THE BIONIC PROTECTOR - Mark II

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VÖ: 23.04.2021
Bandinfo: THE BIONIC PROTECTOR
Genre: Electro
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

THE BIONIC PROTECTOR ist ein weiteres Kind der Kreativschmiede Stefan C. Schenkel. Nachdem der vor allem mit seinem Projekt TIMEMAGE in Metal-Fachgazetten bekannt gewordene Musiker mit seinen letzten beiden Soloalben zunehmend elektronischere Wege einschlug, ist die Fortführung dieser Entwicklung unter eigenem Projektnamen durchaus nachvollziehbar.

Bevor jetzt 90 % der Leser zum nächsten Metalreview weiterklicken: Der gute Stefan C. Schenkel ist in seinem Herzen immer noch ein Rocker und das hört man den fast durchwegs am Synthesizer entstandenen Songs auch genau so an!

Noch da? Toll, dann kanns ja weitergehen!

Nach einem kurzen Intro steigen wir mit der autobiografischen Uptempo-Nummer "One Man Army" direkt ins Universum von THE BIONIC PROTECTOR ein. Eine unaufdringleche, aber eingängige Komposition, begleitet von einem tighten Beat, der sehr nah an einem echten Drumsound ist (Hallo Rolf Kasparek, so geht das! Sorry, den konnte ich nicht nicht liegen lassen). Deutlich elektronischer wirds auf den nächsten Tracks. "Upgrade Completed" flirtet mit zarten Industrial-Anleihen, während "Upgrade Completed" nicht zuletzt dank seiner female Samples zumindest mich an Disconächte in den 1990ern erinnert.

Eine Ausnahme des Albums ist der Hinhörer "Extraction Force Incoming", auf dem auch Gitarrenriffs zu hören sind und die deutlich rockigere Züge als die übrigen Tracks aufweisen. Der Aufbau erinnert an schnelleren Post Rock von Bands wie MY SLEEPING KARMA oder GOD IS AN ASTONAUT, nur mit höherem Keyboardanteil. Für mich (nicht nur wegen der Gitarren!) das klare Highlight auf "Mark II".

Nachdem mich "Psychic Warfare" wieder zurück in die 1990er Jahre katapultert hat und "Shapeshifting Terror" flirrenderweise seinem Namen alle Ehre gemacht hat, betreten wir mit "Beacon In The Darkness" und dem hoch eingängien "Emerald Lightning" den Dancefloor. Okay, ich tanze nicht - aber ich würde vermutlich wenn ich täte... egal. Inzwischen sind wir bei "Phantom Unit", welches unaufgeregt nebenher plätschert.

In meinem Review von "Phantasmagoria" habe ich von den Kassetten-Tauschgeschäften der "Synthesizer Greatest"-Compilation der 1980er Jahre erzählt. Nun, "Premonition" ist ein ebensolcher Song, der neben JEAN MICHEL JARRE, ANDY McCLUSKEY und VANGELIS gute Figur gemacht hätte. Für mich ganz klar einer der besseren Songs auf dem Album. Mit "Liar Of The Space Demons" neigt sich das Album seinem Ende zu - hier schimmert zu Beginn wieder ein wenig Schenkels G'spür für Filmscores durch, bevor wir uns abermals in "Synthesizer Greatest" Gefielde bewegen.

Ich gestehe, dass ich von diesem Genre aktuell etwas zu weit weg bin, um objektive Vergleiche zu weiteren aktuellen Künstlern zu ziehen, zumal das ja auch nicht gerade die Kernkompetenz von STORMBRINGER ist. Dennoch erlaube ich mir eine subjektive Beurteilung, denn speziell die rockigeren Songs und die klassischen Synth-Songs finde ich richtig stark. Besonders "Extraction Force Incoming" mit seinen Reminiszenzen an das Genre Post Rock offenbart möglicherweise ein neues Betätigungsfeld für ein weiteres Projekt im Schenkel'schen Multiversum. Ich würde das begrüßen.

Das Artwork des Albums entstand übrigens gemeinsam mit Stefan Schenkels 14-jährigem Sohn, einem ebenso begeisterten wie begabten Illustrator. Und das ist schon aller Ehren wert!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: adl (18.05.2021)

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