DOPPELBOCK - So schön

Artikel-Bild
VÖ: 28.05.2021
Bandinfo: DOPPELBOCK
Genre: Folk Rock
Label: Metalville
Hören & Kaufen: Webshop
Lineup  |  Trackliste

Wenn man es richtig anstellt, könnte die 2014 in Hessen gegründete Band DOPPELBOCK eine steile Karriere vor sich haben. Denn eigentlich sollte das Quartett mit ihrem neuesten Album „So Schön“ hierzulande ein großes Publikum finden. Fans von Punk-Rock-Bands wie den TOTEN HOSEN oder den BROILERS können sich ebenso angesprochen fühlen wie Anhänger der Shanty-Rocker SANTIAGO oder der ami-irischen Folk-Rocker DROPKICK MURPHYS. Klingt nach einer kruden Mischung? Nee, das tönt nicht seltsam, sondern originell und frisch, vor allem, weil im Sound von DOPPELBOCK ein Akkordeon im Zentrum thront, das Marco Czerny überaus mitreißend spielt und der Band ein Alleinstellungsmerkmal gibt.

Damit nicht genug, sind die Songs dufte produziert und haben viel Qualität, aufgepäppelt durch verfangende Texte, die auch gesellschaftskritische Themen wie Drogenkonsum oder Alkoholsucht („Fürst Der Welt“ oder „So Schön“) mit zum Teil fast schon poetischer Note anfassen. Dabei nerven die Texte nicht im belehrenden oder überkorrekten Ton, sondern sind mitunter sogar unterhaltsam (zum Beispiel bei „Gott Hat Versagt“: „Wer an das Gute glaubt im Menschen, ist der wahre Psychopath. (...)“). Und die Texte sorgen für eine wohltuende Abgrenzung zu solch allzu albernen Bands wie MR. HURLEY UND DIE PULVERAFFEN oder KNASTERBART, die zwar musikalisch Überschneidungen aufweisen, aber unerträglich bemüht lustig sein wollen. Das ist bei den punkigeren DOPPELBOCK erfreulicherweise nicht der Fall.

Am Wichtigsten aber: Das Album macht an vielen Stellen Spaß. So ist „Wandersmann“ ein echter Schunkler mit einer bekannten Volksliedmelodie, bei der jede Konzerthalle in eine Party verwandelt wird, ohne dass der Song in allzu große Albernheit abdriftet. Mitreißend ist auch „Schatten“, das von der Rhythmik und den Gesangsmelodien an DROPKICK MURPHYS erinnert, ohne wie ein Abklatsch zu wirken und eine schöne Ambivalenz zwischen Sehnsucht und Partystimmung ausstrahlt. Und so geht es weiter mit dem Aufzählen von Highlights: „Alles Gegeben“ ist ebenfalls flott unterwegs, erfreut mit seinem fröhlich nach vorn klappernden Schlagzeugspiel und packt den Hörer mit seinem Gröhl-Chorus (auch die Nummer wird daher live abgehen) und einmal mehr fällt es beim Hören des Akkordeons schwer, ruhig sitzen zu bleiben. Wer da nicht mitgeht, ist entweder taub oder kann ein Akkordeon nicht leiden.

Echte Partybiester können DOPPELBOCK also. Damit aber nicht genug haben sie mit „Fürst Der Welt“ einen elegischen, nachdenklichen Anti-Drogensong geschrieben, der nicht zu gewollt wirkt und nicht platt formuliert ist („Du fickst nicht mit dem Fürst der Welt, um dafür nicht zu bezahlen“) – was bei solch einem Thema nicht einfach ist. Chapeau! Gekrönt wird die starke Deutsch-Rock-Nummer von einem tollen Akkordeon-Solo, das in ein fantastisches Gitarrensolo übergeht: Wohl der längste Solo-Part auf dem Album und das passt erneut hundertprozentig. Genau so, genau bei so einem Song braucht es so ein von Emotionen zerrissenes Solo.

Ach ja, der Opener „Auf Die Knie“ soll zwar schon jetzt bei der Fanbasis der Bande ein Hit sein, im Vergleich zu den anderen Höhepunkten des Albums, fällt er aber etwas ab. Dennoch nicht übel und möglicherweise live besser als aus der Konserve. Das gilt wohl auch für „Stirb Für Uns“, das textlich ungewohnt kryptisch bleibt und musikalisch der erste Hänger ist. Gut, dass es bei „So Schön“ wieder konkreter wird und der Text zur Stärke des Tracks gehört. Musikalisch hört sich das nach irischem Folk an und ist eine der ruhigeren Nummern auf der Scheibe. Gelungene Abwechslung.

Es gibt auf „So Schön“ allerdings auch Nummern, die nicht so recht überzeugen und Skip-Kandidaten sind: Das im Midtempo gehaltene „Am Ende“ mit platitüder-depressiver Aussage, der vergleichsweise harte Rock`n`Roller „Gott Hat Versagt“ und das sehr ruhige „Wald“, das mit seiner leichten Gothic-Note an UNHEILIG erinnert. Das finale „Bis Zum Schluss“ versucht´s dann nochmal mit Partystimmung und bekommt das auch recht gut hin, wenn auch die irgendwie deplatziert wirkenden Backing-Vocals etwas störend wirken.

Nach zuvor zweier EPs ist „So Schön“ ein bockstarkes (dieser Kalauer musste einfach sein) Debütalbum, das vieles kann: Partystimmung verbreiten, auch mal sehnsüchtige und nachdenkliche Gedanken herbeibeschwören und in Summe einfach Spaß bringen. Insbesondere live werden DOPPELBOCK damit alles abräumen. Und ja, es ist sogar noch Luft nach oben da, denn bei circa 36 Minuten machen sich drei Songs, die nicht zünden, doch bemerkbar. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Tobias (27.05.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE