POWERWOLF - The Sacrament Of Sin

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VÖ: 20.07.2018
Bandinfo: POWERWOLF
Genre: Power Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Am 20. Juli dieses Jahr erscheint das mittlerweile achte Studioalbum der saarländischen Metal Instanz POWERWOLF. Ja, es sind noch anderthalb Monate bis zum Release. Aber hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen bereits jetzt auf Hochtouren, damit wir Euch dieses denkwürdige Ereignis entsprechend präsentieren können. Dabei fiel dem Lord Seriousface und meiner Wenigkeit beim Blick in die Tiefen unseres Systems mit schreckgeweiteten Augen auf, dass es im gesamten Stormbringer-Archiv noch keine Rezension der letzten und momentan noch aktuellen Scheibe der Kraftwölfe [Danke Dragonslayer auf ewig, für deine kongeniale Übersetzungs-Verwendung im "Blessed And Possessed" Review! Anm. d. Verf.] "The Sacrament Of Sin" zu geben scheint! Und ehe wir hier aus der Redaktionsvorhölle aufgrund dieser unentschuldbar blasphemischen Häresie direkt ins metallische Fegefeuer wandern, habe ich kurzerhand den Saturday Satan angerufen, ein intensives, dreifaches Stoßgebet gen Armenien, Sabrodt und Sibirien gesprochen und hole nun an dieser Stelle unser frevelhaftes Versäumnis nach. In diesem Sinne - Amen & Attack und Fire & Forgive!

Bis auf "The Sacrament Of Sin" ist unsere POWERWOLF Discografie ja zum Glück vollständig, und wenn Ihr in dem ein oder anderen Review noch einmal stöbert, könnt Ihr den musikalischen Werdegang ganz gut nachvollziehen und gleichzeitig feststellen, dass die jeweiligen Verfasser der Album-Kritiken durchaus nicht immer einer Meinung waren, was die Qualität der einzelnen Scheiben angeht. Da ich selbst (bei Stormbringer) bislang in Bezug auf POWERWOLF rezensionstechnisch noch nicht in Erscheinung getreten bin, gibt es hier zu Beginn mal meine Einschätzung der ersten sechs Longplayer im Schnelldurchlauf (mit Verlinkung zu den Rezis meiner SB-Kollegen):

"Return In Blood Red" (2005)
Bewertung: 3/5 Punkten
Hits: "Mr. Sinister", "We Came To Take Your Souls", "Kiss Of The Kobra King" 
Persönliche Highlights: "Kiss Of The Kobra King"

"Lupus Dei" (2007)
Bewertung: 3,5/5 Punkten
Hits: "We Take It From The Living", "Saturday Satan", "Behind The Leathermask", "Vampires Don't Die", "Tiger Of Sabrod"
Persönliche Highlights: "Saturday Satan", "Behind The Leathermask"

"Bible Of The Beast" (2009)
Bewertung: 4,5/5 Punkten
Hits: "Raise Your Fist Evangelist", "Panic In The Pentagram", "Catholic In The Morning ...Satanist At Night", "Werewolves Of Armenia", "We Take The Church By Storm", "Resurrection By Erection", "Midnight Messiah", "St. Satans Day", "Wolves Against The World"
Persönliche Highlights: "Catholic In The Morning ...Satanist At Night", "Resurrection By Erection", "Midnight Messiah"

"Blood Of The Saints" (2011)
Bewertung: 4/5 Punkten
Hits: "Sanctified With Dynamite", "We Drink Your Blood", "Murder At Midnight", "All We Need Is Blood", "Dead Boys Don't Cry", "Night Of The Werewolves", "Die, Die Crucified"
Persönliche Highlights: "We Drink Your Blood", "Murder At Midnight", "Die, Die Crucified"

"Preachers Of The Night" (2013)
Bewertung: 5/5 Punkten
Hits: Alles!!!
Persönliche Highlights: "Secrets Of The Sacristy", "Cardinal Sin", "In The Name Of God (Deus Vult)"

"Blessed And Possessed" (2015)
Bewertung: 4/5 Punkten
Hits: "Blessed & Possessed", "Army Of The Night", "Armata Strigoi", "Higher Than Heaven", "Christ & Combat", "Sacramental Sister", "All You Can Bleed"
Persönliche Highlights: "Army Of The Night", "Christ & Combat", "Sacramental Sister"

Meine persönlichen Bewertungen der POWERWOLF Discografie zeigen deutlich eine anfänglich rasant ansteigende und sich dann auf hohem Niveau einpegelnde Qualitätskurve, die zudem (bislang) einen Höchstnoten-Peak aufweist. Seien wir also gespannt, wo auf der Skala "The Sacrament Of Sin" sich einordnen wird.

Der siebte Longplayer der Saarländer startet, wie es seit "Amen & Attack" ("Preachers Of The Night" 2013) Tradition ist, ohne Intro-Umschweife, und "Fire & Forgive" brettert derartig fett und mitreißend aus den Boxen, dass jeder, der dem Wolfsrudel zugetan ist, sich ab der ersten Sekunde des Openers sofort zu Hause fühlt. "Fire & Forgive" reiht sich ein in die Liste der großartigen Start-Tracks wie "Blessed & Possessed", "Sanctified With Dynamite", "Rise Your Fist Evangelist" oder eben "Amen & Attack". Alles vorhanden: atmosphärische Kirchenorgel, hammermäßige Melodyline, super rhythmische Strophen und ein Singalong-Chorus, der nach dem ersten Durchlauf textsicherheitstechnisch bereits zu 100% sitzt. Geiler Einstieg!

Track Nummer Zwo. Es ertönt die dazumal erste Vorab-Single-Auskopplung des Albums. Das Video fand ich anno dunnemals etwas dünn und lieblos, da sich zwei Drittel der Band mitwirkungsmäßig gleich mal frei genommen hatten und im Clip lediglich Falk und Attila zu sehen waren. Am Song selbst, "Demons Are A Girls Best Friend", gibt es dagegen nix zu kritteln, der ist eine klassische POWERWOLF Hymne, wie sie im Buche steht. 

Doch aller guten Dinge sind drei, und so folgt als Abschluss des Eingangs-Hattricks der erste von zwei Übersongs auf "The Sacrament Of Sin"! "Killers With The Cross" mit seinem (heißgeliebten oder abgrundtief gehassten) Schunkel-Metal-Ambiente bietet eine Melodie und einen Chorus zum Niederknien. Dazu eins der besten Soli der Bandgeschichte. Von vorn bis hinten absolut mitsingtauglich ist "Killers With Cross" schon jetzt ein absoluter Klassiker!

Und weiter geht die wilde Jagd! Von (synthetischen) Dudelsäcken eingeleitet, knallen die Wölfe der Hörerschaft einen weiteren Kracher um die Ohren. "Incense And Iron" ist vom gleichen Kaliber wie vergangene Glanztaten der Marke "Armata Strigoi", "Nochnoi Dozor", "All We Need Is Blood" oder "Werewolves Of Armenia".

Im Anschluss gibt es dann eine Premiere. Mit "Were The Wild Wolves Have Gone" präsentieren POWERWOLF die erste Ballade ihrer bisherigen Bandgeschichte. Und es funktioniert! Auch wenn der Titel natürlich ein augenzwinkerndes Wortspiel mit Bezug auf den Nick Cave/Kylie Minogue Evergreen "Where The Wild Roses Grow" darstellt - die Lyrics sind inhaltlich ebenso melancholisch, wie die Musik, und auf ihre spezielle Weise durchaus ergreifend. Natürlich interessiert das live und nach dem zehnten Festivalbier eh keine Sau mehr. Aber das Stück ist sowohl on Stage als auch aus der Konserve ein großartiger Song.

Die Halbzeit läutet hernach "Stossgebet" ein, der zweite deutschsprachige POWERWOLF Track nach "Kreuzfeuer". Musikalisch ohne Fehl und Tadel entpuppt sich die Nummer textlich leider nur als lauwarmer Aufguss zu einer Thematik, die in "Resurrection By Resurrection" und "Coleus Sanctus" zum einen hinreichend und zum anderen wesentlich intelligenter und hintersinniger verarbeitet wurde. "Stossgebet" mutet dagegen platt und lustlos an, und ich werde den Eindruck los, dass die Wölfe hier auf Teufel komm raus [hüstel - Anm. d. Verf.] der inflationären Textzeilen-Wiederholrate von Herrn Gurraths DEBAUCHERY Konkurrenz machen wollen.

Nach vier Minuten ist der auch mit einer Doppelportion Viagra nicht vor dem Einsturz zu rettende Kirchturm zum Glück in sich zusammengefallen. Und "Nightside Of Siberia" lässt die nonerektionale Schmach von "Stossgebet" bereits nach wenigen Sekunden vergessen. Der fetzige Stampfer reiht sich ganz weit vorn in der gleichen Riege wie, bereits weiter oben aufgelistet, "Incense And Iron" ein. Wahrlich ein nackenbrechender Headbang-Knaller mit Hirnwegschädelgarantie vor dem Herrn!

Der Titelsong schließt sich an, und die Wölfe treten in "The Sacrament Of Sin" mal wieder richtig aufs Gas. Anfänglich gefiel mir die Nummer nicht so besonders. Doch das sündige Sakrament erwies sich mit wiederholtem Hören als echter Grower und ist mir mittlerweile mit seinem straight nach vorn preschenden Tempo, der Melodie und dem peitschenden Chorus dann doch an Herz gewachsen.

Ich schrieb weiter oben von ZWEI Übersongs auf der aktuellen Langrille. Bitte sehr, hier kommt Nummer Zwei! "Venom Of Venus" ist mein persönlicher Favorit auf "The Sacrament Of Sin" und dank seiner, keine Gefangenen machenden Durchschlagskraft, gepaart mit der großen Melodie, den galoppierenden Strophenparts, den traumhaften Gitarrenläufen und dem exorbitant genialen Chorus für mich einer besten POWERWOLF Tracks ever! Überirdisch gut und auf einer Höhe mit Granaten für die Ewigkeit wie "Army Of The Night", "Christ And Combat", "Midnight Messiah", "Fist By Fist (Sacralize Or Strike)" [Lobhudelei folgt noch! Anm. d. Verf.] und "Extatum Et Oratum".

Für das folgende "Nighttime Rebel" gilt in etwa das Gleiche, wie für den Titelsong. Auch die Nummer um den Nachtzeitrebellen zündete bei mir nicht auf Anhieb, doch mittlerweile, nach unzähligen Durchläufen mag ich das Stück doch sehr und vor allem immer noch. Auf Anhieb in die Beine, den Nacken und ins Gehirn fräst sich dagegen "Fist By Fist (Sacralize Or Strike)", eigentlich der dritte Megahit nach "Killers With The Cross" und "Venom Of Venus". Der Albumcloser ballert sich noch einmal stakkato-mäßig in die Gehörgänge, worauf hin sich Faust auf Faust ganz von selbst in den Himmel reckt, während Bastarde, Heilige und Sünder gemeinsam die Nacht erwarten...

Nach dem offiziellen Ende von "The Sacrament Of Sin" spendieren uns die Wölfe mit dem halbsatanistischen (3:33 min Laufzeit!) "Midnight Madonna" noch einen Bonustrack, der im Vergleich mit den regulären Stücken qualitätstechnisch absolut mithalten kann und der mit einem Chorus aufwartet, bei dem wir vor zwanzig Jahren wohl im Konzert noch die Feuerzeuge hochgehalten hätten. Aber dafür gibts ja heutzutage die Taschenlampen-App. Und die kann immerhin auch von Nichtrauchern geschwenkt werden, was den Effekt weit mehr als verdoppeln dürfte.

Mein Redakteurskollege Lord Seriousface meinte, ich solle auch noch was zu der Bonus-Scheibe der Special Edition schreiben (oder wars die Limited? Oder die Special Limited??). Okay, ich schreibe dazu, dass ich (im Interesse des bislang exzellenten Ergebnisses des regulären Albums) zu dem aus meiner Sicht verschwendeten Rohstoffmaterial nichts schreibe. Gut, zwei Sätze: 1. Braucht kein Mensch! 2. Selbst meine Lieblinge von BATTLE BEAST versagen hier kläglich, und zum Abschluss gibts noch die Fremdschäm-Top 3 der Cover Schlechts Of: 1. We Drink Your Blood (SALTATIO MORTIS), 2. Amen & Attack (Mille Petrozza and Marc Gortz), 3. Sacred & Wild (EPICA). Sorry, aber das war mal gar nix. Der einzige wirklich auch nur halbwegs interessante Beitrag ist "The Evil Made Me Do It" von KADAVAR. Zum Glück läuft dieser Bonus-Quark jedoch außer Konkurrenz und hat somit keinen Einfluss auf die Bewertung von "Sacrament Of Sin".


Fazit: 

Die Kraftwölfe haben mit ihrer siebten Langrille mal wieder ein wahres Schätzchen aus dem von Silberkugeln durchlöcherten Pelz gezaubert. Hits und Hymnen am laufenden Band, geile Hooks und Melodien, herrliche Mitsing-Chorüsse (Chorusse? Choruses? - die Redaktion), eine Instrumentalfraktion ohne Fehl und Tadel und ein stimmlich bestens aufgelegter Attila Dorn. Dazu eine fette, wuchtige und glasklare Produktion. Gäbe es den "Stossgebet"-Ausrutscher nicht, hätte ich definitiv die Höchstnote zum zweiten Mal nach "Preachers Of The Night" gezückt. So sind es "nur" 4,5 Punkte geworden, die sind allerdings mehr als verdient.

Amen In The Name Of God!

 

 

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (30.05.2021)

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