JESS AND THE ANCIENT ONES - Vertigo

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VÖ: 21.05.2021
Bandinfo: JESS AND THE ANCIENT ONES
Genre: Psychedelic Rock
Label: Svart Records
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Lineup  |  Trackliste

Ich kann mich noch sehr gut an das gleichnamige Debüt von JESS AND THE ANCIENT ONES aus dem Jahr 2012 erinnern, und wie der Jahrhundert-Song "Sulfur Giants" zum ersten Mal in meine Ohren drang. Was für ein erhebender Moment! Umso schwieriger für die seit einiger Zeit zum Quintett geschrumpften Finnen, dass ich sie automatisch bei allen folgenden Veröffentlichungen an diesem Meisterwerk für die Ewigkeit messe, ob ich will oder nicht.

Auf ihren letzten beiden Alben haben sich Jess und ihre Mannen immer mehr von den in den Anfangstagen in ihrem Sound noch reichlich zu findenden Doom Metal Elementen verabschiedet und sich musikalisch (fast) vollkommen dem Occult Psychedelic Rock zugewandt. Bereits auf der zweiten Scheibe ("Second Psychedelic Coming: The Aquarius Tapes" 2015) entdeckte die Band ihre Vorliebe für progressive und immer wieder leicht dissonante Passagen und Versatzstücke, zwei Elemente die JATAO auf dem Vorgänger zur aktuellen Scheibe, "The Horse and Other Weird Tales" (2017) noch einmal ausgebaut haben. 

Allerdings waren alle bisherigen Veröffentlichungen neben komplexeren und sperrig-vertrackten Kompositionen auch mit leicht zugänglichen, zumeist mitreißenden Nummern ausgestattet, die dafür sorgten, dass man sich die Alben mehr als nur einmal anhörte und dadurch die härteren Nüsse irgendwann dann doch knacken konnte.

Und so ist es auch bei "Vertigo". Neben schwereren Brocken wie "Talking Board", "Born To Kill" oder dem überlangen Albumcloser "Strange Earth Illusion" erwarten die Hörerschaft eingängige Occult/Psychedelic/Classic Rock-Nummern wie den treibenden Opener "Burning Of The Velvet Fires" der, wie viele andere Stücke auch extrem Hammond-verliebt aus den Boxen orgelt. Oder "World Paranormal", einer der beiden Hits der Scheibe (der zweite ist "Summer Tripping Man").

Und auch das in der Einleitung tatsächlich ein wenig an bestimmte italienische Kultklassiker aus den 80ern erinnernde, atmosphärische "Love Zombi" und das mit diesen wundervollen Gitarrenläufen und der inbrünstigsten Gesangsdarbietung von Ausnahme-Fronterin Jess auf dem gesamten Album aufwartende "What’s On Your Mind" dürften sich in Nullkommanichts in den Ohren des Auditoriums festsetzen.

Gibt man den drei oben genannten, etwas weniger eingängigen Nummern die Zeit, sich zu entfalten und zu wachsen, so erschließen sich dem Hörer mit der Zeit klangliche Welten, die voller Details und Facetten stecken. Man wird auf Funk- und Jazz-Elemente stoßen, über die Herkunft der eingestreuten, großartigen Samples grübeln und schlussendlich auch an den schwerer zu goutierenden Kompositionen Gefallen finden.

 

Fazit:

JESS AND THE ANCIENT ONES bleiben auch auf ihrem vierten Longplayer, auch wenn sie ihren eingeschlagenen Pfad nicht verlassen, trotzdem unberechenbar und untersetzen ihren altbekannten und altbewähren Sound immer wieder mit neuen, spannenden Impulsen. Eingängige, mitreißende Titel wechseln sich mit tiefgründigen Growern ab, und es gibt auf "Vertigo" wieder immens viel zu entdecken. Für mich wirklich eine großartige Scheibe, auch wenn "Sulfur Giants" auch weiterhin unerreicht bleibt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (27.05.2021)

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