SYLVAN - One To Zero

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VÖ: 28.05.2021
Bandinfo: SYLVAN
Genre: Progressive Rock
Label: Gentle Art Of Music/Soulfood Music
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Lineup  |  Trackliste

Sylvan bzw. Sylvana sind nicht nur äußerst wohlklingende Namen für etwaige Stammhalter, sondern der Name einer bundesdeutschen Art-Rock-Band, der sich auf Sylvanus, einer römischen Gottheit, bezieht. Wald, Wiese, Hirten sind sein Metier. Die Band-Geschichte, die 1991 mit Chamäleon ihren Anfang nahm und 1998 in SYLVAN mündete, fügt sich hier vielfärbig ein. Zu Beginn der 2000er-Jahre warf die Band kontinuierlich Alben auf den Markt. In den letzten Jahren ging man die Sache ein wenig ruhiger an und ja „One To Zero“ ist wieder ein Konzept-Album und das ist bei SYLVAN eher die Regel als die Ausnahme. Weil es hierbei, sagen wir mal, um künstliche Intelligenz geht, lass ich die Synthesizer ausnahmsweise mal durchgehen, obwohl bei derlei Irrlehren, meiner Meinung anorganisches Teufelswerk, einer Band eigentlich die Rute ins Fenster gestellt werden muss, nicht jedoch SYLVAN. Wer Liedern Titel wie „Bit By Bit“ zueignet, ist sich dessen bewusst, dass man seine Dämonen kennen muss, um ihnen widerstehen zu können. 
Verweise hier so nebenbei auf die SMASHING PUMPKINS, die ihren Schlagzeuger bei „Adore“ fröhlich durch ein metallisch glänzendes blinkendes Teil ersetzten und ihrem Werke die Seele rausrissen, wobei Jimmy Chamerlin geläutert wieder in den Kreis von Mastermind Billy Corgans Auserwählten aufgenommen wurde und wenn sie nicht gestorben sind, ja Jimmy, so rocken sie noch heute. 

Könnte nicht sagen verstanden zu haben, warum es SYLVAN auf die Stormbringer-Homepage geschafft haben, Hard ´n´ Heavy ist hier wenig bis nichts, was aber nicht heißt, dass „One To Zero“ hier nicht besprochen werden würde.

Beim Opener „Bit By Bit“ dauert es einmal fast fünf Minuten, bis Töne erkennbar sind, die als Hard ´n´ Heavy durchgehen könnten. Der Song schwebt durch den Äther wie ein leicht flüchtiges Gas, womöglich Wasserstoff, dessen Flüchtigkeit bekanntermaßen für die menschliche Existenz richtungsweisend ist. Der Mensch irrt, solange er strebt, meinte mal ein äußerst findiger Deutscher. Der Mensch bemächtigte sich des Feuers und wer mit dem Feuer spielt, dem widerfährt Teuflisches. Auf der Sonne funktioniert die Fusion von Wasserstoff zu Helium bestens, das widerspenstige Wasserstoffmolekül als Treibstoff für vierrädrige Ungetüme zu verwenden, birgt so manche Tücken. Hindenburg, Led Zeppelin, ka wumm.

Encoded By The Heart“ beginnt wieder luftig leicht mit einer sehr schönen Klavier-Passage, wobei es mit dem Gesang eine Einheit bildet, ein Edelgas, sagen wir Argon, wird beigemengt, die Gitarre, das gefällt, sehr gefühlvoll, Freunde des Thrash-Metals werden damit aber nicht ihre Freude haben.

Start Of Your Live“ geht bei mir als astreine Pop-Rock-Nummer durch, sehr eingängig, von der ich mir durchaus vorstellen könnte, dass sie von großen Sendern, a la Ö3, gespielt werden könnten.

Unleashed Power“, ist bestimmt ein wuchtiger Grind-Core-Metal-Titel, bei SYLVAN ist es ein diffizil von sanften Klaviertönen getragener Gesang, der wie ein Selbstgespräch anmutet, die Gitarre, der Bass und das Schlagzeug bilden das Auffangnetz, für den schwebenden Protagonisten, der womöglich erwacht und abstürzt.

Trust In Yourself“, okay, noch mal, bin kein Freund von Synthesizern, die lass ich hier aber gelten, denn sie unterstützent den diffizilen Gesang dabei, aufzusteigen, langsam, stetig, wie ein Gas, das nur unmerklich leichter ist als Luft. Nach 3:37 Minuten gesellt sich eine Geige dazu, die dezent Schallwellen emittiert. Passt.

On My Odyssey“ ist wieder eine luftig leichte Nummer, wobei sich Geige und Gitarre (die verdammt gut klingt, womöglich eine PRS Santanta-Model, schön zu einem Hybrid zusammenfinden, als würde der Wind die Segel streichen.

Part Of Me“ bedeutet more of the same: Ausladendes bzw. einladendes Klavier-Intro, in das Geige, Gitarre etc. fein verwoben wurden und sich das Lied gelassen aufbaut. Die 9 Minuten 16 Sekunden kommen einem vor wie 3:30.

World Apart“ ist nicht das stärkste Lied dieses Longplayers. Es hinterlässt kaum Eindruck bzw. Ausdruck und hätte von mir aus weggelassen werden können.

Go Viral“, da ist er wieder, der fein gewobene Klangteppich, auf ein verhaltenes Intro (ja, Synthesizer), folgt eine Pop-Rock-Nummer und wer hätte das gedacht, nach 3:30 intonieren Gitarren, als wollte am Ende Hard ´n´ Heavy doch noch ins Ruder greifen wollen. Mehr davon, diese Abwechslung hält uns bei der Stange.

 


 

Not A Goodbye“ ist ein Lied jenseits der 10-Minuten-Grenze, das atmosphärisch sehr gut durch den Äther wummert. Einziger Kritikpunkt ist jetzt aber wirklich das Synthesizer-Intro, das hier gar nicht ins Konzept passt. Die beiden Gitarren ergänzen sich durch ihren gänzlich unterschiedlichen Duktus bestens, eine spielt eine gepickte Melodie, die andere hält sich an Power-Chords. Als Ganzes ist das Lied sehr gelungen und jetzt weiß ich, woran mich SYLVAN erinnert: PINK FLOYD.

Fazit: Ein relaxtes Album, ganz weit weg von Hard ´n´ Heavy, dessen ungeachtet wird hier mit fein gestählter Klinge gearbeitet. Zu bemängeln gibt es von meiner Seite nicht viel. Jedes Lied entfaltet seinen Esprit. Wobei doch, ein klein wenig Abwechslung, ein Tempowechsel dort, etwas das mich nach der Hälfte der Platte überrascht hätte, wäre dann wohl zu schön, um wahr gewesen zu sein. Abschließend ist der wunderbare Gesang zu erwähnen, wobei das Timbre toll durch die Instrumente in höhere Sphären gehoben wird.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (21.05.2021)

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