über Sinn und Unsinn einer solchen Aktion lässt sich allerdings trotzdem trefflich streiten. Gänzlich "unschuldig" an ihrem eigenen Image sind TMDC also sicherlich nicht, nein, man zelebriert dieses ja geradezu. Doch nichtsdestotrotz ist dieses Kokettieren mit dem Verbotenen, ähnlich wie bei HANZEL UND GRETYL z.B., so offensichtlich überdreht, dass sich der Interpretationsspielraum eigentlich in Grenzen hält. Ich bleibe also dabei: Will man in der niederländischen Death-Metal-Szene tatsächlich bedenkliche Tendenzen ausmachen, sollte man sich aufgrund zahlreicher, in jüngerer Vergangenheit digitalgewordener Entgleisungen eher an Patrick Mameli von PESTILENCE orientieren. Mehr dazu wird es dann in meiner Rezension zu deren neuem Album "Exitivm" geben.

Hier soll es nun hingegen, nachdem die Hintergründe abgearbeitet sind, um "V3 - Vernedering: Connect the Goddamn Dots" gehen. Ungewöhnlicherweise bereitet mir in diesem Fall aber nicht die Musik, also der Kerninhalt für einen Rezensenten, Kopfschmerzen, sondern die Tracklist, weswegen ich darum beten möchte, mir etwaige Songverwechslungen nachzusehen. Anlass: Band und Promoagentur boten noch vor einigen Wochen unterschiedliche Tracklists an; wobei das Intro "Infowars" auf der Bandhomepage gar nicht genannt wurde und das dort erwähnte "The Feet Of Jeremiah" wiederum in der Promoversion fehlt. Verwirrend? Nunja. Trotzdem bin ich mir mittlerweile einigermaßen sicher, dass die Promoversion nahezu akkurat ist, da THE MONOLITH DEATHCULT auf ihrer Bandcamp-Seite mittlerweile das gesamte Album eingetragen haben und sich die Tracklists nun weitestgehend decken (besagtes "Infowars"-Intro und der Opener "Connect The Goddamn Dots" wurden wohl zusammengelegt). Ehm, ja, gänzlich ohne Komplikationen scheint es beim Trio einfach nicht zu laufen.

Ansonsten ist aber wirklich alles beim Alten. Naja, fast alles. THE MONOLITH DEATHCULT waren schon besser in Form als auf dem Abschluss der Trilogie. Nicht nur auf dem nahezu unschlagbaren "III - Trivmvirate", das als Vergleichsmaterial unfair gewählt wäre, nein, auch in der Gegenüberstellung mit den bisherigen zwei Teilen. Das liegt auch - oder vor allem - daran, dass man mit dem knapp neunminütigen Auftakt sehr schleppend und eindimensional beginnt. Kein Tempowechsel, kaum Vocals, limitierte Electronica - furios oder zumindest spannend geht anders. Dementsprechend scheint all das und noch viel mehr dann in den anschließenden "Gone Sour, Doomed" und "Vernedering" aus allen Nähten zu platzen: Blastbeats, orchestrale Keys, Kopfnicker-Parts und Stampfrhythmen, wilde Soli, thrashige Metzelei, uvm. fallen über das Gehör her und machen den behäbigen Beginn zumindest ansatzweise vergessen. Mit "Blood Libels" knüpft dann leider umgehend wieder ein zielloser Filler-Track, der mit dem selbstironischen, gesprochenen Prolog einen leichten Schmunzler provoziert, ansonsten aber symptomatisch für den Verlauf bzw. die Problemzonen des Albums ist.

Waren "V1" und "V2" noch Werke, die man sehr gut am Stück hören konnte, breitet sich auf "V3" an einigen Stellen unglücklicherweise Langeweile aus. Auf einen schwächeren Track folgen ein oder zwei gute Tracks und auf diese dann wieder ein schwächerer. Das hemmt natürlich den Fluss und besonders negativ fallen dabei besagtes "Connect The Goddamn Dots" und zum Abschluss auch "L'Ouverture de Morose", die man, wenn man es beschönigend formulieren will, als viel zu lang geratenes Intro und Outro titulieren kann. Will man es aber nicht beschönigend formulieren, wirkt das schlichtweg ideen- bzw. inspirationslos, weil in 54 Minuten Gesamtspielzeit über 20 Minuten einfach überhaupt nichts von Relevanz passiert. "V3 - Vernedering: Connect the Goddamn Dots" hat auch seine guten Momente, bleibt insgesamt aber enttäuschend blass und scheitert an der deutlichen Vorgabe seines eigenen Titels, die einzelnen Stücke zu einem großen Ganzen zu verbinden. Schade.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (17.05.2021)

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