DISKORD - Degenerations

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VÖ: 03.08.2021
Bandinfo: DISKORD
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das Chaos verdrängt alle Ordnung und wird am Ende obsiegen - das weiß man nicht erst seit Rudolf Clausius und Jello Biafra. Doch darüber hinaus wissen wir ab heute, dass die unweigerliche Degeneration allen Seins einen Namen hat - DISKORD. Die seit über zwanzig Jahren bestehende norwegische Band spielt eine dissonant-technische Varietät des Death Metal schickt sich mit ihrem neuesten Opus "Degenerations" an, das musikalische Grundgefüge ihres Genres zu zermürben. Da besagter Dreher erst der Dritte seiner Art ist und auch die daneben bestehende Liste von Klein-Veröffentlichungen eher überschaubar ist, könnte man darauf spekulieren, dass sich die Mannen beim Erschaffen ihrer Kreationen reichlich Zeit zur Überlegung nehmen... oder aber einfach viel zu beschäftigt zum Komponieren sind.

Beide Antwortmöglichkeiten sind in gleicher Weise wahrscheinlich und plausibel, denn eine Sache muss man in Bezug auf "Degenerations" schadlos konstatieren: Die Platte ist nicht mehr und nicht weniger als das vertonte Chaos. Und wenn sich ihre Macher wahrhaftig tiefgehende Gedanken über Songwriting, nachvollziehbare Strukturen und ansatzweise Harmonien gemacht haben (man will ja niemanden das Gegenteil unterstellen), dann haben sie ihre Spuren zumindest äußerst professionell verwischt. Die zwölf Songs kommen wie eine Armee uniformer Zinnsoldaten daher, gleichen sich bis auf wenige Ausnahmen ("Bionic Tomb Eternal", "Abnegations") wie ein Ei dem anderen und haben anscheinend nur ein erklärtes Ziel: Die Gehörgänge ihres Konsumenten zu lauwarmem Kartoffelpüree zu zerstampfen.

Die Bassspuren klingen wie der verzweifelte Versuch, ein Paar überlange Schnürsenkel miteinander zu vermählen oder eine Bewerbung um einen Guinness-Buch-Eintrag in der Kategorie "schnellste Tonleiter auf den dicksten Saiten". Bei den dissonanten Akkorden ist zuweilen schwer zu unterscheiden, ob es sich tatsächlich um hochspezialisierte Griffbrett-Kniffe oder um das schlichte Fehlen eines Stimmgeräts handelt ("Loitering In The Portal"). Der Gesamteindruck erinnert an eine hemmungslose Prügel- und Bollersession unter Beihilfe von Nachbar's Oma Trude, die im Ärgernis über ihren übergekochten Nudeltopf denselben mit einem hölzernen Kochlöffel malträtiert. Vereinzelte Songs erwecken anfangs den Eindruck, als könnten sie aus dem beschriebenen Muster ausbrechen und bewährte Krachkost jenseits der Grenze zum zerebralen Wahnsinn liefern ("Bionic Tomb Eternal", "Abnegations"), doch keiner davon hält die Übung über den Intro-Takt hinaus durch. So bleiben die Stücke auf "Degenerations" unterm Strich chaotisch, unstrukturiert und vor allem eins: überfordernd.

Ob die unstreitbar schweißtreibenden Leibesertüchtigungen auf "Degenerations" nun mehr dem Erhalt der Fitness und kontrolliertem Aggressionsabbau als der musikalischen Unterhaltung dienen, lässt sich nicht zweifelsfrei ergründen. Fest steht jedoch, dass das wilde Potpourri aus ungeniertem Geprügel, Formel 1 auf der Tonleiter und Kuhglocken-Armageddon viel mehr ein Pläsierchen für Gehörgangs-Masochisten als ein heißer Anspieltipp für die breite Genre-Hörerschaft ist. Wem's gefällt.



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (29.07.2021)

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